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Produktpiraterie : Amazon startet Hauspolizei gegen Fälscher

Amazon hat kein Interesse daran, am Vertrieb von Fälschungen beteiligt zu sein. Bild: Reuters

Dem Online-Händler wurde oft vorgeworfen, Plagiate auf seinen Seiten nicht entschlossen genug zu bekämpfen. Eine neue Abteilung soll Fortschritte bringen. Aber Amazon sieht auch Regierungen in der Pflicht.

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          Es klingt wie der Plot einer Polizeiserie: Mit einer hauseigenen „Counterfeit Crimes Unit“ will der Online-Händler Amazon.com künftig gegen Produktfälschungen auf seiner Plattform vorgehen. Die Einheit soll die rechtliche Verfolgung von Fälschern vorantreiben, die gegen Gesetze und auch gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen – und dafür sorgen, dass sie nicht nur von Amazons Plattform verschwinden, sondern auch zur Verantwortung gezogen werden. Sie soll damit Strafverfolgungsbehörden in ihrer Arbeit unterstützen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In ihrer Arbeit soll sie Daten von Amazon und auch Informationen von externen Quellen wie Zahlungsdienstleistern nutzen. Die Gruppe wird von einer langjährigen Mitarbeiterin des amerikanischen Justizministeriums geführt, die kürzlich zu Amazon gewechselt ist. Sie startet nach Angaben des Unternehmens mit einer kleinen Zahl von Mitarbeitern, soll aber ausgebaut werden und künftig auch in Europa präsent sein.

          Produktfälschungen machen dem Online-Handel seit Jahren zu schaffen – das gilt für Amazon und auch für andere Anbieter. „Diese Fälscher sind hochmotiviert“, und gegen sie vorzugehen, sei „leichter gesagt als getan“, sagte Dharmesh Mehta, ein für „Kundenvertrauen“ zuständiger Vice President von Amazon, Journalisten bei der Vorstellung der neuen Intiative.

          Reaktion auf Zunahme von Fällen

          Nach Angaben der amerikanischen Regierung hat sich die Zahl der Beschlagnahmungen von gefälschten Waren an der Grenze des Landes zwischen 2000 und 2018 mehr als verzehnfacht. Amazon ist oft vorgehalten worden, zu wenig gegen Plagiate zu tun. Peter Navarro, der Handelsbeauftragte des Präsidenten Donald Trump, sagte der Zeitung „Washington Post“ unlängst sogar, der Konzern erleichtere Fälschern das Handwerk, obwohl er in der Lage wäre, solche Praktiken zu stoppen.

          Amazon-Manager Mehta sieht freilich auch die Regierung und ihre Strafverfolgungsbehörden in der Bringschuld. Nach seiner Darstellung sind in Amerika und vielen anderen Ländern die Ressourcen zur Bekämpfung von Fälschungen „unzureichend“, und Amazon werbe bei den Regierungen dafür, dies zu ändern. In den Vereinigten Staaten seien beispielsweise 2018 auf Bundesebene nur 56 Klagen gegen Fälscher angestrengt worden. Und davon wiederum hätten fast zwei Drittel nicht in einer Gefängnisstrafe resultiert. „Die Strafen sind nicht hart genug, um Fälscher abzuschrecken,“ sagte Mehta.

          Mehr Eingriffsmöglichkeiten

          Der Online-Händler hat seine Bemühungen im Kampf gegen Fälscher schon im vergangenen Jahr mit der Initiative „Project Zero“ intensiviert. Dazu gehört es, das Angebot mit Hilfe von künstlicher Intelligenz kontinuierlich zu durchforsten und etwaige Fälschungen zu entfernen. „Project Zero“ gibt außerdem Herstellern von Markenartikeln die Möglichkeit, Plagiate selbst zu entfernen.

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          Mehta sagte, Amazon gebe heute auch mehr Informationen an Strafverfolgungsbehörden weiter. Früher habe sich das Unternehmen erst dann an die Behörden gewandt, wenn es nach eigener Auffassung einen weitgehend klaren Plagiatsfall entdeckt hatte. Heute geschehe dies bei jedem Hinweis auf Fälschungen. Amazon habe sich außerdem in jüngster Zeit auch in Rechtsstreitigkeiten rund um Plagiate auf seiner Seite eingeschaltet, etwa eine Klage des amerikanischen Konzerns 3M wegen gefälschter und mit erheblichem Preisaufschlag verkaufter Versionen seiner Gesichtsmasken.

          Amazon behauptet, durch seine diversen Initiativen im vergangenen Jahr mehr als sechs Milliarden „mutmaßlich unzulässige Angebote“ blockiert zu haben. Zudem seien mehr als 2,5 Millionen Konten von Tatverdächtigen gesperrt worden, noch bevor sie ein Produkt zum Verkauf angeboten hätten. Manager Mehta gab allerdings zu, das Unternehmen sei in seinen Bemühungen, Fälschungen auszumerzen, noch immer „nicht perfekt“.

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