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Internethandel : Amazon bringt deutsche Produkte nun auch nach China

Pakete über Pakete - hier im Amazon-Lieferzentrum in Leipzig. Bild: AP

Der größte Onlinehändler will Plattform für Mittelständler in China sein. „Den Kunden ist es sehr viel wert, zu wissen, dass das Produkt tatsächlich aus Deutschland kommt“, sagt der Deutschlandchef zu FAZ.NET.

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          Es gibt Orte, an denen auch die Großen ganz klein wirken. In China trifft das auf den amerikanischen Onlinehändler Amazon zu, der sonst rund um die Welt den Handel bestimmt. Doch in dem Land, dessen Einwohner so verrückt nach Einkaufen im Internet sind, wie sonst in kaum einer anderen Nation, stehen Amazon große Gegner gegenüber. Der chinesische Konzern Alibaba hält die Hälfte der Marktanteile im Onlinehandel, mehr als 400 Millionen Nutzer zählt die Plattform, der Konkurrent JD.com folgt mit gut einem Fünftel des Marktes dahinter.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In diesem umkämpften Markt verkauft Amazon von nun an deutsche Markenprodukte an chinesische Amazon-Kunden. 400.000 Produkte, die man auf Amazon.de finden kann, gibt es zum Start auch in China. Das ist sehr wenig, verglichen mit den mehreren hundert Millionen Produkten im Sortiment hierzulande, doch gibt sich Deutschland-Geschäftsführer Ralf Kleber gelassen. „Wir fangen gerade erst an und wir wissen, dass wir uns das Vertrauen des Konsumenten schrittweise erarbeiten müssen.“

          Kindersitze und Babynahrung

          Deshalb sei es nicht ungewöhnlich für den Konzern, einmal nicht der Größte zu sein. Den Verkauf von Büchern habe Amazon auch nicht erfunden, im Handel mit Lebensmitteln sei das Unternehmen sogar ein paar tausend Jahre zu spät, scherzt Kleber. „Uns ist aber das langfristige Denken angeboren, das ist für uns ganz normal.“

          Den sogenannten „China Global Store“ hat Amazon vor drei Jahren zunächst mit Produkten aus dem amerikanischen Heimatmarkt getestet, im vergangenen Jahr kamen dann Japan und Großbritannien dazu. Mit den Produkten aus Deutschland hofft Amazon nun, damit auch das hohe Markenvertrauen der Chinesen in deutsche Produkte mit verkaufen zu können. „Das wichtigste ist die Authentizität der Marke“, sagt Kleber. „Den Kunden ist es sehr viel wert, zu wissen, dass das Produkt tatsächlich aus Deutschland kommt.“

          Traditionell sind vor allem deutsche Haushaltsmarken, Kindersitze fürs Auto oder Babynahrung besonders beliebt bei Chinesen. Große Unternehmen wie Henkel oder auch Drogeriemarktketten wie dm sind schon länger in China aktiv, weil ihre Produkte so stark nachgefragt werden.

          Kleber sieht deshalb auch Chancen für kleinere Händler, die außerhalb Deutschlands vielleicht weniger bekannt sind. „Wir sehen, dass es ein großes Interesse an mittelständischen Marken gibt.“ Denen würde schließlich auch das Vertriebsnetz von Amazon nutzen. Mit 82 Regionen in China deckt der Onlinehändler zwar noch lange nicht das gesamte Land ab, erreicht aber weit mehr als nur große Ballungszentren wie Schanghai oder die Hauptstadt Peking. Und damit auch Städte, die deutschen Mittelständlern vielleicht nicht als erste Absatzmärkte einfallen.

          Fünf bis neun Tage sollen chinesische Kunden des Zusatzdienstes Prime von nun an auf ihre deutschen Produkte warten müssen. Zum Vergleich: In Deutschland experimentiert Amazon etwa in München mit der Zulieferung innerhalb von zwei Stunden. Wer in China auf dem Shoppingportal Taobao des Internetkonzerns Alibaba abends Waren bestellt, bekommt sie am folgenden Morgen geliefert. Da muss die Marke schon einen sehr hohen Reiz auf die Besteller ausüben, damit sie sich gedulden.

          Mit den deutschen Waren will Amazon freilich auch mehr Nutzer dazu bringen, Prime-Kunden zu werden. Der Dienst kostet eine jährliche Gebühr. Solche Verkaufsmodelle sind in China allerdings bislang wenig zu sehen: Die großen Konkurrenten liefern auch ohne Jahresgebühr häufig zu geringen Versandkosten aus.

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