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Hollywood-Stars präsentieren : Videostream, Kreditkarte und News - alles von Apple

Die Top-Stars aus Hollywood setzte Apple am Montagabend perfekt in Szene: die Schauspieler Steve Carell, Reese Witherspoon und Jennifer Anniston während ihres Auftritts im kalifornischen Cupertino. Bild: AFP

Mit großem Staraufgebot stellt Apple sein Unterhaltungsangebot vor. Ebenfalls neu: eine Kreditkarte und ein Nachrichtenportal. Der Konzern durchlebt eine Wandlung.

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          Steven Spielberg, Oprah Winfrey, Reese Witherspoon, Jennifer Aniston: Am Montag gab es in der Zentrale des Elektronikkonzerns Apple im kalifornischen Cupertino einen ungewöhnlichen Aufmarsch an Hollywood-Prominenz. Der Grund: Apple stellte eine neue Unterhaltungsplattform mit dem Namen „Apple TV+“ vor, ein Konkurrenzangebot zu Netflix. Ähnlich wie auch auf Netflix oder der zum Online-Händler Amazon.com gehörenden Plattform „Prime Video“ will Apple für seinen neuen Dienst auch eigene Inhalte produzieren lassen – und hat dafür die Partner aus der ersten Liga Hollywoods gewonnen, die am Montag vor Ort waren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das neue Fernsehangebot war nur eine aus einer ganzen Reihe von Neuheiten. Apple präsentierte auch ein Nachrichtenportal, eine Plattform für Videospiele sowie eine neue Kreditkarte. Der gemeinsame Nenner all dieser Dinge heißt „Dienstleistungen“. Die große Inszenierung am Montag zeigte, dass es für Apple nicht mehr in erster Linie um den Verkauf von Geräten wie iPhones und iPhones geht, sondern verstärkt auch um Dienste und Inhalte, die damit genutzt werden können.

          Dienste statt Hardware

          Diese Neuausrichtung ist ein Stück weit aus der Not geboren, denn gerade das Geschäft mit dem iPhone läuft in jüngster Zeit nicht mehr so gut wie früher, weil Apple-Kunden ihre Geräte länger behalten als in der Vergangenheit. Dieser Abschwächung bei den iPhones steht ein rasantes Wachstum bei Dienstleistungen gegenüber. Dazu gehören Einnahmen aus dem App Store, in dem Programme für Geräte wie das iPhone vertrieben werden, sowie die Musikplattform Apple Music oder der Bezahldienst Apple Pay. Für ihr Wachstum ist es nicht so entscheidend, ob sich Apple-Kunden immer neue Geräte kaufen, sondern nur, dass sie überhaupt Apple-Geräte haben. Und mit den am Montag vorgestellten Neuheiten hofft Apple, dieses Geschäft weiter auszuweiten.

          „Apple TV+“ war wegen der Hollywood-Stars die spektakulärste Ankündigung, wobei Apple sich hier mit Details noch zurückhielt. Der Dienst soll von diesem Herbst an in mehr als 100 Ländern verfügbar sein, und genauso wie Netflix soll er werbefrei sein. Den Preis nannte Apple aber noch nicht. „TV+“ soll seinen Nutzern im Gegenzug für die Gebühr exklusive Stoffe liefern. Beispielsweise eine Serie mit den Schauspielerinnen Reese Witherspoon und Jennifer Aniston, die sich um eine Morgenshow im Fernsehen dreht. Oder eine Neuauflage der Serie „Unglaubliche Geschichten“ des Regisseurs Steven Spielberg aus den achtziger Jahren. Oder Dokumentationen, die von der Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey produziert werden.

          Wie die „New York Times“ kürzlich schrieb, sind fünf Apple-Serien fertiggestellt, und ein weiteres halbes Dutzend sei kurz davor. Apple hat dem Bericht zufolge schon mehr als eine Milliarde Dollar für seine Eigenproduktionen ausgegeben. Das verblasst allerdings neben dem Budget, das Netflix für seine Inhalte hat und das mittlerweile bei einem zweistelligen Milliardenbetrag im Jahr liegt.

          Neben „Apple TV+“ stellte der Konzern auch die Plattform „TV Channels“ vor, die von Mai an verfügbar sein soll. Hierüber sollen Abonnements für andere Medienmarken vertrieben werden, also zum Beispiel Fernsehkanäle wie HBO oder auch Online-Videodienste wie Hulu. Netflix ist auf der Plattform nicht vertreten, was ein Indiz dafür sein könnte, welch scharfe Konkurrenz sich hier zu Apple anbahnt.

          Nachrichtenportal setzt Fokus auf Zeitschriften

          Erwartungsgemäß hat Apple auch ein neues gebührenpflichtiges Nachrichtenportal mit dem Namen „Apple News+“ präsentiert. Dabei aber liegt der Schwerpunkt klar auf Zeitschriften und nicht so sehr auf Zeitungen. Die Abonnenten sollen Zugriff auf mehr als 300 Zeitschriften bekommen, darunter Titel wie „Time“, „Vogue“, „Rolling Stone“ oder „National Geographic“, außerdem auf einige Online-Publikationen wie „Techcrunch“. Aber als Partner unter großen amerikanischen Zeitungen nannte Apple lediglich die „Los Angeles Times“ und das „Wall Street Journal“.

          Im Vorfeld der Veranstaltung hatten Medien berichtet, dass sich einige der bekanntesten amerikanischen Zeitungen wie die „New York Times“ und die „Washington Post“ sträubten, ihre Angebote für Apples neuen Dienst zu lizenzieren, weil ihnen Apples Konditionen missfielen. Angeblich will der Konzern die Hälfte der Einnahmen aus der Plattform für sich behalten, also mehr als den Umsatzanteil von 30 Prozent, den er üblicherweise als Provision für den Vertrieb von Apps einstreicht. Zudem wolle er den Verlagen keinen Zugang zu wichtigen Daten über die Abonnenten des neuen Dienste gewähren, also etwa Kreditkarteninformationen oder E-Mail-Adressen.

          Das neue Nachrichtenangebot soll eine gebührenpflichtige Option innerhalb der bislang kostenlosen „Apple News“-App sein. Es soll 9,99 Dollar im Monat kosten und wird zunächst nur in den Vereinigten Staaten und Kanada verfügbar sein. Eine Einführung in anderen englischsprachigen Regionen wie Australien und Großbritannien ist noch für dieses Jahr geplant, zu einem Start in Deutschland wurden noch keine Angaben gemacht.

          Kreditkarte zusammen mit Goldman Sachs

          Apple stellte am Montag außerdem eine mit dem Bezahldienst Apple Pay verbundene Kreditkarte vor, die auf dem iPhone in der „Wallet“-App untergebracht ist. Diese Kreditkarte bringt Apple in Zusammenarbeit mit der Bank Goldman Sachs heraus, was eine interessante Wahl ist, denn der New Yorker Finanzdienstleister ist noch recht neu im Privatkundengeschäft. Er hat es aber zu einem wichtigen Wachstumsgebiet erklärt und vor zweieinhalb Jahren eine Online-Plattform mit dem Namen „Marcus“ ins Leben gerufen. Für die Kreditkarte sollen keine Gebühren erhoben werden, und nach Angaben von Apple ist sie mit im Branchenvergleich sehr niedrigen Zinsen verbunden, wobei keine genaue Zahl genannt wurde.

          Nutzer der Karte bekommen bei jedem Einkauf zwei Prozent des Preises zurückerstattet, bei Einkäufen von Apple sind es sogar drei Prozent. Apple liefert ihnen außerdem Statistiken über ihr Einkaufsverhalten, wobei das Unternehmen Wert auf die Feststellung legt, seinen Kunden Privatsphäre zu bieten. Diese Daten seien nur auf den Geräten abgelegt, und Apple könne sie selbst nicht einsehen. Apple hat außerdem eine physische Kreditkarte vorgestellt, die dort eingesetzt werden kann, wo Apple Pay nicht akzeptiert wird. Die Karte soll in diesem Sommer in den Vereinigten Staaten herauskommen, über eine Einführung in anderen Ländern gab es keine Angaben. In Deutschland ist auch Apple Pay erst mit einiger Verzögerung zum amerikanischen Heimatmarkt des Konzerns verfügbar gewesen.

          Ein anderer Schwerpunkt am Montag waren Videospiele. Der Konzern präsentierte einen gebührenpflichtigen Dienst mit dem Namen „Apple Arcade“, der seinen Nutzern Zugriff auf mehr als einhundert Videospiele geben soll. Dieses Angebot soll im Herbst herauskommen und in mehr als 150 Ländern der Welt verfügbar sein. Zu den Preisen gab es noch keine Angaben.

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