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Digitalfestival SXSW : Die Angst der Nerds um ihre Arbeit

Wohin geht’s? Auf dem South-by-Southwest-Festival. Bild: dpa

Die Computerfreaks bei der SXSW haben keine Angst vor einer Herrschaft der Roboter. Doch dass sie ihren Arbeitsplatz behalten – so sicher sind sie sich da auch nicht.

          Der junge Mann steht am Saalmikrofon, zu verstehen ist er trotzdem kaum, so leise spricht er. Wie man denn noch eine teure Ausbildung bezahlen soll, wenn der Computer den künftigen Arbeitsplatz so unsicher macht. Und der Redner sagt: Die Studiengebühren sollten von den Unternehmen bezahlt werden – das Risiko sei für den einzelnen zu groß.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das passiert wohlgemerkt nicht auf der Jahrestagung der Lastwagenfahrer, die sich Sorgen machen, dass sie von selbstfahrenden Lastern ersetzt werden. Sondern auf dem Digitalfestival SXSW, dem Welt-Jahrestreffen der Internetwirtschaft. Und gerade erst hat Jerry Kaplan, Professor an der Silicon-Valley-Universität Stanford, erklärt: Künstliche Intelligenz wird auf absehbare Zeit nicht die menschliche ersetzen. Der Saal durfte lachen über einen Film, der ein Dutzend unterschiedliche Roboter zeigt, wie sie am aufrechten Gang scheitern und umfallen. Auf absehbare Zeit würden Computer Werkzeuge mit einem bestimmten Zweck bleiben, folgerte Kaplan. „Mein selbstfahrendes Auto entscheidet sich nicht plötzlich für eine Musikerkarriere an der Wiener Oper“, sagte er. „Wahrhaft autonom ist so ein Auto doch erst, wenn ich sage, es soll mich zur Arbeit fahren, und es bringt mich stattdessen an den Strand.“

          Nicht dass jeder eine Herrschaft der Maschinen schlecht fände. In diesen Tagen trifft man in Texas auf viele Zeitgenossen, die meinen, Computer seien den Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Kris Hammond, Chefwissenschaftler des auf künstliche Intelligenz spezialisierten amerikanischen Softwareunternehmens Natural Science, sagte bei einer Podiumsdiskussion: „Viele Menschen wehren sich dagegen, sich von Maschinen helfen zu lassen. Wir glauben, keine Maschine könne so gute Entscheidungen treffen wie ein Mensch, aber das stimmt nicht.“ Menschen würden sich oft von Emotionen leiten lassen, zum Beispiel in Konfliktsituationen. „Manchmal ist kalte Kalkulation besser.“

          Wer verliert zuerst die Stelle?

          Trotzdem herrscht auch bei den Vorreitern der Digitalisierung Verunsicherung über den eigenen Beruf. Stanford-Professor Jerry Kaplan hat auch vorgerechnet: Einst waren 90 Prozent der Amerikaner mit der Nahrungsmittelproduktion beschäftigt – heute sind es nur noch 2 Prozent. Das bedeutet nicht, dass heute 88 Prozent der Amerikaner ohne Arbeit wären. Es gibt andere Arbeit. „Wir duschen heute viel öfter als vor 100 Jahren. Vielleicht wollen wir in Zukunft täglich frische Blumen im Haus.“ Seine zwei Kinder hätten Berufe, die erst in den vergangenen zehn Jahren entstanden seien, sagt Kaplan. Das allerdings heißt auch: Wer die alten Berufe hat, dem droht Gefahr.

          Auf Twitter laufen Umfragen aus Amerika. Die meisten Amerikaner glauben: Künstliche Intelligenz wird Arbeitsplätze kosten. Aber die meisten Amerikaner glauben auch: Es wird nicht sie selbst treffen. Die Nerds auf dem Digitalfestival dagegen machen sich durchaus ihre Gedanken. Einige denken: Technische Entwicklung könnte zu den nächsten Aufgaben gehören, die der Computer übernimmt – zumindest in weiten Teilen. Gerade wer sich mit Computern verständigen kann, könnte das Problem bekommen, dass Computer auch seine Arbeit gut verstehen. Schon in den vergangenen 15 Jahren gab es in Amerika höhere Gehaltssteigerungen für soziale Kompetenzen als für technische.

          Kaplan zeigt Berufe und welche Tätigkeiten das amerikanische Arbeitsamt ihnen zuschreibt. Menschen etwas beibringen, sie unterstützen, auf sie achtgeben: das sind die Aufgaben, die Kaplan für ungefährdet hält. Der Krankenschwester gibt er gute Chancen.

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