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Digitalmesse Dmexco : Wie bringt man Computern Moral bei?

Bild: dpa

Vertrauen der Nutzer zu bekommen, beschäftigt die Digitalbranche zur Zeit wie kaum ein anderes Thema. Auf der Digitalmesse Dmexco in Köln sind deshalb ethische Regeln für Algorithmen ein großes Thema. Dem Geschäft können sie aber auch weh tun.

          3 Min.

          „Trust in you“ - unter diesem Motto schlägt heute und morgen das Herz der deutschen Digitalwirtschaft. Denn so lautet der Leitsatz der diesjährigen Dmexco in Köln. Die Messe begann als Konferenz für digitale Werbung, hat sich aber über die Jahre zu einem der wichtigsten Treffpunkte der deutschen Digitalszene entwickelt. Und Trust – zu deutsch Vertrauen – ist ein Thema, das die Branche zur Zeit wie kein anderes beschäftigt. „Kunden kaufen nicht mehr bei Marken, die gute Produkte machen. Sie kaufen bei Marken, denen sie vertrauen“, sagte Stephanie Buscemi, Marketingvorstand des Software Salesforce, in ihrer Eröffnungsrede.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Bundesverband der Digitalwirtschaft (BVDW), der die Dmexco trägt, stellte die Frage nach ethischen Werten für Computer in den Mittelpunkt einer Studie, die er zum Auftakt der Messe vorstellte. „Wenn Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz immer zahlreicher werden, Smart-Home-Systeme zunehmend selbstverständlicher und vernetzte Gesundheit das Potential hat, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen, müssen wir über Vertrauen, Transparenz und Ethik sprechen“, sagte BVDW-Präsident Matthias Wahl.

          Die Studie kontrastierte eine repräsentative Bevölkerungsbefragung mit den Antworten von rund 200 Mitgliedsunternehmen des Digitalverbands. Demnach würden fast drei Viertel der deutschen Verbraucher digitale Produkte bevorzugen, die sich an nachvollziehbaren ethischen Standards orientieren. So weit ist die Branche noch nicht: Die Mehrheit von befragten Digitalunternehmen misst dem Thema ethische Werte bei der Entwicklung neuer Produkte zwar einen hohen oder sehr hohen Wert zu, bei 44 Prozent spielt das Thema aber eine nur geringe oder gar keine Rolle.

          Die Richtung aber scheint klar: Der Aussage, für die Einhaltung ethischer Standards müssten auch eingeschränkte Funktionen von Produkten in Kauf genommen werden, stimmten 8 von 10 Digitalunternehmen zu. Diese Zustimmung war sogar noch höher als unter den Verbrauchern, dort stimmten 6 von 10 zu. Wenn die Unternehmen diese Aussagen ernst meinen, dürften gerade vor der auf der Dmexco noch immer stark vertretenen Werbebranche einige Umbrüche liegen. Denn zum Beispiel Menschen auf Basis ihrer Hautfarbe in verschiedene Werbekategorien einzuteilen – wie es in Sozialen Medien heute möglich ist – sollte damit wohl der Vergangenheit angehören.

          „Ethik tut manchmal weh“

          Interessant ist, wer die Einhaltung ethischer Standards Unternehmen und Verbrauchern zufolge überwachen soll. Beide Gruppen sprechen sich mehrheitlich für eine unabhängige Prüfungsinstanz aus, unabhängig auch vom Staat. Dem trauen 23 Prozent der Verbraucher zu, ein guter Wächter über die ethischen Grundregeln zu sein, aber nur 12 Prozent der Unternehmen. „Dass der Staat aus Sicht der Verbraucher vertrauenswürdiger ist als aus Sicht der Digitalwirtschaft, kann ich gut nachvollziehen“, sagte Wahl – und erntete dafür Lacher im Saal.

          „Es ist erstmal erfreulich, dass Verbraucher und Unternehmen die ethische Perspektive wertschätzen“, sagte Alexander Filipović, Mitglied der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestages, der F.A.Z. „Ethik tut manchmal weh, auch dem Geschäftsmodell. Das scheint aber begriffen zu werden.“ Der Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München sieht aber dennoch auch den Staat in der Pflicht, für ethische Grundsätze im Digitalen zu sorgen. „Ich glaube, dass der Staat trotzdem eine wichtige Verantwortung hat. Es geht um regulierte Selbstregulierung. Der Staat hat die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Selbstregulierung auch wirklich stattfindet.“

          Wichtig zu betonen sei, dass Ethik und Recht nicht deckungsgleich seien, sagte Filipović weiter – es werde immer Dinge geben, die zwar gesetzlich erlaubt seien, aber dennoch moralisch verwerflich. Er plädiere zwar dafür, Digitalunternehmen auch rechtlich stärker zu regulieren, doch am Ende sei er zuversichtlich, dass die Nutzer von Digitaldiensten mit den Füßen abstimmten. „Wir können schon hinkommen, indem Verbraucher es einfordern und auch Vertrauen entziehen können“, sagte er. „Die Menschen haben ein Gespür dafür, dass die digitalen Systeme prekär sein können und sie wollen spüren, dass auf der Anbieterseite Verantwortung gesehen und wahrgenommen wird.“

          Die Frage nach ethischen Grundsätzen für künstliche Intelligenz beschäftigt auch Salesforce, um nur einen der großen Aussteller auf der Dmexco zu nennen. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Marketingvorstand Stephanie Buscemi: „Wir glauben, dass Salesforce und alle Unternehmen hier in noch unbekannte Gewässer vordringen. Jegliche Diskriminierung aus Algorithmen zu verbannen, ist entscheidend.“

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