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Beteiligung an Dreamstage : Deezer reizt die digitale Bühne

Jan Vogler (rechts) gehört zum Gründertrio von Dreamstage. Bild: dpa

Der französische Streamingdienst steigt als „maßgeblicher Investor“ bei der Konzert-Streaming-Plattform ein. Auch andere setzen darauf, dass digitale Konzerte nach der Pandemie weiter gefragt bleiben.

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          Digitale Konzerte – ob live gestreamt oder vorproduziert – sind im Zuge der Pandemie zwangsläufig stärker in den Fokus der Musikwelt gerückt. Eine große Chance für schon existierende Plattformen und gleichzeitig Anreiz für neue Anbieter in dem Segment wie beispielsweise Dreamstage; gegründet im Sommer 2020 von Jan Vogler, Cellist und Leiter der Dresdner Musikfestspiele, dem ehemaligen Bertelsmann-Vorstand und Sony-Music-Manager Thomas Hesse und Scott Chasin, einem früheren Technik-Vorstand von McAfee.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Trio erhält nun mit dem Musik-Streamingdienst Deezer einen neuen Partner, wie beide Unternehmen am Mittwochmittag mitteilten. Über finanzielle Details wurde nichts bekannt, Deezer werde allerdings ein „maßgeblicher Investor“, zudem sind Deezer-Chef Hans-Holger Albrecht und Finanzvorstand Laurent Cordonnier künftig Teil des Dreamstage-Vorstands, erklärte das französische Unternehmen auf Nachfrage. Die Beteiligung solle dazu beitragen, den weiteren Roll-Out von Dreamstage voranzutreiben und „die inhaltliche Ausrichtung zu erweitern sowie Marktanteile zu gewinnen“.

          Deezer ist mit zuletzt vor mehr als einem Jahr gemeldeten 16 Millionen monatlich aktiven Nutzern ein eher kleinerer Streamingdienst hinter Spotify, Apple und Amazon Music. Marktführer Spotify kam zum Ende des ersten Quatals 2021 auf 356 Millionen monatlich aktive Nutzer. Zu den Kern-Investoren von Deezer zählt allen voran die Beteiligungsgesellschaft des Oligarchen Leonard „Len“ Blavatnik, Access Industries, die unter anderem auch die Mehrheit am Musikunternehmen Warner Music hält. Der Dienst wurde zuletzt mit 1,3 Milliarden Euro bewertet.

          Lohnen sich Streaming-Shows auch nach Corona?

          Dreamstage ist neben Stageit, Veeps oder Maestro eine von diversen Konzert-Streaming-Plattformen, die Künstlern die Möglichkeit geben für ihre Auftritte Tickets zu verkaufen. Darüber hinaus gibt es je nach Angebot auch Interaktionsmöglichkeiten mit den Fans, verschiedene frei wählbare Kameraeinstellungen oder auch einen integrierten Fan-Artikel-Shop. Nach eigenen Angaben fanden über Dreamstage mittlerweile mehr als 50 digitale Konzerte statt, Konkurrenten dürften teils auf deutlich mehr kommen. Dreamstage selbst hebt stets die hohe Qualität der Shows hervor: „Wir haben einen Partner gefunden, der normalerweise nur sehr große Übertragungen macht und uns seine Technik für jedes Konzert zur Verfügung stellt“, erklärte Thomas Hesse im Juli vergangenen Jahres im Gespräch mit der F.A.Z. Wer Netflix gewohnt sei, bekomme eine vergleichbare Qualität.

          Zu Beginn der Krise hatten viele Künstler zunächst mit Instagram, Facebook, Twitch oder Youtube die naheliegenden Wege genutzt, um mit kleinen Auftritten, Kontakt zu ihren Fans zu halten und gegebenenfalls noch Spenden einzusammeln. Die Qualität dieser Videos ließ aber meist zu wünschen übrig und vielfach wurde auch betont, dass der Reiz doch recht schnell verfliege. Zusehends haben sich daher mittlerweile diverse große und auch kleinere Acts verschiedenster Genres an professioneller produzierte und kostenpflichtige Streaming-Konzerte gewagt. Auch viele teils nicht-kommerzielle Veranstaltungsreihen sind entstanden, um Künstlern in der Pandemie zumindest eine Bühne zu bieten. 

          Ob sich eine solche Show für Musiker rechnet, hängt derweil neben der Anzahl der zahlenden Zuschauer auch stark vom betriebenen Aufwand ab. Je nach Größe der Produktion und der gewünschten Inszenierung etwa mit 3D-Effekten oder virtueller Realität kann ein Konzert schnell eine hohe fünf- bis sechs- oder gar siebenstellige Summe kosten. Für Superstars wie Billie Eilish, Dua Lipa oder BTS stellen solche Produktionskosten mit Blick auf die Masse an zu erwartenden Zuschauern natürlich ein eher geringes finanzielles Risiko dar. Für weniger bekannte Künstler ist die Abwägung naturgemäß erheblich schwieriger.

          BTS erreichten digital fast eine Million Fans

          Als einen gleichwertigen Ersatz für normale Konzerte sieht die digitalen Varianten in der Branche so gut wie niemand an. Doch nicht nur Deezer und Dreamstage setzen darauf, dass sie nach der Pandemie als Ergänzung funktionieren. Die Vorzüge liegen auf der Hand: Auch eine Welt-Tournee kann schließlich stets nur eine begrenzte Zahl an Fans anziehen. Mit einer womöglich auch parallel produzierten Übertragung einer oder mehrerer Shows lassen sich zusätzlich eine unbegrenzte Zahl weiterer Fans aus anderen Regionen erreichen. Darauf setzen auch diverse Branchenriesen.

          Live Nation etwa, seines Zeichens der größte Konzertveranstalter der Welt, hat zu Beginn des Jahres die Mehrheit an der Plattform Veeps übernommen. Im April kündigte das Unternehmen dann an, 60 Konzertvenues mit der für Livestreams nötigen Technik auszustatten. Sony Music wiederum beteiligte sich an der jüngsten Finanzierungsrunde von Maestro. Auf dieser Plattform war im vergangenen Herbst Billie Eilishs opulentes Streaming-Konzert zu sehen.

          Auch Universal Music, hat das Feld für sich entdeckt. Das größte Musikunternehmen der Welt investierte gemeinsam mit YG Entertainment, einem südkoreanischen Musikunternehmen, in die Live-Streaming-Plattform Venewlive. An dieser ist auch die südkoreanische Agentur Hybe (vormals Big Hit Entertainment) beteiligt, die vor allem als Partner von BTS bekannt ist. Auf Venewlive fanden auch die beiden Streamingshows der K-Pop-Stars statt. Bei der ersten schauten 765.000 zahlende Fans zu, bei der zweiten waren es 993.000.

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