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Corona-Pandemie : „Wir sehen eine digitale Kluft“

  • -Aktualisiert am

Manche kommen mit digitalen Hilfsmitteln viel weiter als andere. Bild: Lucas Bäuml

Bringt die Pandemie den Durchbruch auf dem Weg zur intelligenten Stadt? Gartner-Forscherin Bettina Tratz-Ryan sagt, warum es nicht nur auf Technik ankommt.

          5 Min.

          Von der Smart City reden viele. Wann ist das mehr als Gefasel, sondern kommt tatsächlich in der Stadt an?

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Smart City ist eigentlich nur ein hypothetischer Begriff einer Vision. Es geht viel um Technologie. Aber die Smart City wird erst Realität, wenn sie als intelligentes Netzwerk die Menschen und Kommunen auf digitaler und auch auf sozialer Weise verbindet. Damit das geschehen kann, ist es für die Stadt wichtig, die Bedürfnisse der Menschen zu wissen.

          Bürgermeister sollen jetzt ihre Bürger fragen, was sie wollen?

          Wenn Bürger nah zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen sollen, wenn das mit Nachhaltigkeit und sozialen Kriterien geschehen soll, muss ein Bürgermeister oder die Verwaltung, die Bedürfnisse der Bürger abfragen können. Das bedeutet nicht Einzelgespräche für jeden. Es geht darum, Tendenzen zu erkennen und zu sehen, welche Anfragen öfters kommen und wie gefächert sie sind. Aus sozialen Medien, analogen Anfragen und digitalen Interaktionen lässt sich herausfiltern, was Menschen eigentlich wünschen. Viele können mit dem Begriff der Smart City selbst wenig anfangen. Die Verwaltung muss halt anders kommunizieren und Smart City in Themen einbetten, mit dem sich der Einzelne auch identifizieren kann.

          Das klingt leicht, aber wie klappt das?

          Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass sich Städte anders aufstellen. Facebook-Gruppen übernehmen Nachbarschaftsdienste. Mit Sensoren und Analyse schauen wir auf die Auslastung im Nahverkehr, damit  soziale und physikalische Abstände der Passagiere gewahrt werden können. Plötzlich waren Apps auf dem Markt, die den technischen Nutzen in so einer Krise zeigen. Dieser smarte Einsatz erreicht auch diejenigen, die wenig mit Technik, Datenschutz und Digitalisierung zu tun haben. Aber wir erkennen eine digitale Kluft in sozialen Brennpunkten und im digitalen Lernen. Deutschland ist für die Smart City noch nicht breit genug gefächert, weil viele primären Anbindungsmöglichkeiten wie Breitbandanschluß fehlen.

          Lässt sich die digitale Kluft denn schließen oder weitet sich der Abstand mit zunehmender Digitalisierung?

          Den Nutzen der Digitalisierung definiere ich so, dass ich weiß, mit welchen Werkzeugen oder Zugängen ich meine Aufgaben besser erledige. Kann ich meine Kinder besser versorgen? Habe ich mehr Möglichkeiten für das Distanzlernen? Wir haben in Deutschland gesehen, dass viele Menschen die digitalen Medien für Emails benutzen oder sich vielleicht noch Facebook-Inhalte ansehen. Aber sie lernen nicht interaktiv und bringen sich nicht selbst mit Youtube oder anderen Portalen Neues bei. Die Interaktivität, die über Googeln und Bestellen hinaus geht, um Inhalte zu teilen, sich weiterzubilden oder Innovation zu betreiben, ist in Deutschland noch sehr schwach.

          Bettina Tratz-Ryan verantwortet den Bereich Digitale Transformation und Gesellschaft für das Unternehmen Gartner.
          Bettina Tratz-Ryan verantwortet den Bereich Digitale Transformation und Gesellschaft für das Unternehmen Gartner. : Bild: Privat

          Dabei kommt ein großer technologischer Wandel auf alle zu. Durch die Corona-Pandemie haben wir gesehen, wie stark sich die Lebenswelt ändern kann. Allerdings gefällt die Veränderung nicht jedem. Hält uns die Angst davor auf?

          Das stimmt. Wir alle kannten anfangs die Corona-Pandemie nicht oder deren Folgen. Menschen, die mit Medien erfahren sind, können sich informieren, Podcasts hören und sich auch differenzierter mit Trends oder Diskussionen auseinandersetzen. Andere sind zurückhaltend mit der Digitalisierung, haben vielleicht primär Lebensqualität, Nachhaltigkeit oder Ökologie durch soziale Beziehungen in der Gemeinschaft gesucht. Wenn sie keinen Mehrwert der Digitalisierung spüren, sie nur mit Technik assoziieren, halten sie sich zurück. Doch nach der Corona-Pandemie kommen wir in eine Aufbruchstimmung. Wir alle stehen vor einer neuen Tür der Digitalisierung, beflügelt durch die Durchdringung von technischen Funktionalitäten in unserer täglichen Umwelt. Wir müssen das reiche digitale Gedankengut gesellschaftlich über die Schwelle schieben. Dafür sollten wir nicht auf die technische Schiene setzen, sondern immer den Mehrwert der Smart City vermitteln.

          Was lauten also die Vorteile?

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