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Digitalfestival SXSW : Sind wir schon vom Computer gesteuert?

Selfie mit Android: Keine Frage, wer hier das Sagen hat. Bild: Reuters

Was machen Algorithmen mit unserem Freien Willen? Schränken sie ihn ein? Oder ist es viel gefährlicher, wenn die Computer von Menschen gesteuert werden?

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          Eines ist sicher: Wenn die EC-Karte durch kontaktloses Zahlen ersetzt wird, geben die Menschen mehr Geld aus. Wenn das kontaktlose Zahlen trotzdem eingeführt wird, weil die Nutzer es wollen – ist es dann moralisch richtig, kontaktloses Bezahlen einzuführen?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht jeder beantwortet diese Frage sofort mit „Ja“. Doch in den nächsten Jahren könnte das eine der einfacheren Fragen sein, die sich im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt stellen. Algorithmen lernen immer mehr über die Welt der Menschen und nehmen ihnen immer mehr Entscheidungen ab. Bei Facebook entscheidet der Algorithmus, die Nachrichten welcher Freunde man zu sehen bekommt – und welche Nachrichten überhaupt. Die Computer von Einzelhändlern geben unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Rabatte, um sie zum Kauf unterschiedlicher Produkte zu bewegen. Stellt künftig das selbstfahrende Auto fest, wenn sein Benutzer krank ist, und fährt ihn dann statt zur Arbeit zum Arzt? Und: Was macht das mit dem freien Willen des Menschen?

          „Nicht Algorithmen sind sexistisch. Die Leute sind es“

          Auch diese Frage wird beim Digitalfestival South by Southwest (SXSW) in Austin diskutiert – gemeinsam von Werbern, Regierungsbeamten und Unternehmern. Die Technikoptimisten sehen die Probleme allerdings weniger in den Algorithmen. Und mehr in den Menschen. „Intelligente Dienste haben keine Agenda, sie sind nur Werkzeuge“, heißt es in den Thesen, die der Strategiedirektor der Webagentur Razorfish, James Buchanan, zur Diskussion stellt. „Design hat den freien Willen schon immer beschränkt. Intelligente Dienste sind nicht anders.“ Und: „Nicht Algorithmen sind sexistisch oder rassistisch. Die Leute sind es.“

          Das ist vielleicht die Frage – da sind sich die meisten einig: Stört die Menschen an den Algorithmen vielleicht, dass sie einfach das Verhalten der Menschen lernen und sich darauf einstellen? Also auch die Charakterzüge verstärken, die wir an uns eher unangenehm finden? Und: Sollte man das dann zulassen? Als Google in seinem Suchfeld unangenehme Gerüchte über die damalige Präsidenten-Gattin Bettina Wulff zur Suche vorschlug, berief sich Google erst darauf, dass das nur die Suchanfragen der Nutzer gewesen seien. Zum endgültigen Gerichtsurteil kam es allerdings nicht. Google nahm die Gerüchte schließlich freiwillig aus dem Suchfeld.

          Am Schluss stellt sich immer wieder eine Frage, findet Intels Chef-Anthropologe: Wenn die Dating-App Tinder feststellt, dass ein Nutzer immer den gleichen Personentyp interessant findet – soll sie ihm dann mehr davon zeigen? Oder nicht?

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