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Digitalkonferenz DLD : Einfach mal abstöpseln

Bild: dpa

Nach der NSA-Affäre sind die Digital-Manager bei der DLD-Konferenz nicht mehr so datenversessen wie früher. Manche entdecken den Aus-Knopf an ihren Geräten.

          James Whittaker ist unzufrieden oder wie er es ausdrückt: „Ich bin stinksauer.“ Was den Microsoft-Manager am Montag auf der Bühne der Digitalkonferenz Digital Life Design (DLD) in München so erregt, ist die Tatsache, dass die Gegenwart so ist, wie sie ist. Deshalb will er lieber über die Zukunft reden, insbesondere über die der Apps: der kleinen Anwendungen und Hilfsprogramme, die inzwischen auf den meisten Smartphones und Tabletrechnern laufen. „Die Zähmung der Apps“ lautet der Titel seines Vortrages auf Deutsch, und so soll sie aussehen: Die Nutzer sollen nicht mehr wie bisher Zeit damit verbringen, sich im Internet und mit Anwendungen auf die Suche zu begeben, um dann irgendwann irgendwas zu finden. Stattdessen sollen die Anwendungen nach Whittakers und Microsofts Willen endlich dahin kommen, wo die Menschen sich aufhalten.

          Wer einen Flug buchen will, soll das direkt im eigenen digitalen Kalender tun und nicht mehr auf einer Internetseite. Schließlich könnte es ja so sein, dass dem Reisenden erst bei der Übertragung in den eigenen Kalender auffällt, dass das Reisedatum mit anderen Terminen kollidiert. Die Menschen seien schon zu lange in ihrer Geschichte Jäger und Sammler gewesen, sagt der Microsoft-Mann. „Und das nervt.“ Whittakers Stellenbeschreibung bei dem amerikanischen Softwarekonzern ist „distinguished technical evangelist“, er ist also von Hause aus jemand, der die Segnungen der Technik und des Internets preist und dabei auch immer den Blick auf die Weiterentwicklung hat. Und er ist einer von vielen, die genau das auf der nun schon zum zehnten Mal vom Medienkonzern Hubert Burda Media ausgerichteten DLD tun. Alljährlich versammeln sich kurz nach Jahresanfang in München viele Vertreter der Internetwirtschaft, um über Trends und neue Produkte zu sprechen - und um den Blick in die Zukunft zu wagen.

          Doch ist die diesjährige Auflage der DLD auch ein Blick zurück in die jüngere Vergangenheit. Schon am Sonntag haben die Ausspähskandale durch den amerikanischen Geheimdienst NSA und die Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden auf einigen Podien eine gewisse Rolle gespielt. Mitunter ging es sogar so weit, dass sich amerikanische Sprecher aufrichtig für die NSA-Ausspähprogramme mit den Namen Prism oder Xkeyscore entschuldigten.

          Den zweiten Konferenztag eröffnet dann um kurz nach halb neun Michael Fertik mit dem Versuch, das Spähprogramm Prism noch einmal zu erklären. Fertik leitet in den Vereinigten Staaten das Unternehmen Reputation.com, das Menschen oder Unternehmen zum Beispiel dabei unterstützt, negative Resultate in Suchmaschinen zu bereinigen. Der „grundlegende Trick des Internets“ sei es gewesen, dass die Nutzer ihre Daten geben und dafür Dienstleistungen bekommen, sagt Fertik. „Und das ist nicht falsch und auch nicht böse.“ Auch auf der diesjährigen DLD gehen viele Redner noch von der Tatsache aus, dass die Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind. Allerdings gibt es bei einigen Unternehmen inzwischen auch eine Tendenz, die sich wohl als Peter-Lustig-Effekt beschreiben lässt. Der Moderator der ZDF-Kindersendung „Löwenzahn“ beendete früher jede Folge seiner Sendung mit der Aufforderung, den Fernseher jetzt einfach mal abzuschalten.

          Heute weitet sich diese Aufforderung in München ganz konkret auf weitere Geräte. So bittet am Montag Ariana Huffington, die Herausgeberin der nach ihr benannten Internetzeitung „Huffington Post“, das Publikum, Smartphones und Tablets wenigstens für die nächsten 20 Minuten einmal wegzulegen. Auch Markus Braun vom Zahlungsabwickler Wirecard AG greift die Abschaltmöglichkeit auf. Braun will das Bezahlen mit dem Smartphone voranbringen und prognostiziert, dass in fünf Jahren 80 Prozent der Zahlvorgänge über internetfähige Mobiltelefone laufen. Doch dafür müssen Unternehmen wie Wirecard eben auch jede Menge Daten der Nutzer sammeln.

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