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Acer-Europachef : Der PC lebt wieder auf

Viele Unternehmen setzen während der Pandemie auf digitale Bewerbungsgespräche. Bild: mauritius images / Maskot

Immer wieder wurde der PC totgesagt. In Corona-Zeiten jedoch reicht vielen das Smartphone nicht mehr aus. Ein Gespräch mit Acer-Europachef Emmanuel Fromont.

          2 Min.

          Herr Fromont, was haben Sie in der Corona-Krise gelernt?

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Arbeiten von zu Hause aus kann sehr effizient sein. Das wird künftig ein Teil der normalen Arbeitsorganisation. In der Zukunft gibt es zwar auch weiterhin physische Treffen, aber mehr werden virtuell sein. Daran müssen wir uns anpassen, und wir haben das auch getan. Es gibt keine Rückkehr mehr in die Welt vor der Krise.

          Ist das wirklich ein langfristiger Trend oder doch eher ein kurzfristiger?

          Homeoffice ist da, um zu bleiben. Es wird künftig einen Mix geben zwischen physischer Präsenz im Büro und virtuellem Arbeiten von zu Hause aus. Viele Unternehmen eröffnen ihrer Belegschaft jetzt mehr Flexibilität. Und zwar nicht nur wegen der Pandemie.

          Diese Entwicklung müsste sich in den Geschäftszahlen eines Computerherstellers wie Acer bemerkbar machen.

          Ja. Im ersten Quartal hatten wir noch ein Umsatzminus von 10 Prozent, als die Lieferkette aus China unterbrochen war. Wir bekommen ja fast alle Produkte aus China. Wir haben uns aber schnell davon erholt. Im April gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 40 Prozent und im Mai von 20 Prozent. Das zweite Quartal wird also ein sehr starkes Quartal für uns und die PC-Industrie insgesamt.

          Worauf führen Sie den Aufschwung zurück?

          In unseren Geschäftszahlen sehen wir vor allem die Effekte aus dem Bildungsbereich und von Homeoffice-Arbeitern. Der große Gewinner war der Bereich Mobility, also Notebooks inklusive der Chromebooks, und zwar in jedem Land in Europa. Die starke Nachfrage hält an, bis heute. Das ist nicht nur ein kurzfristiger Aufschwung, sondern ein fundamentaler Wechsel.

          „Für einige Aufgaben braucht man eben PCs“

          Inwiefern?

          Die Leute merken, sie können nicht alles auf ihren Smartphones oder Tablets erledigen. Für einige Aufgaben braucht man eben PCs. Auch Monitore gehören zu den Gewinnern. Die Leute stellen fest, dass es nicht so einfach ist, einen ganzen Tag lang auf einen relativ kleinen Bildschirm mit 13 oder 14 Zoll Größe zu schauen. Insgesamt hat die PC-Industrie deutlich an Stärke wiedergewonnen. Die Leute sehen: Es ist nützlich, einen PC zu besitzen, mit guter Kamera, gutem Sound und guten Verbindungsmöglichkeiten.

          Acer ist auch stark im Bereich Spiele aktiv. Hat der Zu-Hause-Trend diesen Sektor gestärkt?

          Absolut, die Leute spielen auch zu Hause viel mehr. Die Produkte in diesem Bereich haben 40, 50 Prozent zugelegt. Es gab eine starke Nachfrage, wie bei Notebooks auch. Vor allem Acer hat sich hier gut entwickelt, doppelt so gut wie die gesamte Industrie. Bei uns gab es Zuwächse von bis zu 70 Prozent in den vergangenen Monaten, in der Branche insgesamt von 35 Prozent.

          Ihre Prognose für das kommende Jahr?

          Das globale wirtschaftliche Umfeld ist schwierig, aber die PC-Industrie steht auf der Sonnenseite der Krise.

          Dabei wurde der PC immer wieder für tot erklärt.

          Wir bei Acer argumentieren seit Jahren gegen diese Vorstellung. Aber es ist natürlich eine Tatsache, dass der Trend sieben bis acht Jahre nach unten gewiesen hat. Dieses Jahr wird anders.

          Die Nummer fünf Acer gehört zu den größten Herstellern von Personalcomputern auf der Welt. Das 1976 gegründete taiwanische Unternehmen ist die Nummer fünf nach Lenovo, HP, Dell und Apple. Im zweiten Quartal war Acer mit einem Absatzplus von mehr als 20 Prozent nach Daten des Marktforschers Gartner der am stärksten wachsende unter den großen PC-Konzernen. Zum Portfolio gehören neben Desktops und Notebooks auch Monitore und Projektoren sowie eine breite Palette von Computerspielprodukten. Dem seit Jahren rückläufigen PC-Trend zum Trotz bleibt Acer der Produktkategorie treu und sieht sich mit den jüngsten Zahlen bestätigt. Allerdings könnte der Corona-bedingte Aufschwung möglicherweise nur von kurzer Dauer sein, erwarten Fachleute. Der Franzose Emmanuel Fromont gehört zum Topmanagement des Konzerns. Seit Januar 2015 ist er für die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika verantwortlich. Vor seinem Einstieg bei Acer arbeitete Froment unter anderem für HP und IBM.

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