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Legendärer Rechner : 1,5 Millionen Dollar für einen 45 Jahre alten Apple-Computer

Steve Wozniak und Steve Jobs mit einer Platine für den Apple-1 Bild: dpa

Es war das erste Modell, das Apple Computer 1976 angeboten hatte, kaum 200 Stück kamen damals auf dem Markt – und heute zahlen Sammler Höchstpreise.

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          Sie hatten große Ideen, sie hatten große Pläne. Doch als Steve Wozniak und Steve Jobs vor knapp viereinhalb Jahrzehnten die Leiterplatte eines Apple-1-Computers in die Kamera hielten, konnten sie nicht ahnen, dass die Realität ihre kühnsten Träume bei weitem übertrumpfen sollte. Denn Apple ist zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen, und einer der ersten Computer der Marke könnte nun einer der teuersten Rechner unserer Tage werden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im digitalen Versteigerungshaus Ebay wird derzeit für 1,5 Millionen Dollar ein 45 Jahre altes, gut erhaltenes und von Spezialisten zertifiziertes Original des Apple-1 angeboten – samt Holzummantelung, einer Tastatur der sogenannten Version-D und eines tragbarem Sony TV-115-Fernsehgeräts, das beim Verkauf einst als Bildschirm empfohlen worden war. Von dem Rechner wurden zwischen 1976 und 1977 alles in allem rund 200 Stück gefertigt. Davon fanden 175 Computer einen Kunden. Der ursprüngliche Stückpreis betrug 666,66 Dollar.

          Das jetzt zum Verkauf stehende Modell soll voll funktionstüchtig, jahrelang in einer gut gepflegten Privatsammlung gestanden und zuletzt in einem Panzerschrank in Florida aufbewahrt worden sein. Es stammt nach Angaben der britischen Tageszeitung „Daily Mail“ von Krishna Blake. Der hatte es eigenen Worten zufolge 1978 im Tausch gegen das Nachfolgemodell Apple II in einer Radio-und Computer-Reparaturwerkstatt in Montreal Kanada erworben.

          Zur Byte-Shop-Serie

          Die Apple-II-Modelle sollten der Firma von Wozniak und Jobs 1978 den Durchbruch auf dem damals noch in den Kinderschuhen steckenden Computermarkt bringen. Der Apple-1 wiederum galt da schon als völlig veraltet - bis heute aber ist der Ursprung des Unternehmens alles andere als vergessen.

          Der nun angebotene Computer wird im Apple-1-Register von Mike Willegal als Nummer 79 geführt. Der Rechner wurde von Corey Cohen im August 2019 untersucht und als Original bestätigt. Cohen bezeichnet sich selbst als „Computer-Historiker“. Er gilt branchenweit als Experte für alte Geräte aus dem Hause von Apple und ist unter anderem für Auktionshäuser sowie Museen als Gutachter tätig. Seinen Worten zufolge gehört die Maschine von Blake zu den Modellen der sogenannten Byte-Shop-Serie, die ihren Ursprung in dem kleinen Elektronikladen von Paul Terrell im kalifornischen Mountain View hat.

          Der Zustand ist ausgezeichnet

          Terrell war der erste Händler gewesen, der Apple-Computer geordert und verkauft hatte. Er hatte bei Wozniak und Jobs 50 Geräte bestellt und ihnen dafür 500 Dollar je Stück geboten. Bedingung: Die Kunden sollten die Computer nicht erst, wie damals bei Kleinstcomputern üblich, zusammenbauen müssen, sie sollten vielmehr fix und fertig im Verkaufsregal stehen.

          Aus Mangel an anderen Materialien hatten Wozniak und Jobs die von ihnen faktisch in Handarbeit gefertigten Platinen in einer Holzummantelung mit Anschlussmöglichkeiten für Bildschirm, Tastatur und Laufwerk untergebracht. Von den einst angefertigten „Holz-Apple-Rechnern“ ist die Existenz von derzeit etwa noch 30 Stück bekannt.

          Acht der ursprünglichen Apple-1-Rechner sollen noch voll funktionsfähig sein; fünf stehen in Museen – einer davon als Dauerleihgabe im Deutschen Museum in München. Der deutsche Sammler Achim Baqué nennt auf seiner Webseite sieben Apple-1-Rechner sein eigen. Blakes Apple-1 hat seinen eigenen Worten nach nie verändert oder repariert werden müssen. Er habe über Jahrzehnte hinweg in seiner Computer-Sammlung in einem gut klimatisierten Keller gestanden, sei ein- bis zweimal im Jahr hochgefahren und ausprobiert worden, schreibt Blake auf der Internetseite von „The Apple-1 Registry“. Der Zustand der Maschine sei nach wie vor ausgezeichnet. Das dürfte für viele gutbetuchte Apple-Fans und -Sammler den nun geforderten Preis mehr als nur rechtfertigen.

          Apple-I-Computer erzielen seit Jahren immer neue Rekordpreise. 2010 kam bei Christie´s eine Maschine für knapp 200.000 Dollar unter den Hammer. 2012 brachte es ein Apple-1 bei Sothebys auf einen fast doppelt so hohen Preis. Im Mai 2013 wurde in Köln eine Apple-1 für mehr als eine halbe Million Euro verkauft. Das Henry Ford Museum legte bei einer Auktion in New York 2014 mehr als 900.000 Dollar auf den Tisch.

          Im vergangenen Jahr ging ein Apple-1 in Boston für knapp eine halbe Million Dollar über den Tisch – mit einem Manko: Er besaß keine der legendären Holzummantelungen.

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