https://www.faz.net/-gqe-97y96

Digitalkonferenz SXSW : Die Kryptowelt jenseits von Bitcoin

Joseph Lubin bei einem Besuch in Brüssel im Februar Bild: AFP

Obwohl Digitalwährungen mittlerweile kritisch gesehen werden, gehört die Blockchain-Technologie zu den beherrschenden Themen auf der South by Southwest. Sie soll weitere Industriezweige verändern.

          3 Min.

          Joseph Lubin beobachtet den gegenwärtigen Rummel um Digitalwährungen wie Bitcoin mit gemischten Gefühlen. Einerseits macht er auf dem Gebiet selbst an vorderster Front mit. Er ist Mitgründer von Ethereum, einer sogenannten „Blockchain“-Plattform, wie sie auch Bitcoin zugrundeliegt. Auch Ethereum hat eine Kryptowährung, sie heißt „Ether“ und ist gemessen an der Marktkapitalisierung die zweitgrößte hinter Bitcoin. Die Begeisterung für die Materie hat auch ihren Wert nach oben getrieben, wenn auch mit ähnlichen Schwankungen wie bei Bitcoin.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf der anderen Seite versucht Lubin aber auch, sich von Bitcoin abzugrenzen. Denn er versteht Ethereum nicht nur als Plattform für eine Digitalwährung, deren Aktionsradius sich weitgehend auf den Einsatz als Zahlungsmittel beschränkt. Stattdessen will er mit seinem Blockchain-System alle möglichen Industrien revolutionieren. „Warum Ethereum die Welt verändern wird,“ hieß der unbescheidene der Titel einer Diskussionsveranstaltung mit ihm auf der South by Southwest.

          Die Blockchain zählt in diesem Jahr zu den beherrschenden Themen auf dem Digitalfestival in Austin. Eine ganze Reihe von Programmpunkten dreht sich um die Technologie, Lubins Auftritt fand in einem der größten Säle statt und zog ein riesiges Publikum an. Die Blockchain ist als eine Online-Welt ohne zentrale Instanz konzipiert. Transaktionen werden dezentral auf einer Vielzahl verschiedener Computer ausgeführt, Datensätze werden in Blöcken wie an einer Kette aneinandergereiht. Es ist eine geteilte Infrastruktur, die für alle Beteiligten transparent ist und weniger anfällig für Fälschungen sein soll.

          Blockchain in verschiedenen Industrien einsetzbar

          Das ist auch der Ansatz, auf dem Bitcoin basiert. Die Idee von Ethereum geht aber noch einen Schritt weiter und macht Blockchain zu einer allgemeinen Plattform für dezentralisierte Anwendungen. Und wie Lubin in Austin sagte, öffnet das die Technologie für den Einsatz in einer ganzen Reihe verschiedener Industrien, von der Logistik über das Gesundheitswesen bis zur Unterhaltungsindustrie.

          Die Digitalkonferenz South by Southwest in Austin findet vom 9. bis zum 18. März 2018 statt.

          Diese Branchen könnten sich künftig erheblich verändern, weil der Dezentralisierungsgedanke Mittelsmänner in vielerlei Hinsicht überflüssig mache. Als Beispiel führte Lubin die Musikindustrie an, in der heute bis zu 80 Prozent der Einnahmen an Künstlern vorbei an diverse Zwischeninstanzen flössen. Das von ihm gegründete Softwareunternehmen Consensys hat auf Basis der Ethereum-Blockchain die Plattform Ujo entwickelt, die es Musikern ermöglichen soll, ein viel größeres Stück vom Kuchen abzubekommen. Künstler könnten hier ihre Inhalte auf die Plattform hochladen und für Nutzungsrechte daran direkt bezahlt werden.

          Sorge um Sicherheitslücken

          Lubin kann sich vorstellen, Ujo jenseits von Musik auch auf andere Inhalte auszuweiten. Mit Ethereum beschäftigen sich mittlerweile viele Branchen. Es gibt eine Enterprise Ethereum Alliance, in der sich ganz verschiedene Unternehmen zusammengeschlossen haben, um Anwendungen rund um die Blockchain-Technologie zu entwickeln, darunter Technologiekonzerne wie Intel und Microsoft, aber auch der Banken wie UBS oder der Pharmakonzern Pfizer.

          Rund um Digitalwährungen und die Blockchain gibt es freilich noch immer viele Negativschlagzeilen. Der Handel mit Bitcoin und anderen Währungen ist extrem volatil, Aufsichtsbehörden nehmen zunehmend die zuletzt immer beliebter gewordenen sogenannten „Initial Coin Offerings“ (ICO) unter die Lupe, also „virtuelle Börsengänge“, bei denen digitale Wertpapiere ausgegeben werden, für die dann üblicherweise mit Kryptowährungen bezahlt wird.

          Es gibt auch Sorgen um Sicherheitslücken bei Ethereum. Lubin gab in Austin zu, dass das Gebiet nicht frei von „schlechten und betrügerischen Projekten“ sei, und er sagte, es sei klug von Behörden wie der Börsenaufsicht SEC, zu demonstrieren, dass sie das Geschehen wachsam verfolge. Dass der Markt für Digitalwährungen derzeit einen sehr spekulativen Charakter hat, stört ihn indessen nicht.

          Die zwischenzeitlich rasant gestiegenen Werte der Währungen sorgten für Aufmerksamkeit und weckten das Interesse von Investoren. Und selbst wenn darunter auch Spekulanten seien, helfe dies dabei, Innovation auf dem Gebiet voranzutreiben. Lubin zog eine Parallele zur Internetbegeisterung in den neunziger Jahren. Damals habe es zwar eine Überhitzung gegeben, die zum Platzen einer Spekulationsblase geführt habe, aber dies habe letztlich nicht verhindert, welch fundamentale Bedeutung die Internetbranche errungen habe.

          Weitere Themen

          In Phuket stehen die Hotels leer Video-Seite öffnen

          Tote Hose im Paradies : In Phuket stehen die Hotels leer

          Weil immer weniger Chinesen auf Phuket Urlaub machen, stehen die Hotelzimmer auf der thailändischen Ferieninsel leer. Das wiederum macht die Region billiger für Reisende.

          Topmeldungen

          Bernie Sanders ist zurück – und fühlt sich bereit für das Präsidentenamt.

          Bernie Sanders in New York : „Ich bin wieder da!“

          Bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung nach seinem Herzinfarkt bricht Bernie Sanders Besucherrekorde. In New York ist auch seine bislang wichtigste Unterstützerin dabei.
          Innen mit Grill, Wok und Kombidämpfer: der Truck von Nelles Catering

          Foodtrucks : Essen auf Rädern ist abgefahren

          Das hessische Familienunternehmen Roka baut Kleintransporter zu trendigen Foodtrucks um – für Gastronomen und Gründer, aber auch für bekannte Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.