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Digitaler Werbemarkt : Bertelsmann und Springer verbünden sich gegen Amerika

Um im Wettbewerb mit Google und Co. zu bestehen wollen deutsche Medienhäuser künftig zusammenarbeiten. Bild: dpa

Google und Facebook dominieren den digitalen Werbemarkt. Um dagegen zu bestehen, kooperieren der RTL-Konzern Bertelsmann und der Bild-Konzern Springer jetzt. In einigen Bereichen sehen sie sich gegenüber Amerika im Rückstand.

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          Im Wettbewerb mit den globalen Internetplattformen wie Google und Facebook verbünden sich die deutschen Medienhäuser Bertelsmann und Springer. Für die Vermarktung digitaler Anzeigen wird die gemeinsame Vermarktungsorganisation von Springer und der Funke Mediengruppe, Media Impact, jetzt Partner der Ad Alliance von Bertelsmann. Zur Ad Alliance gehören unter anderem RTL, Gruner und Jahr und das nicht zur Gütersloher Mediengruppe gehörende Magazin „Der Spiegel“. Matthias Dang, Geschäftsführer für Vermarktung, Daten und Technik bei der RTL Deutschland und Geschäftsführer der Ad Alliance, sagte der F.A.Z., „wenn die Ad Alliance Marken wie RTL mit dem Portfolio von Spiegel, Gruner und Jahr und Springer crossmedial vermarktet, dann ist das ein großer Schritt.“

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die deutschen Medienhäuser bekämen so die Möglichkeit, den globalen Digitalplattformen aus Amerika etwas entgegenzusetzen. „Wir wollen im Wettbewerb mit Google und Co. die Kräfte bündeln.“ Die Organisation der gemeinsamen Vermarktungsplattform soll jetzt schnell aufgebaut werden. Da die meisten Unternehmen schon im Herbst über ihre Werbebudgets entscheiden, wird die Ad Alliance schon vom 1. September an am Markt als Dienstleister für die Media Impact von Springer auftreten – und damit mit Mediaagenturen oder Kunden verhandeln. „Künftig haben die Werbekunden über alle Marken und Gattungen hinweg nur einen Ansprechpartner“, sagte Dang.

          Die gemeinsame Werbeallianz soll im Herbst organisatorisch so aufgestellt sein, dass sie am Markt arbeiten kann. Zu erwarteten Umsatzzahlen äußerten sich die neuen Partner nicht. Gemeinsam erreichten die von der Ad Alliance vermarkteten Plattformen dann 99 Prozent der deutschen Bevölkerung, hieß es nur. Ad Alliance ist nach eigenen Angaben zwischen Februar und April auf durchschnittlich 3,1 Milliarden digitale Kontakte im Monat gekommen. Die Printprodukte von Springer sind in die neue Kooperation der Medienhäuser für die Werbevermarktung nicht einbezogen. Beobachter erwarten allerdings, dass das schon bald ein nächster Schritt sein dürfte.

          „Wir wollen auf Augenhöhe kommen“, sagte Dang mit Blick auf die globalen amerikanischen Online-Plattformen, die am deutschen Werbemarkt Milliarden verdienten. „Im Bereich Daten sind wir noch nicht so weit.“ Auch Carsten Schwecke, Geschäftsführer von Media Impact, der gemeinsamen Vermarktungsorganisation von Axel Springer und der Funke Mediengruppe, betont mit Blick auf die Partnerschaft, wie wichtig Verlagskooperationen seien, „um dem zunehmend internationalen Wettbewerb kraftvoll entgegenzutreten“. Media Impact gehe den nächsten Schritt und schaffe Voraussetzungen, im Digitalgeschäft noch stärker zu wachsen.

          Für die Ad Alliance ist die neue Partnerschaft mit Marken wie „Bild“, „Welt“, „Hoerzu.de“ oder „Rolling Stone“ wichtig, weil das Digitalportfolio damit inhaltlich erheblich breiter aufgestellt ist und für Werbekunden an Relevanz gewinnt. „Wir haben eigene Inhalte, liefern Journalismus und Unterhaltung“, sagte Dang. „Jetzt werden wir auch die Bereiche Technologie und Daten weiter konsequent ausbauen.“ Die Kundendaten sind in der Tat das Entscheidende – sie bringen Plattformen wie Facebook und Google die hohen Werbeeinnahmen in Deutschland allein durch ihre Reichweite ein, ohne selbst in journalistische Inhalte investieren zu müssen.

          Die Ad Alliance gibt es bei Bertelsmann seit 2016. Neben Inhalten für die Werbung steht sie für technische Lösungen bis hin zur datenbasierten Ausspielung von Werbung. Wie wichtig die Werbe-Allianz für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe ist, zeigte sich schon daran, dass die damalige RTL-Chefin Anke Schäferkordt und Gruner-und-Jahr-Chefin Julia Jäkel gemeinsam auftraten und die interne Werbekooperation verkündeten. Rabe hat die Zusammenarbeit für die Werbung in diesem Jahr durch eine engere Zusammenarbeit der Bertelsmann-Medienunternehmen auch bei den Inhalten ergänzt.

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