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Künstliche Intelligenz : Computer, darf ich raus?

Wer von ihnen wird rückfällig? Über das Schicksal mancher amerikanischer Gefängnisinsassen entscheidet Künstliche Intelligenz mit. Bild: Fred R. Conrad/Redux/laif

Riesige Datenmengen, schnellere Rechner und bessere Software führen dazu, dass Computer immer mehr schicksalhafte Entscheidungen treffen – etwa in Gefängnissen. Muss eine Künstliche Intelligenz mit Moralvorstellungen ausgestattet werden?

          6 Min.

          Wenn in einem Landkreis in Florida ein Richter entscheidet, ob Gefangene auf Bewährung entlassen werden, dann hilft ihm ein Computer. Der analysiert 137 Datenpunkte der Gefangenen, zum Beispiel ob ihre Eltern straffällig geworden sind und ob sie selbst sich in der Schule geprügelt haben. Dann rechnet er eine Zahl aus – und die soll dem Richter helfen zu ermitteln, wie groß die Rückfallgefahr des Häftlings ist. Ob der auf Bewährung freikommt, das hängt also auch von der Entscheidung des Computers ab. Eine Analyse des amerikanischen Recherchebüros Propublica hat dabei ergeben: Schwarze kommen in diesem Programm systematisch schlechter weg als Weiße. In Amerika kam es zu einem Aufruhr gegen die Gerichtscomputer. Am Ende allerdings geschah nichts, die Computer und ihre Schätzungen sind weiter im Einsatz. Denn die Hautfarbe selbst ist keiner der 137 Datenpunkte, die der Computer analysiert. Und am Ende traf der Computer für Weiße und Schwarze tatsächlich gleich oft die richtige Vorhersage.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Beispiel ist Teil eines wichtigen Trends: Weil die Menge der verfügbaren Daten wächst und wächst, Rechner schneller und schneller und die Programme besser und besser werden, ist klar, dass Computer auf immer mehr Feldern (mit-)entscheiden. Sprache übersetzen, Bücher empfehlen, Geld für Privatkunden anlegen, Handyverträge vorbereiten – das ist erst der Anfang. Deswegen drängen nun zunehmend ethische Fragen in der Diskussion: Was dürfen Künstliche Intelligenzen generell entscheiden? Müssen Programmierer eigens darauf achten, ob und welche Moralvorstellungen sie einem Computer mitgeben? Soll Software einen Richter darin unterstützen, eine Bewährungsentscheidung zu treffen, oder ihn sogar ersetzen?

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