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„South by Southwest“ : Mehr #MeToo, weniger Trump

Sexismus-Debatten werden in diesem Jahr vielleicht sogar das Schwerpunktthema des Festivals sein. Bild: AP

In Austin beginnt das Digitalfestival „South by Southwest“. Politik wird wieder eine große Rolle spielen. Aber diesmal ist Washington etwas weiter weg.

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          Es hätte ein Paukenschlag gleich zu Beginn werden können. Auf einer der ersten Podiumsdiskussionen des Digitalfestivals „South by Southwest“, das am Freitag im texanischen Austin beginnt, sollte ursprünglich Peter Thiel auftreten. Der deutschstämmige Investor und Unternehmer, der es im kalifornischen Silicon Valley zum Milliardär gebracht hat, ist derzeit eine kontroverse Figur. Als einer von wenigen Vertretern aus der amerikanischen Technologieindustrie hat er im jüngsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump unterstützt. Zuletzt gab es Schlagzeilen um seine angeblichen Pläne, ein konservativ ausgerichtetes Medienunternehmen zu gründen und das Silicon Valley zu verlassen, weil es ihm zu linksliberal sei.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sein Auftritt in Austin sollte sich um eine Materie mit viel Zündstoff drehen. Es sollte um sein umstrittenes Manöver gehen, wie er einen Rechtsstreit des Wrestlers Hulk Hogan mit dem Klatschportal „Gawker“ finanziert hat, das ihm seit einer früheren Enthüllungsgeschichte über ihn ein Dorn im Auge war. Aber vor einigen Wochen hieß es auf einmal ohne jede Angabe von Gründen, dass Thiel abgesagt hat. Stattdessen wird die Veranstaltung nun alleine von einem Autoren bestritten, der gerade ein Buch über den Gawker-Fall herausgebracht hat.

          Thiels Rückzug hat das Festival um einen garantierten Publikumsmagneten gebracht. Aber die oft nur schlicht „Southby“ oder „SXSW“ genannte Veranstaltung wird dennoch keinen Mangel an prominenten Namen haben. Und wie es ihr Markenzeichen ist, wird es auch diesmal eine bunte Mixtur sein, die ein breites Themenspektrum abdeckt. Der frühere Präsidentschaftsanwärter Bernie Sanders wird in Austin auftreten, ebenso der einstige kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, Wohltäterin Melinda Gates, Computerunternehmer Michael Dell oder Susan Wojcicki, die das zum Internetkonzern Google gehörende Videoportal Youtube führt.

          Eine wichtige Plattform für junge Unternehmen

          Das Geschehen in Austin dreht sich heute in erster Linie um Technologietrends und um damit verbundene politische und gesellschaftliche Fragen. Das war nicht immer so. „South by Southwest“ startete 1987 als kleine Musikkonferenz, im Laufe der Jahre wurde der Aktionsradius auf Film und Technologie ausgeweitet. Dabei entwickelte sich die „SXSW Interactive“, die sich um Technologiethemen dreht, allmählich zur stärksten Säule. Ihre wachsende Bedeutung hat damit zu tun, dass der Kurznachrichtendienst Twitter vor etwas mehr als zehn Jahren in Austin seinen Durchbruch feierte, als er von Besuchern eifrig genutzt wurde.

          Eine vergleichbare Erfolgsgeschichte hat es zwar seither nicht gegeben, trotzdem bleibt „South by Southwest“ eine wichtige Plattform für junge Unternehmen, die versuchen, sich hier ins Gespräch zu bringen. Zu einer Tradition ist auch der Start-Up-Wettbewerb „Accelerator“ geworden, in dem mehrere Dutzend Unternehmen wie in einer Castingshow im Fernsehen gegeneinander antreten. Dabei zählten in den vergangenen Jahren auch einige deutsche Vertreter zu den Gewinnern. Diesmal ist das Münchener Start-Up Eyecandy Lab dabei, das ein neues Fernseherlebnis durch den Einsatz sogenannter „Augmented Reality“ verspricht, also das Anreichern mit digitalen Inhalten.

          Politik jenseits von Washington

          Allgemein versteht sich „South by Southwest“ als ein Tummelplatz für Vordenker und Visionäre und als eine Plattform für Zukunftsdebatten. Zu den Schwerpunkten in diesem Jahr gehören künstliche Intelligenz, die Blockchain-Technologie und die Digitalisierung von Städten („Smart Cities“). Dabei ist das Festival zwar in seiner Grundstimmung von Technologieoptimismus geprägt, aber es nähert sich den Themen von vielen Seiten und gibt auch etwaigen Herausforderungen und Schattenseiten breiten Raum.

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