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SXSW-Festival : Zwischen Obama und „Grumpy Cat“

Ursprünglich begann South by Southwest 1987 als kleine Musikkonferenz. Heute ist SXSW eines der bedeutendsten Technologie-Festivals. Bild: dpa

Auf dem SXSW-Festival im texanischen Austin wird Technologiebegeisterung zelebriert. Aber diesmal geht es auch um die Schattenseiten der digitalen Welt.

          5 Min.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama ist im letzten Jahr seiner Amtszeit in Reiselaune. Im April will er nach Deutschland kommen und zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hannover Messe eröffnen. Bis dahin warten noch andere Großveranstaltungen auf ihn, zum Beispiel in dieser Woche im texanischen Austin.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am Freitag soll Obama auf dem Technologie-, Musik- und Filmfestival „South by Southwest“ auftreten. Für die Veranstalter ist das Coup, denn zum ersten Mal in der dreißigjährigen Geschichte des Festivals gehört ein amtierender amerikanischer Präsident zu den Rednern. Und wenige Tage nach Barack Obama wird auch dessen Frau Michelle Obama auf der Bühne in Austin sein. Nicht jeder Festivalbesucher wird freilich den Präsidenten bei seinem Auftritt in einer Austiner Konzerthalle zu Gesicht bekommen können. Die Tickets werden über eine Lotterie vergeben. Wer nicht zum Zuge kommt, muss sich damit begnügen, das Ganze im Internet per Streaming zu verfolgen.

          Obamas Besuch auf dem Tummelplatz für Technologiebegeisterte in Austin kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Denn die amerikanische Regierung liefert sich seit einigen Wochen eine heftige Auseinandersetzung mit dem Elektronikkonzern Apple, einem der prominentesten Technologieunternehmen der Welt. Das Justizministerium will Apple dazu bringen, das iPhone eines der beiden Attentäter zu entschlüsseln, die im Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen getötet haben. Apple wehrt sich dagegen und hat eine Grundsatzdebatte über Privatsphäre und Sicherheit angestoßen.

          Privatsphäre und Verschlüsselung

          Obamas Auftritt soll sich offiziell darum drehen, wie die Technologiebranche bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Klimawandel helfen kann. Aber es ist gut denkbar, dass ihm auch Fragen nach der Verschlüsselungsdebatte gestellt werden. Der Präsident wird sich dabei nicht darauf verlassen können, dass das Publikum ihm wohlgesonnen ist, denn wenn es um Themen wie die Wahrung von Privatsphäre geht, ist das Festival nicht gerade ein regierungsfreundliches Pflaster. Vor zwei Jahren erntete der frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der Spionageprogramme der amerikanischen Regierung an die Öffentlichkeit gebracht hat, viel Applaus, als er bei einer Podiumsdiskussion aus seinem russischen Exil zugeschaltet wurde.

          Auch Michelle und Barack Obama werden dieses Jahr bei SXSW auftreten. Unser Bild zeigt die Präsidentenehepaar im September 2015 beim Phoenix Award Dinner in Washington.

          Was immer Obama sagen wird: Der Streit zwischen Apple und der Regierung wird in Austin auf jeden Fall eine Rolle spielen. Vor wenigen Tagen wurde das Programm um eine Podiumsdiskussion zum Thema Verschlüsselung ergänzt. Daneben gibt es eine Reihe anderer Veranstaltungen mit ähnlichen Schwerpunkten. Zum Beispiel eine Diskussion über Privatsphäre mit Vertretern der Technologieunternehmen Google, Microsoft und Facebook. Apple selbst scheint sich zumindest in Austin aus der Debatte herauszuhalten. Der Elektronikkonzern beschränkt seine Präsenz auf weniger kontroverse Dinge und schickt einen Manager für einen an Filmemacher gerichteten Workshop rund um seine Online-Plattform iTunes.

          Von Obama über Iggy Pop bis Grumpy Cat

          South by Southwest, auch „SXSW“ genannt, vereint drei verschiedene Veranstaltungen unter einem Dach. Neben der am Freitag beginnenden „SXSW Interactive“, die sich um Technologiethemen dreht, bilden Film und Musik jeweils eigene Schwerpunkte. Die breite Aufstellung des Festivals sorgt dafür, dass sich in Austin jedes Mal eine eigenwillige Mixtur von Zeitgenossen versammelt. Neben den Obamas können Besucher diesmal zum Beispiel auch Punklegende Iggy Pop sehen oder die zu Internetruhm gekommene Katze „Grumpy Cat“, die schon in den vergangenen Jahren zu den Stars in Austin gehörte.

          Ursprünglich begann South by Southwest 1987 als kleine Musikkonferenz, und erst im Laufe der Jahre wurde der Aktionsradius ausgeweitet. Die SXSW Interactive war lange der kleinste Teil der Veranstaltung, ist aber mittlerweile zur stärksten Säule geworden. Im vergangenen Jahr hatte South by Southwest insgesamt 84.000 Besucher, wovon knapp 34.000 auf SXSW Interactive entfielen.

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