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Digitalkonferenz SXSW : Wenn der Film sich an den Zuschauer anpasst

Im Hygiene-Museum in Dresden werden VR-Brillen schon in der Ausstellung eingesetzt. Bild: dpa

Neue Techniken ermöglichen ganz neue Wege, Geschichten zu erzählen. Virtuelle Realität war erst der Anfang.

          Die sogenannte „Virtuelle Realität“ (VR) kennen Sie wahrscheinlich schon: Sie binden sich einen Kasten vor die Augen, und der zeigt Ihren Augen eine komplett neue Welt – wohin auch immer Sie Ihren Kopf drehen. In den vergangenen Jahren hat so mancher Technik-Konzern eine eigene VR-Brille auf den Markt gebracht.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Richtig durchgesetzt haben sich in Deutschland bisher nicht. Nur jeder fünfte Deutsche hat diese Technik bisher ausprobiert, wie eine Umfrage im Auftrag des IT-Verbands Bitkom im Herbst zeigte. Das könnte auch daran liegen, dass es bisher noch nicht viel gibt, was man mit diesen Brillen anfangen kann. Besondere Filme, Computerspiele – ein großes Angebot dazu fehlt noch. Doch während sich die Deutschen ganz allmählich an diese Technik gewöhnen, geht die Entwicklung virtueller Realitäten schon weiter, wie auf der Digitalkonferenz SXSW zu sehen ist. Was dort heute noch Experimente sind, könnte bald dazu inspirieren, Geschichten auf ganz neue Weisen zu erzählen.

          Wie der Zuschauer in die Geschichte geholt wird

          Interaktive Geschichten zum Beispiel. Kaum setzt man die Brille auf, hilft man schon einem kleinen Mädchen, die Herkunft seltsamer Geräusche auf dem Dachboden aufzuklären. „Wolves in the Walls“ („Wölfe in den Wänden“) ist ein interaktiver Krimi auf Basis englischer Kinderbücher, von dem es bisher allerdings nur wenige kurze Episoden gibt.

          Das klingt noch wie ein herkömmliches Rollenspiel mit besserer Grafik, geht aber bald weiter. Infrarot-Sensoren sind in der Lage, Handbewegungen zu verstehen, so dass Menschen in den virtuellen Welten handeln können, als wären diese Welten real. Oder die Nutzer ziehen Handschuhe an: Dann können sie spüren, was sie in der künstlichen Welt gerade anfassen. Selbst Regentropfen und Spinnenbeine fühlen sich realistisch an.

          Und dann gibt es noch Film, der auf die Gefühle seines Zuschauers reagiert. In „Riot“ („Unruhe“) wird der Zuschauer in Ausschreitungen versetzt, wie sie zum Beispiel beim G-20-Treffen in Hamburg geschehen sind. Kameras filmen das Gesicht, und der Computer versucht, die Gefühle zu erraten – abhängig davon ändert sich der Fortgang der Geschichte.

          Das sind interessante Perspektiven für die Arbeitswelt, in der solche Brillen genutzt werden können, um Leute auszubilden oder Werkzeuge fernzusteuern. Aber es sind auch spannende Aussichten für Geschichtenerzähler, die ihre Zuschauer künftig ganz anders in die Erzählung eintauchen lassen können – wenn diese denn die nötige Technik annehmen werden.

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