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Führende Suchmaschine : „Alarmstufe Rot“ für Google

Derzeit ist Google die mit Abstand führende Suchmaschine der Welt. Bild: AP

Apple arbeitet angeblich an einer rivalisierenden Suchmaschine. Was bedeutet das?

          2 Min.

          In der spektakulären Kartellklage, die das amerikanische Justizministerium in der vergangenen Woche gegen Google eingereicht hat, spielt das Verhältnis des Internetkonzerns zu Apple eine zentrale Rolle. Die Kartellwächter werfen Google vor, sein „Monopol“ in der Internetsuche mit wettbewerbswidrigen Vereinbarungen zu bewahren, und als Paradebeispiel dafür wird die Partnerschaft mit dem iPhone-Hersteller angeführt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Google zahlt nach den Angaben in der Klage jährlich zwischen 8 und 12 Milliarden Dollar an Apple und bekommt im Gegenzug eine Vorzugsbehandlung für seine Suchmaschine. Die Google-Suche ist als Standard auf Apple-Geräten eingestellt.

          Dieses Bündnis ist für beide Seiten enorm lukrativ. Wie es in der Klage heißt, stehen Apple-Produkte für fast 50 Prozent des gesamten Suchverkehrs von Google, und diese Suchanfragen befeuern Googles Werbegeschäft. Für Apple wiederum ist das Geld, das Google zahlt, praktisch reiner Gewinn. Apple hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Nettogewinn von rund 55 Milliarden Dollar gemacht, die Google-Zahlungen fallen also erheblich ins Gewicht.

          Einträglicher Pakt

          Dieser einträgliche Pakt ist umso bemerkenswerter, weil beide Unternehmen ansonsten hart miteinander konkurrieren, zum Beispiel im Handy-Geschäft. Und er relativiert es, wenn Google zur Verteidigung seines überwältigenden Marktanteils darauf hinweist, nun einmal die bevorzugte Wahl von Internetnutzern zu sein. Denn mit seinen Milliardenzahlungen hilft der Konzern kräftig nach.

          Die Kartellklage ist nun allerdings eine Bedrohung für dieses Abkommen. Weshalb sich umso mehr die Frage aufdrängt, ob Apple womöglich eine eigene Suchmaschine entwickeln könnte, die mit Google konkurrieren würde. Die „Financial Times“ berichtet jetzt, Apple arbeite tatsächlich an Alternativen zu Google. Als Indiz dafür wird angeführt, dass Apple in der neuen Version seiner iPhone-Software iOS auf der Startseite eine eigene Suchfunktion eingebaut hat.

          Dies könnte dem Bericht zufolge die Basis für eine umfassendere Offensive im Suchgeschäft sein. Vor wenigen Tagen hatte schon die „New York Times“ berichtet, unternehmensintern bei Google gelte Apple als eines von wenigen Unternehmen, das ein ernstzunehmendes Konkurrenzprodukt für die Internetsuche entwickeln könnte. In der Kartellklage heißt es, Google sehe den möglichen Verlust seiner privilegierten Position auf Apple-Geräten als „Alarmstufe Rot“-Szenario.

          Nicht nur Apple sucht Alternativen

          Apple wäre nicht das einzige Unternehmen, das Alternativen zu Google sucht. Derzeit macht sich der chinesische Technologie-Konzern Huawei mit Hilfe europäischer Forscher und Ingenieure daran, die Grundlage einer eigenen Suchmaschine zu legen. Anders als die Suchmaschine des Konkurrenten Baidu will Huawei sein Suchwerkzeug mit künstlicher Intelligenz bestücken. Daran arbeitet auch der russisch-niederländische IT-Konzern Yandex. Er betreibt unter seinem Namen seit mehr als zwanzig Jahren eine auf kyrillische Schrift spezialisierte Suchmaschine und ist so etwas wie das russische Google.

          Baidu und Yandex allerdings kommen nach Angaben von Statcounter auf einen Anteil am Weltmarkt von nicht einmal 1,7 Prozent, Microsoft mit Bing auf 2,8 Prozent. Angesichts dieses gewaltigen Rückstands stellt sich die Frage, warum zum Beispiel Microsoft überhaupt noch im Suchgeschäft präsent ist. Dirk Lewandowski, Suchmaschinenspezialist am Department of Information der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, sagt: „Obwohl der Marktanteil im Vergleich zu Google klein ist, sind die absoluten Zahlen der Anfragen auf Bing immer noch sehr, sehr hoch, so dass sich entsprechende Schaltung von Werbung rentieren mag.“

          Es gebe zwar viele Suchmaschinen, die meisten aber haben keinen eigenen Datenbestand, sondern greifen auf die Suchergebnisse von Google und Bing zurück. Das ist nach den Worten von Lewandowski technisch ziemlich leicht einzurichten, reduziere aber die Zahl der wirklich eigenständigen Suchmaschinen rasch. „Als gute Suchmaschine braucht man einen großen Datenbestand, und dieser Bestand muss auch noch aktuell sein. Man braucht faktisch eine komplette Kopie des World-Wide-Web.“ Eine Suchmaschine ist ein kompliziertes Gebilde, und bislang haben das nur wenige Unternehmen gestemmt. Apple hätte die notwendigen Ressourcen dazu.

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