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5G-Netze weltweit : Das Wettrennen um den besten Mobilfunk

Um das zu gewährleisten, verspricht die Politik zweierlei – die Bürokratie zu verringern und finanziell in die Bresche zu springen. Etwa beim Ausbau in ländlichen Regionen, die für kommerzielle Anbieter weniger interessant sind. Aus den Erfahrungen mit den letzten Versteigerungen vor fünf Jahren hat der Staat gelernt, dass zu hohe Preise die Investitionen der Betreiber beeinträchtigen und zudem zu Rechtsstreitigkeiten führen können. Deshalb beträgt das Mindestgebot diesmal nicht 530 Millionen Euro, sondern nur noch 30 Millionen Euro. Anders als damals bei den LTE-Lizenzen (4G) sollen die Auktionserlöse jetzt direkt in den Ausbau fließen und aus Mitteln der sogenannten „Breitband-Milliarde“ ergänzt werden.

Der Verweis auf die öffentlichen Töpfe zeigt allerdings, dass auch in Österreich gut gemeint nicht immer auch gut gemacht ist. Im September rügte der Rechnungshof, dass von der im Jahr 2013 beschlossenen „Breitband-Milliarde“ nur ein Bruchteil ausgegeben worden sei. Von einer bis zum Jahr 2020 geplanten flächendeckenden Versorgung mit Hochleistungszugängen zu 100 Megabit je Sekunde könne nicht entfernt die Rede sein.

Trotzdem: Wenn alles gutgeht, werden im ersten Quartal 2019 die Nutzungsrechte für 20 Jahre vergeben. Erwartet wird, dass sich neben der halbstaatlichen A1/Telekom-Austria auch deren Wettbewerber T-Mobile und Hutchison mit der Marke „Drei“ um die Frequenzen bemühen sowie einige Energieversorger und regionale Telekom-Unternehmen. Schätzungen zufolge könnte ein zügiger 5G-Ausbau in Österreich bis Ende des nächsten Jahrzehnts eine Wertschöpfung von 32 Milliarden Euro freisetzen. Infrastrukturminister Norbert Hofer beziffert die Ausbaukosten auf 10 Milliarden Euro.

China: 5G als Staatsräson

In China ist die Entwicklung von 5G Staatsräson. Die derzeitige Netzwerktechnik 4G hat im Land 1,1 Milliarden Nutzer, die darüber online einkaufen, Videos abrufen, bezahlen, Taxis bestellen und Finanzdienste in Anspruch nehmen. Dass es fast nichts des täglichen Bedarfs gibt, was die Chinesen nicht im Internet erledigen können, hat im Land in rasantem Tempo eine gigantische Digitalwirtschaft entstehen lassen, die es mit dem Silicon Valley längst nicht nur aufnehmen kann, sondern dieses zum Teil schon überholt hat. Kein Wunder, dass die vom Handelskrieg des amerikanischen Präsidenten Trump genervte chinesische Führung 5G als Chance sieht, vor den Vereinigten Staaten zum ersten Mal in der Geschichte die Technologieführerschaft in der Welt zu übernehmen.

Wie ernst Amerika den Rivalen dabei nimmt, hat das Vorgehen Washingtons gegen die Anbieter Huawei und ZTE gezeigt. Mit Verweis auf Sicherheitsrisiken wird versucht, die chinesischen Konzerne mit Marktbeschränkungen kleinzuhalten. So hat Amerika Berichten zufolge jüngst auch die Bundesregierung gedrängt, in der Entwicklung des 5G-Netzes in Deutschland auf Technik aus China zu verzichten. Da 5G künftig etwa auch die Roboter in der vernetzten Industrie steuern werde, öffneten Anbieter von Netzinfrastruktur wie Huawei aus dem südchinesischen Shenzhen der Wirtschaftsspionage Pekings Tor und Tür, lautet dabei das gebräuchlichste Argument.

Fakt ist, dass Chinas Führung ihren Unternehmen vorgegeben hat, Marktführer innerhalb der Entwicklung von 5G zu werden. 2013 setzte sie dazu ein Komitee auf, das auch die staatlichen Mobilfunkbetreiber umfasst. Dass diese angesichts des Drucks aus Peking und der Größe des Landes bald gigantische Mengen der neuen Technik beziehen werden, dürfte Privatunternehmen wie Huawei einen großen Anreiz verleihen, die Technik noch schneller zu entwickeln – trotz aller Versuche der Vereinigten Staaten, sie daran zu hindern.

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