https://www.faz.net/-gqe-8epqj

Digitalkonferenz SXSW : Raketenschnell mit deutscher Hilfe

Wie eine menschliche Rohrpost: So in etwa stellt sich Ahlborns Start-up den Hyperloop vor. Bild: obs

Ein deutscher Start-up-Unternehmer will die Vision von Tesla-Gründer Elon Musk verwirklichen und den Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop bauen - mit einer sehr ungewöhnlichen Unternehmensstruktur.

          4 Min.

          Dirk Ahlborn könnte man sich gut als Türsteher vor einem Szeneclub vorstellen. Ein großer, bulliger Typ, unter dessen Hemdkragen eine martialisch aussehende Tätowierung hervorlugt. Der landläufigen Vorstellung eines Start-Up-Unternehmers entspricht er nicht gerade. Aber der 39 Jahre alte gebürtige Berliner ist auch kein typischer Unternehmer. Nicht nur hat er den ehrgeizigen Plan, ein futuristisches neues Transportmittel zu entwickeln, das „mit Raketengeschwindigkeit“ fahren kann. Er will dies auch mit einer sehr ungewöhnlichen Organisationsstruktur tun.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sein in der Nähe von Los Angeles beheimatetes Unternehmen Hyperloop Transportation Technologies hat nicht einmal eine Handvoll Vollzeitangestellte. Den größten Teil der Arbeit leistet ein Netz von über die ganze Welt verstreuten Personen, die zumeist bei anderen und oft renommierten Firmen angestellt sind, aber sich für Ahlborns Plan begeistern und zu seinem Gelingen beitragen wollen. „Wir sind kein Unternehmen, wir sind eine Bewegung,“ sagte Ahlborn der F.A.Z. auf der South by Southwest in Austin.

          Hyperloop wird vor allem mit Elon Musk in Verbindung gebracht, dem Vorstandsvorsitzenden des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens Space X. Vor rund zweieinhalb Jahren stellte Musk eine Idee für eine Hochbahn mit diesem Namen vor. Er beschrieb das Projekt damals als „Mischung aus Concorde, Schienenkanone und Airhockey-Tisch.“ Nach seiner Vorstellung soll die Bahn Ähnlichkeiten mit einer Rohrpost haben und Passagiere in Kapseln durch eine Stahlröhre mit einer Geschwindigkeit von mehr als 1200 Stundenkilometern transportieren. Damit würde es zum Beispiel möglich, die 650 Kilometer zwischen Los Angeles und San Francisco in gut einer halben Stunde zu bewältigen. Musk wollte aber nur Pate für den Hyperloop sein und ihn nicht selbst entwickeln, da er mit seinen Unternehmen ausgelastet ist. Er rief Andere auf, die Realisierung der Bahn auf Basis seiner Ideen voranzutreiben.

          So kam Dirk Ahlborn ins Spiel, der zu dem Zeitpunkt gerade dabei war, sich eine Unternehmerkarriere in Amerika aufzubauen. Zuvor war er viele Jahre in Italien, wo er mehrere Unternehmen gegründet hatte, zum Beispiel auf Gebieten wie alternative Energie. Deutschland hat er verlassen, als er 19 Jahre alt war. Er schmiss damals seinen Job in einer Bank, der ihm zu eintönig geworden war. Nach seiner Ankunft in Amerika kam Ahlborn die Idee, eine Plattform für junge Start-Up-Unternehmen aufzubauen. Inspiration dafür war das Konzept der Schwarmfinanzierung („Crowdfunding“), wie es das amerikanische Unternehmen Kickstarter betreibt. Auf dessen Online-Portal können Unternehmen von einer großen Gruppe von Menschen Geld einsammeln.

          Bloß kein Zuschussgeschäft

          Ahlborn geht mit seiner Plattform „Jumpstartfund“ noch einen Schritt weiter. Er bittet die Internetgemeinde nicht nur um Geld, sondern auch um ihre Arbeitskraft. Als Ahlborn zum ersten Mal von Musks Hyperloop-Plänen hörte, kam er zu dem Schluss, dass dies ein ideales Projekt für seinen Ansatz sei. Und so wurde Hyperloop Transportation Technologies gegründet, und es kam das Team von mittlerweile mehr als 520 Menschen zusammen, die sich für das Projekt engagieren. Es handelt sich dabei nach Ahlborns Worten vor allem um Ingenieure, die bei Unternehmen wie Apple, Tesla oder Boeing gearbeitet haben oder dies bis heute tun. Diese Personen verpflichten sich, mindestens zehn Stunden in der Woche für das Hyperloop-Projekt aufzuwenden, „aber bei den meisten ist es viel mehr“, wie Ahlborn sagt. Im Gegenzug für ihre Leistung bekommen sie Aktienoptionen. Ahlborn will Hyperloop in naher Zukunft an die Börse bringen, wenn es das Umfeld an den Finanzmärkten erlaubt, womöglich sogar noch in diesem Jahr. Neben diesem Netz an Ingenieuren arbeitet Hyperloop Transportation auch mit dreißig verschiedenen Unternehmen zusammen. Darunter ist Oerlikon Leybold, der Kölner Spezialist für Vakuumtechnologie, der sich seine Kooperation ebenfalls nur mit Aktienoptionen bezahlen lässt.

          Ahlborn sagt, er treibe sein Projekt völlig unabhängig von Musk voran und spreche auch nicht mit ihm darüber. Sein Hyperloop lehne sich stark an die Vorgabe von Musk an, sei aber nicht völlig identisch. Manche Dinge in Musks Plänen seien nicht machbar gewesen, beispielsweise sei die Antriebstechnik modifiziert worden. Ahlborn zeigt sich überzeugt, dass das mittlerweile erarbeitete Konzept realisierbar sei, auch wenn es noch immer Skeptiker gebe. Dabei ist er nicht der einzige, der an einem Hyperloop arbeitet. Neben ihm gibt es noch ein anderes Unternehmen aus Kalifornien mit fast identischem Namen (Hyperloop Technologies), das ähnliche Pläne verfolgt. Ahlborn sagt aber, er habe zwei Jahre Vorsprung gegenüber seinem Wettbewerber.

          Eine erste, rund acht Kilometer lange Version von Ahlborns Hyperloop soll schon bald in Quay Valley gebaut werden, einer Reißbrettstadt, die zwischen Los Angeles und San Francisco entstehen soll. Kürzlich hat Ahlborn dafür den Bauantrag eingereicht, und er hofft auf einen Spatenstich Mitte des Jahres. Spätestens Anfang 2019 soll die Bahn erstmals Passagiere befördern. Die Kosten für das Projekt beziffert Ahlborn auf 150 Millionen Dollar. Der nächste Hyperloop könnte in Osteuropa entstehen. Erst vor wenigen Tagen hat Hyperloop Transportation eine Abmachung mit der slowakischen Regierung verkündet, Pläne für eine Bahn in dem Land zu entwickeln. Nach Ahlborns Vorstellung soll im Jahr 2020 ein Hyperloop in Pressburg (Bratislava) fahren, und später soll die Stadt auch mit Wien und Budapest verbunden werden. Daneben verhandle das Unternehmen derzeit mit zwanzig Städtepaaren. Das ist ein Grund, warum Ahlborn nach eigenem Bekunden gerade sechs Wochen am Stück unterwegs war.

          Sollte tatsächlich einmal eine Hyperloop-Strecke zwischen Los Angeles und San Francisco gebaut werden, könnte eine Fahrkarte nach Ahlborns Schätzung hin und zurück 60 Dollar kosten. Aber der Deutsche kann sich auch ganz andere Geschäftsmodelle vorstellen, zum Beispiel gar kein Geld für die Beförderung zu verlangen, weil der Hyperloop ganz andere Einnahmequellen ermögliche. Etwa weil er mehr Energie produziere als er selbst benötige, und die dann verkauft werden könne. Eines will Ahlborn auf jeden Fall vermeiden: Dass sein Hyperloop ein Zuschussgeschäft wird wie die meisten öffentlichen Bahnen.

          Weitere Themen

          Tipps für die Auswahl von E-Wallets Video-Seite öffnen

          Mobil Bezahlen : Tipps für die Auswahl von E-Wallets

          In E-Wallets kann man Geld speichern und damit mobil bezahlen. Besonders wichtig bei der Auswahl: die Sicherheitsstandards des Anbieters. Nutzer sollten aber auch auf bestimmte Funktionen und mögliche Gebühren achten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.