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Auch Tiktok und Wechat : Indien verbietet Dutzende chinesische Apps

Eine Frau in Indien nutzt auf ihrem Smartphone die chinesische App Tiktok. Bild: EPA

Die Wut der Menschen in Indien auf China führt zu immer weiteren Boykott-Maßnahmen auf dem Subkontinent. Nun trifft es einige der beliebtesten chinesischen Apps.

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          Die indische Regierung beugt sich dem Druck der Massen und zieht die Zügel gegen China deutlich an. Fast 60 chinesische Apps werden verboten, darunter auch Tiktok, das allein in Indien rund 200 Millionen Nutzer zählt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Seit den Kämpfen an der chinesisch-indischen Grenzlinie in der Himalaja-Region Ladakh, bei denen 20 indische Soldaten ihr Leben verloren, ist die anti-chinesische Stimmung in Indien stark angeschwollen. Ministerpräsident Narendra Modi, der politisch auf Peking angewiesen ist, versuchte entgegen den Erwartungen zunächst zu beschwichtigen. Das heizte aber die Wut der Menschen auf der Straße nur an.

          Der Subkontinent mit seinen fast 1,4 Milliarden Menschen bietet auch für chinesische Internetunternehmen praktisch den letzten großen Wachstumsmarkt. Rund die Hälfte der Inder ist schon online, und ihre Zahl wächst rasch. Seit Wochen gibt es Kampagnen, China durch ein Abschalten der chinesischen Apps zu schädigen. Offen ist dabei allerdings, welche als „chinesische Apps“ zählen – solche, die in Händen festlandchinesischer Unternehmen liegen, solche aus Hongkong, oder auch solche, die von Chinesen entwickelt wurden?

          Datensicherheit als Begründung

          Nun erließ die Regierung in Neu Delhi einen Bann gegen 59 Apps, unter ihnen weltbekannte Netzwerke wie Wechat, UC Browser von Alibaba, Shareit und Baidu Map. Dabei führt das Ministerium für Informationstechnologie allerdings nicht die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Nachbarland als Grund für eine Vergeltung an. Es wirft den China-Apps vor, die „Daten der Nutzer zu stehlen“ und auf Server zu übertragen, die außerhalb Indiens lägen.

          „Das Zusammenführen dieser Daten und deren Auswertung durch Elemente, die unserer nationalen Sicherheit und deren Verteidigung feindlich gegenüber stehen, beschränkt am Ende des Tages unsere nationale Souveränität und führt zu sehr ernsten Bedenken, die sofortiges Handeln im Krisenmodus erfordern“, heißt es in einer Erklärung.

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          Damit benennt die Regierung ähnliche Sorgen, wie schon bei der Ablehnung des Telekommunikationsausrüsters Huawei und dem Ausschluss chinesischer Hafenbetreiber am überfälligen Ausbau indischer Häfen. Indische Soldaten hatten schon vor längerer Zeit den Befehl bekommen, chinesische Apps wie Weibo von ihren Mobiltelefonen zu löschen.

          Schon vor Wochen hatte Indien die Gesetze gegen chinesische Investitionen verschärft. Modi ringt gegen eine Wirtschaftskrise, die sich durch das Corona-Virus massiv verschärft hat. Er hoffte darauf, von den Handelsauseinandersetzungen zwischen dem Westen und China zu profitieren und warb öffentlich um Investoren, die China verlassen und dafür nach Indien kommen sollten. Die Front, die er damit gegenüber Peking aufbaute, hatte China zutiefst provoziert. Die Wut auf China zieht immer weitere Kreise: Inzwischen hat die Vereinigung der Hotel- und Restaurantbetreiber in Delhi, der rund 3000 Mitgliedsbetriebe angehören, alle chinesischen Gäste ausgeschlossen.

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