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Von China nach Indien : Apple plant angeblich Verlagerung der iPhone-Produktion

Gute Verbindung? Kunde in einem Mobilfunkgeschäft in Mumbai. Bild: Reuters

Indien will amerikanische Hersteller mit großzügigen Zusagen aus China anlocken. Als Vorzeigeunternehmen soll der Elektronikhersteller Apple dienen.

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          Indien macht sich große Hoffnung, von den wachsenden Problemen Chinas stark profitieren zu können. Die Regierung plant, insbesondere amerikanische Hersteller mit großzügigen Zusagen aus China nach Indien zu locken, und setzt insbesondere auf Apple als Vorzeigekonzern. Indische Medien melden übereinstimmend, die Amerikaner planten, „fast ein Fünftel“ ihrer Produktionskapazität von China nach Indien zu verlagern.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dabei soll es jedoch nicht bleiben. Durch eine starke staatliche Förderung plane die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens, den Exportwert für lokal gefertigte Mobiltelefone von derzeit 3 Milliarden Dollar auf 100 Milliarden Dollar in nur fünf Jahren zu vervielfachen, melden indische Wirtschaftszeitungen. Der kaum zu glaubende Wert entspricht knapp einem Viertel der gesamten Ausfuhr Indiens im vergangenen Fiskaljahr (31. März). Fraglich bleibt allerdings, ob Infrastruktur und Ausbildungsstand der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens solche Sprünge zuließen. Die „Make in India“-Strategie, die Ministerpräsident Narendra Modi auf der Hannover-Messe 2015 vorgestellt hatte, ist schon gescheitert.

          In den vergangenen Monaten war es zu mehreren Treffen ranghoher indischer Beamter mit Apple-Managern gekommen. Modi soll die Entsandten von Apple und seinem Konkurrenten Samsung aus Südkorea und dem indischen Hersteller Lava am 28. Dezember getroffen haben. Die beiden taiwanischen Apple-Lieferanten Foxconn und Wistron sollten in den nächsten fünf Jahren ihre Kapazität auf dem Subkontinent hochfahren und Apple-Mobiltelefone im Wert von rund 40 Milliarden Dollar fertigen, hieß es im Anschluss. Zum ganz überwiegenden Teil sollten die Telefone in den Export gehen.

          Arbeitsgesetze sollen gelockert werden

          Das entspräche der Strategie der Inder, sich mehr und mehr als Werkbank zu positionieren. Investoren wollen sie nun Landflächen zur Verfügung stellen. Die überalterten Arbeitsgesetze sollen gelockert, der Rechtsschutz verbessert werden. Indien spricht von „produktionsgebundenen Anreizen“. Um die Vorteile zu genießen, müsse ein Unternehmen innerhalb von fünf Jahren einen Produktionswert von mindestens 10 Milliarden Dollar in Indien erzielen. Nächste Woche sollen die Regeln verkündet werden, vom 1. August an dann greifen.

          Über lange Zeit galten Apple-Telefone als zu teuer für den indischen Massenmarkt. Nach jahrelangem Tauziehen nahmen die Amerikaner über ihren Zulieferer Foxconn 2018 schließlich die Produktion der iPhone-Modelle 7 und XR in Indien auf. Die Geräte SE und 6S ließen sie dort nur für eine kurze Zeit fertigen.

          Zwar ist der Anteil der Apple-Telefone im Luxussegment des indischen Marktes im vergangenen Quartal auf knapp 63 Prozent gestiegen. Doch liegt der gesamte Marktanteil der Amerikaner auf dem Subkontinent bei nur 3 Prozent – Apple verkauft dort bislang Mobiltelefone im Wert von nur rund 1,5 Milliarden Dollar. Gefertigt wurden in Indien sogar nur Telefone im Wert von einer halben Milliarde Dollar. Im Vergleich dazu betrug der Produktionswert in China rund 220 Milliarden Dollar, aus dem Geräte für 185 Milliarden Dollar in den Export gingen.

          Noch gibt es auch keinen einzigen Apple-Laden auf dem Subkontinent. Bislang müssen die Amerikaner Zwischenhändler nutzen, auch weil die Gesetze Indiens ihnen den Zugang verweigerten. Die aber hat Neu-Delhi nun gelockert. Und Tim Cook, der Vorstandschef von Apple, kündigte im Februar vor Investoren an, den ersten Apple-Laden in Indien im nächsten Jahr eröffnen zu wollen.

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