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Apple und Facebook im Streit : Von Lügen und gewiefter PR-Taktik

Wie streng wird der Datenschutz auf dem iPhone? Bild: dpa

Die beiden Tech-Konzerne streiten über Datenschutz auf dem iPhone. Und machen sich gegenseitig immer heftigere Vorwürfe: Ihr lügt, ruft Apple Facebook zu. Facebook kontert: Ihr wollt ablenken, es geht nur um Profit.

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          Die Tech-Riesen Apple und Facebook liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht. Anlass ist ein Streit um Datenschutz und das Nutzer-Tracking für die App-Werbung. Inzwischen aber geht es um den Vorwurf der Lüge und PR-Strategien mit harten Bandagen. Ausgelöst wurde der Streit durch ein geplantes iPhone-Update. Apple wollte ursprünglich schon ab Herbst von App-Betreibern strengeren Datenschutz verlangen: Nach den neuen Regeln, die nun von Anfang 2021 an gelten sollen, müssen alle App-Betreiber eine Zustimmung der Nutzer einholen, dass die App sie mit Hilfe des „Identifier for Advertisers“ nachverfolgt. Dieser IDFA wird jedem Gerät zufällig zugewiesen und sammelt Daten über Interessen und das Verhalten des Nutzers, nicht aber persönliche Informationen. Er ist vergleichbar mit den Cookies in Browsern. Dadurch können die App-Betreiber Werbung ausspielen, die den Nutzer eher interessiert, für die der Werbepartner damit auch mehr Geld zahlt.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bisher hätten Nutzer dieses Tracking aktiv abschalten müssen, jetzt müssen sie aktiv zustimmen. Wenn Nutzer eine App neu öffnen, wird ein Fenster angezeigt – ähnlich wie bei den Cookies –, in dem sie der Nachverfolgung zustimmen müssen. Den Text für dieses Fenster wird Apple wahrscheinlich vorgeben, er lautet übersetzt: Die App „hätte gern die Erlaubnis, Dich über Apps und Websites, die anderen Unternehmen gehören, zu tracken. Deine Daten werden genutzt, um Dir personalisierte Werbung anzuzeigen.“ Manche Beobachter meinen, das solle Nutzer dazu bringen, die Einwilligung abzulehnen. Denkbar wäre auch gewesen, darauf hinzuweisen, dass die App-Betreiber sich durch Werbung finanzieren. Nutzer können zudem einstellen, dass sie das IDFA-Tracking ganz ablehnen, dann werden sie von den Apps gar nicht erst gefragt.

          Apple wirft Facebook Lüge vor

          Dem Facebook-Konzern gefallen diese Maßnahmen gar nicht. Er betreibt einen Dienst namens Audience Network. Damit lassen sich Werbekampagnen, die auf Facebook oder Instagram geschaltet werden, auf andere Apps ausweiten. Nach Darstellung Facebooks nutzt jede dritte der 500 beliebtesten Apps im Google Play Store in Amerika diesen Dienst und verdient damit Geld. Facebook meint, die App-Werbeeinnahmen würden um mindestens 50 Prozent sinken, und warnt: „Apples Updates können das Audience Network auf iOS 14 so ineffektiv machen, dass es möglicherweise keinen Sinn mehr ergibt, das auf iOS 14 anzubieten.“

          Nach heftiger Kritik auch vieler App-Betreiber hatte Apple die Maßnahmen von Herbst auf Anfang 2021 verschoben, bekräftigte nun aber am Donnerstagabend in einem Brief an Nichtregierungsorganisationen, dass die Vorschriften bald eingeführt werden. Apples Privatsphäre-Direktorin Jane Horvath, die den Brief unterzeichnet hat, nutzt die Gelegenheit nun, um gegen Facebook auszuteilen: „Facebook-Manager haben klar- gemacht, dass es ihr Anliegen ist, so viele Daten wie möglich zu sammeln.“ Der Konkurrent missachte die Privatsphäre der Nutzer und habe das Ziel, „detaillierte Profile der Nutzer zu entwickeln und zu Geld zu machen“.

          Apples Datenschutzchefin Jane Horvath auf der Technik-Messe CES im Januar 2020
          Apples Datenschutzchefin Jane Horvath auf der Technik-Messe CES im Januar 2020 : Bild: dpa

          Horvath bezichtigt Facebook in dem Brief sogar der Lüge, ohne den Konkurrenten an der Stelle jedoch namentlich zu nennen: Einige Unternehmen, die sich gegen die Datenschutzregeln stellten, behaupteten, dass diese vor allem kleine Unternehmen treffen würden – eine Position, die Facebook immer wieder vertritt, erst Anfang Oktober auch der für das Werbegeschäft zuständige Chief Revenue Officer David Fischer im Gespräch mit der F.A.Z. Horvath schreibt nun: „Das ist einfach nicht wahr. Es gibt keine Daten, die diese Position unterstützen.“

          Nur ein PR-Manöver?

          Facebook ließ die neuen Apple-Vorwürfe nicht lang auf sich sitzen: „Sie behaupten, es gehe um Privatsphäre, aber es geht um Profit“, teilte ein Facebook-Sprecher wenige Stunden später mit. „Apples Würgegriff gegen kleine Unternehmen existiert immer noch“, wird ein Sprecher des amerikanischen Branchenverbandes IAB zitiert. Apple versuche, das „freie Internet hin zu bezahlten Apps und Dienstleistungen zu bewegen, wovon sie profitieren“, argumentiert der Social-Media-Gigant, für den das freie Internet etwa werbefinanzierte Angebote ohne Gebühren sind – damit auch die eigenen Angebote.

          „Sie nutzen ihre dominante Marktposition, um ihre eigene Datensammlung zu bevorzugen, während sie es für ihre Konkurrenten fast unmöglich machen, die gleichen Daten zu verwenden.“ Ähnliche Vorwürfe hatten französische Werbeunternehmen in einer Wettbewerbsbeschwerde vorgebracht. Das Argument: Die Datensammlung von Apple für Werbepersonalisierung sei weiterhin voreingestellt, Nutzer müssten aktiv widersprechen. Apple begründet das damit, dass die eigene Datensammlung weniger invasiv sei und den IDFA gar nicht nutze.

          Damit verteidigt sich das Unternehmen parallel gegen eine Datenschutzbeschwerde, die die Gruppierung des Datenschutzaktivisten Max Schrems kürzlich in Spanien und Deutschland eingereicht hat. Deren Vorwurf: Der IDFA werde schon auf dem Gerät plaziert, bevor der Nutzer gefragt werde.

          Facebook hält den Apple-Angriff nur für PR-Taktik: „Der Brief ist eine Ablenkung.“ Und zwar von einer von IT-Bloggern vorgebrachten Kritik: „Apple wird vorgeworfen, durch das neueste Update von MacOS ohne das Wissen der Nutzer die privaten Daten der Menschen von ihren Computern zu tracken und nachzuverfolgen.“ Diese Ablenkungsstrategie verfolge Apple regelmäßig: Wenn Datenschutzvorwürfe laut werden, schlage Apple auf Facebook ein, „um das Thema zu wechseln. Leider sind wir nicht perfekt, und es hat funktioniert.“

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