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Telemedizin und mehr : Bill Gates nennt positive Folgen der Corona-Pandemie

Bill Gates wirbt dafür, auch diese Krise nicht zu „verschwenden“. Bild: AP

Der Microsoft-Mitgründer will die Notenbanken von der schnelleren Digitalisierung des Finanzwesens überzeugen. Und spricht eine deutliche Warnung aus.

          2 Min.

          Die Corona-Pandemie treibt die digitale Transformation in nie erwarteter Geschwindigkeit insbesondere im Finanzsektor voran. Damit hätten zahlreiche Entwicklungsländer die Möglichkeit, schneller aufzusteigen und das Armutsgefälle zu verringern, sagte Microsoft-Mitgründer Bill Gates auf dem Singapore Fintech Festival voraus, dem er von Amerika aus zugeschaltet war.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Gates ergänzte: „Auch wenn die Pandemie schrecklich ist, hat sie Innovationen beschleunigt. Das Lernen in der Distanz, die Telemedizin, digitale Finanzen haben alle enorme Fortschritte gemacht.“ 

          Der Amerikaner erwartet, dass im ersten Quartal sechs Impfungen genehmigt seien. „Das Ziel lautet, diese Sachen so weit als möglich 2021 herauszubringen, so dass die Pandemie selbst in Entwicklungsländern irgendwann 2022 vorüber sein wird“, sagte Gates. Der Amerikaner, der seine eigene, weltumspannende Entwicklungsstiftung führt, gestand allerdings ein, dass die Pandemie das Erfüllen der 17 Ziele für die nachhaltige Entwicklung (SDG) bis zum Jahr 2030 erschwere.

          Die Regierungen, mit denen seine Stiftung auf vielen Ebenen zusammenarbeitet, kritisierte Gates: „Im Fall von Corona ist nicht genug getan worden. Wir dürfen nicht vergessen, dass es zu einer weiteren Pandemie kommen wird, und wir müssen investieren, um darauf vorbereitet zu sein. Regierungen müssen vorausdenken, um auf schlimme Dinge, die kommen könnten, vorbereitet zu sein.“

          Konten für alle

          Die Bill & Melinda Gates Stiftung arbeite daran, zwei Dritteln der Weltbevölkerung in den nächsten Jahren Zugang zu einem Konto zu geben. Während nach Angaben der Weltbank, die eng mit Gates zusammenarbeitet, im Jahr 2017 schon 94 Prozent der Erwachsenen in Industrieländern über ein Konto verfügten, betrug der Vergleichswert in Ländern mit niedrigen Einkommen nur 35 Prozent. Insgesamt standen weltweit 1,7 Milliarden Menschen ohne Konto da.

          Gates betonte nun aber nicht etwa die Chancen für Banken und Digitalkonzerne wie etwa Microsoft, mit dessen Geld seine Stiftung unter anderem finanziert wird. Er sieht die Digitalisierung des Finanzsektors als eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung, auch weil sie Armen die Möglichkeit gäbe, Staatsgelder ohne „Abzüge“ etwa durch Bestechung zu erhalten.

          Als Beispiel führte Gates die Plattform für die digitale Identität in Indien (Modular Open Source Identity Platform) an. Sie nutzt die Regierung, auch um Hilfsgelder direkt an die Bedürftigen zu versenden.

          Nun ginge es vor allem darum, die Notenbanken und Währungshüter von den von der Gates-Stiftung favorisierten Entwicklungen zu überzeugen. „Wir denken, in den nächsten fünf Jahren werden die meisten Zentralbanken erkennen, dass das in Ordnung ist. Die Grundlagen der Systeme sind sehr zugänglich und es ist ein sehr gerader Weg, auf dem sie ihre Bürger verbinden können.“ 

          Gates betonte die Lehren, die sich aus der Pandemie, die bei fast 68 Millionen Infizierten auf der ganzen Welt inzwischen offiziell mehr als 1,5 Millionen Tote forderte, ziehen ließen. „Es gibt eine positive Seite, und wir müssen sie nur voll ausschöpfen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht vorbereitet waren und wir investieren müssen – so wie in eine Feuerwehr. Auf eine intelligente Art und unter einer Idee von dem, was passieren könnte, damit wir darauf vorbereitet sind“, sagte Gates.

          Er rechne damit, dass im nächsten Quartal „rund sechs Impfungen genehmigt“ seien. Fünf davon nannte er und sprach von „Astra-Zeneca, Johnson & Johnson, Novavax, Pfizer und Moderna, die schon effektive Ergebnisse zeigten“. Chinesische Impfungen oder die russische Sputnik erwähnte Gates in seiner Aufzählung nicht.

          In der vergangenen Woche hatte Großbritannien der Spritze von Pfizer und der deutschen Biontech grünes Licht gegeben und beginnt heute mit den Impfungen. Die Amerikaner wollen am Donnerstag darüber entscheiden.

          Gates eigene Stiftung arbeitet mit dem indischen Serum Institute, um dort die Astra-Zeneca-Impfung für den inner-indischen Gebrauch produzieren zu lassen. Die große Herausforderung liege in der Verteilung, sagte Gates. Es gehe darum, eine „einigermaßen gerechte“ Abgabe sicherzustellen, die nicht am Wohlstand des Empfängers hänge.

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