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Amazon-Chef in Indien : Wieso Jeff Bezos indische Kleinhändler mit Geld ruhigstellen will

Amazon-Chef Jeff Bezos diese Woche während eines Besuchs der Raj Ghat Gedenkstätte für Mahatma Gandhi in Indien Bild: AFP

Amazon-Chef Jeff Bezos verspricht, eine Milliarde Dollar für die Anbindung von Händlern ans Internet auszugeben. Die Regierung in Neu Delhi liefert Schützenhilfe.

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          Jeff Bezos versucht, sich den Markteintritt in Indien mit Geld zu erkaufen. Der Gründer des Paketdienstes Amazon verspricht Kleinhändlern auf dem Subkontinent, sie für insgesamt eine Milliarde Dollar ans Internet anzubinden. Schon 2014 hatte Amazon Investitionen in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar in Asiens drittgrößte Volkswirtschaft angekündigt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Seit Jahren kritisieren die Inder die Handelskonzerne Amazon und Walmart, der den indischen Internetriesen Flipcart übernommen hat. Die Amerikaner würden ihre Geschäfte mit Nachlässen und dem Einkauf bei Großanbietern zerstören. Die indische Wettbewerbskommission geht den Vorwürfen in diesen Tagen nach. Der indische Händlerbund, der rund 70 Millionen Mitglieder zählt, hat gegen Bezos’ Besuch zu Demonstrationen in 300 Städten aufgerufen. Der Amerikaner will bis Samstag bleiben, und auch die Regierung treffen.

          Wichtiger Ankerinvestor

          Bezos versprach nun, Amazon werden in hundert indischen Städten und Dörfern Digitalzentren bauen, um die dortigen Kleinhändler ans Netz anzubinden. Wie sie mit diesem Zugang Geld verdienen sollen, ließ er offen. Allerdings versprach er, dass Amazons Markteintritt dazu führen werden, dass Indien in fünf Jahren Güter im Wert von 10 Milliarden Dollar zusätzlich ausführen werde. Der Multimilliardär trat bei einem „Amazon-Gipfel“ in einem Stadion in Neu Delhi auf, wo rund 3000 Kleinhändler zusammengekommen waren. Er ließ sich auf der Bühne von seinem Indien-Statthalter befragen. Amazon gibt an, mehr als eine halbe Million indischer Kleinhändler mache schon über seine Plattform Geschäfte. Allerdings dürften dies ganz andere Menschen sein, als die Betreiber der dörflichen „Mom and Pop Stores“ an der Ecke.

          Bezos am Mittwoch auf einem Amazon-Event in Neu Delhi

          Indien gilt als der wichtigste Wachstumsmarkt weltweit für Netz-basierte Umsätze. Der Gesamtumsatz für den elektronischen Handel sollte in Indien in diesem Jahr 120 Milliarden Dollar überschreiten – Amazon und Walmart wollen sich davon ein gehöriges Stück abschneiden.

          Für die indische Regierung sind Ankerinvestoren wie Bezos wichtig, um mehr Geld ins Land zu holen. In Neu Delhi heißt es, die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi plane, in den nächsten Wochen ein überarbeitetes Investitionsgesetz zu veröffentlichen. Es solle ausländische Geldgeber schützen, indem eigene Schiedsgerichtshöfe eingerichtet werden, die die endlosen Gerichtsprozesse abkürzen sollen. Vertragstreue auch der Landesregierungen ist in Indien eines der großen Probleme ausländischer Investoren.

          Zwar hat sich das Land in der Rangliste, die Staaten danach sortiert, wie einfach es dort ist, Geschäfte zu führen, von Platz 142 zu Beginn der Regierungszeit Modis im Jahr 2014 auf nun 63 vorgearbeitet. Geht es aber um das Durchsetzen von Verträgen, rangiert Indien immer noch auf Platz 163 von 190 Ländern, die die Weltbank bewertet.

          Mehr Freihandelszonen

          Zugleich wirbt Indien nicht nur um die Internetkonzerne, sondern auch um die Hersteller von Mobilfunkgeräten. So sollen der Export vorangetrieben und zugleich Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Regierung prüft gerade, den Zulieferern von Apple und Samsung Electronics den Markteintritt mit Förderkrediten zu versüßen: Der Steuerzahler soll sich an den Zinsen, die für lokale Kredite fällig werden, beteiligen. Zugleich sollen mehr Freihandelszonen entstehen, in denen die Hersteller steuer- und zollfrei fertigen können. Auf diese Weise hofft die Regierung, den Produktionswert von Handys in Indien von derzeit rund 24 Milliarden Dollar in nur fünf Jahren auf 190 Milliarden Dollar hochzutreiben.

          Die Foxconn Technology Group, die vor allem als Zulieferer von Apple bekannt ist, betreibt schon zwei Fabriken in den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Tamil Nadu. Dort setzen die Arbeiter Handys für Xiaomi und Nokia zusammen. Der Vorteil der Firmen liegt nicht nur in den Subventionen der Inder, sondern auch in der Hoffnung, amerikanischen Handelsbeschränkungen mit China entgehen zu können.    

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