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Einzelhandel : Amazon plant Offline-Filialen in Deutschland

  • Aktualisiert am

Im Amazon-Geschäft in New York Bild: AP

Der Online-Handel wächst und wächst. Trotzdem setzt Amazon jetzt auf den stationären Handel. Um Liebe zur Literatur dürfte es dem Konzern wohl kaum gehen, zeigt ein Blick nach New York.

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          Der Onlinehandel boomt. Eine Binsenweisheit, die sich auch in Zahlen niederschlägt. Allein für das Weihnachtsgeschäft erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro - zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Insgesamt ist der Umsatz im Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr „nur“ um drei Prozent gestiegen, auf 94,5 Milliarden Euro. Nur dank des Onlinehandels sind die deutschen Einzelhändler mit dem Verkaufsgeschäft im Advent zufrieden, geht aus einer Umfrage unter 400 Unternehmen aus verschiedenen Branchen hervor. In den Innenstädten gehen die Kundenzahlen dagegen zurück.

          Und was macht der amerikanische Online-Versandhändler Amazon? Er plant stationäre Filialen – jetzt auch in Deutschland. Es sei „keine Frage des Ob, sondern des Wann“, sagte der Deutschland-Chef von Amazon, Ralf Kleber, jetzt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Kunden lieben Vielfalt online und im klassischen Handel.“ Amazon werde sich „nie dem verschließen, was der Kunde will.“ Er verwies darauf, dass der klassische Handel in Deutschland immer noch 90 bis 95 Prozent des Gesamtumsatzes ausmache.

          Für Amazon scheint kein Problem zu sein, dass mehr als die Hälfte der Händler in deutschen Innenstädten mit ihrer Umsatzentwicklung unzufrieden ist. In den Vereinigten Staaten betreibt der Onlinehändler schon eine ganze Reihe an Buchläden. Wie zum Beispiel im Time Warner Center am Rande des New Yorker Central Parks.

          Bücher werden in der Filiale mit dem Cover nach vorn präsentiert.
          Bücher werden in der Filiale mit dem Cover nach vorn präsentiert. : Bild: AP

          Neben Büchern sind dort auf 400 Quadratmetern die hauseigenen Elektronikprodukte wie Kindle-Lesegeräte und Echo-Lautsprecher dort prominent plaziert. Außerdem werden Kunden nahezu penetrant auf die Vorzüge von „Prime“ hingewiesen. Das ist das Rundum-sorglos-Paket, mit dem Amazon gegen eine jährliche Gebühr von 99 Dollar (69 Euro in Deutschland) schnellen Versand ohne Aufpreis und andere Annehmlichkeiten wie Zugang zu einer Online-Videothek und einem Musikdienst gewährt. Es scheint, als sei der Laden als Vehikel konzipiert, die Prime-Kundschaft auszuweiten, die überdurchschnittlich viel bei Amazon einkauft.

          Fixierung auf Algorithmen und hohe Kundenbewertungen

          Diktiert wird das Geschäft von jenem gewaltigen Datenschatz, über den Amazon als dominierender Online-Händler verfügt. Im Sortiment sind nur Bestseller und Bücher, die in Amazons Kundenbewertungen auf einer Skala von einem bis fünf Sternen im Schnitt mindestens auf 4,0 kommen. Auf dem ersten Tisch hinter dem Eingang liegen unter dem Schlagwort "Highly Rated" Bücher mit Bewertungen von mindestens 4,8. Es ist eine kunterbunte Mischung, zu der Kinderliteratur ebenso gehört wie Geschichtsbücher oder Romane. Jeder Titel im Laden ist mit einem Kärtchen versehen, worauf bisweilen der exakte Prozentsatz von 5-Sterne-Kritiken steht, oft auch ein paar Sätze aus einer lobenden Bewertung eines realen Amazon-Kunden.

          Amazon preist seinen Laden als Ort an, um Bücher zu entdecken. Und in gewisser Weise wird solches Entdecken dadurch erleichtert, dass alle Bücher frontal mit ihrem Titel präsentiert werden und nicht nur der Rücken zu sehen ist. Das kostet viel Platz, weshalb das Geschäft eine vergleichsweise überschaubare Auswahl von 3700 Titeln bietet. Die Fixierung auf Algorithmen und hohe Kundenbewertungen dürfte es außerdem erschweren, viel Überraschendes oder Abseitiges zu finden. Ohnehin lädt der Laden nicht gerade zum Stöbern und Verweilen ein. Zwischen den Regalen ist es eng, und zum Hinsetzen gibt es nur drei Sessel und ein paar Holzschemel. Stattdessen dürfte kaum jemand den Laden ohne das Gefühl verlassen, wie sehr sich Prime lohnt. Und vielleicht ist es ja genau das, was Amazon-Chef Bezos mit den Buchgeschäften vor allem bezweckt. Um Literatur zumindest dürfte es ihm nicht gehen.

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