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„Seid ihr bescheuert?“ : Berliner Verkehrsbetriebe wollen Weltkulturerbe werden

Ein Bild von einem Warnstreik bei der BVG – es würde aber auch ganz gut zur aktuellen Kampagne passen. Bild: dpa

Taj Mahal, Machu Picchu, BVG. Die Berliner Verkehrsbetriebe erlauben sich den nächsten Marketing-Gag. Diesmal wollen sie Weltkulturerbe werden. In der Unesco lacht man nur.

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          U-Bahn als Weltkulturerbe? „Seid ihr komplett bescheuert?“, brüllt eine ältere Dame mit erzürntem Gesichtsausdruck in die Kamera. „Ja, vielleicht“, antwortet der Schaffner der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in dem Werbespot. „Vielleicht heißt es dann bald: Taj Mahal, Machu Picchu, BVG.“

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Nein, das ist kein Witz“, beteuern BVG und die verantwortliche Werbeagentur Jung von Matt auf der Kampagnen-Webseite. Die BVG will also tatsächlich Weltkulturerbe werden.

          Augsburg macht Hoffnung

          Es ist natürlich doch einer. Der Sprecher in der deutschen Unesco-Pressestelle lacht nur. Bisher gebe es kein Unternehmen, das Weltkulturerbe sei, sagt er. In die Welterbeliste werden „Natur- und Kulturerbestätten von außergewöhnlichem universellem Wert für die gesamte Weltgemeinschaft“ aufgenommen, um sie zu bewahren. Dazu zählt er die BVG offenbar nicht.

          Allerdings wurde erst im Juli dieses Jahres eine neue Stätte in die Liste aufgenommen, die den BVG Hoffnung machen könnte: das Augsburger Wassermanagement-System, das genau wie das Berliner Verkehrssystem der öffentlichen Versorgung dient. Allerdings wurde das Augsburger System laut Unesco „erstmals 1276 erwähnt“. Vielleicht finden die Berliner ja eine Kutsche aus der Zeit, auf der Webseite führen sie nur eine vom 1. Juli 1847 an. Das wäre natürlich fast 600 Jahre zu spät. Die BVG heißen auch erst seit dem Jahr 1929 „BVG“.

          Die aktuelle Kampagne ist jedenfalls der nächste Jux in einer langen Reihe ausgefallener Spots und Aktionen von BVG und Jung von Matt. Das Video „Ist mir egal“ hat auf Youtube inzwischen mehr als 16 Millionen Views. Über das Sneaker-Jahresticket berichteten Medien auf der ganzen Welt.

          Wirklich zu toppen, dachte man, ist das eigentlich nicht mehr. Halt mal mein Bier, dachte man wohl bei Jung von Matt. Und die BVG machte mal wieder mit.

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