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6,6 Milliarden Euro Einnahmen : „Das Geld fehlt jetzt für den Netzausbau“

Aus Verbrauchersicht spannend ist vor allem, wie sich der Markt durch Drillisch verändern wird. Ob nun tatsächlich ein neuer Preiskampf ausbricht, wie manche erwarten, ist für Analysten noch nicht ausgemacht. Schließlich muss auch der Neuling sein Geld für die Frequenzen und den anstehenden Netzausbau zurückverdienen. Andererseits genießt er bei der Flächenversorgung Vorzugskonditionen, die die Kosten im Rahmen halten. In der ersten Phase muss er lediglich 25 Prozent der Haushalte in Deutschland erreichen, bis 2025 dann 50 Prozent. Nach Berechnungen von Analysten würde es genügen, dafür rund 40 Städte mit LTE abzudecken. Auf 99 Prozent der Fläche müssten Gespräche und Daten also per Roaming über fremde Netze laufen. Die Regulierungsbehörde soll als Schiedsrichterin dafür sorgen, dass sich die Netzbetreiber fairen Verhandlungen über Konditionen und Roaming-Preise nicht verschließen. Allerdings: Ihre rechtlichen Möglichkeiten sind dabei begrenzt, einen „Kontrahierungszwang“ gibt es nicht. Und die großen Kontrahenten werden sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dem neuen Rivalen den Einstieg zu erleichtern.

Aber Drillisch hat  noch einen anderen Trumpf in der Hand: die EU-Auflagen aus der Genehmigung der Fusion von O2 und E-Plus vor 5 Jahren. Diese sichern Drillisch bisher zu, 30 Prozent der Übertragungskapazität des O2-Netzes anmieten zu können. Wandelt sich das Unternehmen zum Netzbetreiber, kann es gegenüber O2 auf eine Umwandlung des Zugangsvertrages in eine Roaming-Pflicht pochen. Die würde zwar nur für LTE gelten. Aber United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hat den Massenmarkt im Blick, und LTE dürfte für die allermeisten Handykunden noch auf Jahre hinaus völlig ausreichen. Schwieriger wäre wohl die komplette Umstellung des Geschäftsmodells. Denn Rosinenpickerei ist nicht erlaubt: Drillisch kann nicht dauerhaft gleichzeitig als Netzbetreiber und Wiederverkäufer auftreten.

Mittel aus Bundesprogramm fließen nur tröpfchenweise

Eine „Erlösmaximierung“ war zwar, wie die Bundesnetzagentur betont, nie das das Ziel der Auktion. Dennoch dürfte das Finanzministerium mit einiger Erleichterung auf das Ergebnis blicken. Die Einnahmen fließen in den Digitalfonds, aus dem der Bund in dieser Legislaturperiode bis zu 12 Milliarden Euro für die Förderung von schnellem Internet ausgeben will. Ganz oben auf dem Programm: die Verlegung von Glasfaser bis in Häuser, Unternehmen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Geht es also nun flotter voran, weil die Auktion unerwartet viel Geld eingebracht hat?

In der Branche hat man ganz andere Sorgen. „Auch künftig muss der eigenwirtschaftliche Glasfaserausbau der Unternehmen klaren Vorrang vor Förderung haben“, heißt es beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko). Langwierige Vergabe- und Genehmigungsverfahren verzögerten den Ausbau, zudem seien die Preise für Tiefbauarbeiten erheblich gestiegen. Und bereits die Mittel aus dem laufenden Bundesprogramm fließen nur tröpfchenweise ab. Schon vor drei Jahren hatte der Bund dafür 4 Milliarden Euro zugesagt. Tatsächlich abgerufen wurden davon bisher allenfalls 100 Millionen. „Wir brauchen deswegen nicht mehr Fördergelder, wohl aber eine größere Zielgenauigkeit in der Verteilung und eine Priorisierung der Förderung“, sagt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers. Und noch lieber wäre ihm, wenn der Bund nicht den Ausbau unterstützt, sondern die Nachfrage ankurbelt: durch Gutscheine für Haushalte und Unternehmen.

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