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Verbraucherreport 2021 : Dauerbaustelle Digitales

Verbraucherschützer Klaus Müller hat hohe Erwartungen: Eine neue Regierung muss Erfolge liefern. Bild: dpa

In einer aktuellen Umfrage beklagen sich Verbraucher über den zunehmend mangelnden Schutz ihrer Interessen im Internet. Jede dritte Beschwerde, die bei den Verbraucherzentralen eingeht, richtet sich derzeit gegen Onlinehändler.

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          Im Wahlkampf hat der Verbraucherschutz für die Parteien nur eine nachgeordnete Rolle gespielt. Dabei zeigt der nun vorgestellte Verbraucherreport 2021, dass dieses Thema den allermeisten Menschen besonders am Herzen liegt. Für ihre persönliche Sicherheit ist der Verbraucherschutz sehr wichtig, gaben 90 Prozent in der jährlichen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) an.

          Marcus Jung
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als dringlichstes Problem macht der Report das Themenfeld Digitales und Internet aus – also gerade Segmente, die im Beruf und Privatleben in den 18 Monaten der Corona-Pandemie be­sonders im Fokus standen. Der Befund der 1500 befragten Verbraucher aus ganz Deutschland ist ernüchternd. Rund 56 Prozent von ihnen sehen ihre Interessen durch den Staat und die Behörden nicht ausreichend geschützt ­ – ein Wert, der seit Jahren immer weiter zurückgeht. Im Vergleich zum Vorjahr sind es neun Prozentpunkte weniger, bei der Erstauflage des Verbraucherreports im Jahr 2016 waren es noch 13 Prozentpunkte mehr.

          Streit um Widerrufe

          Das deckt sich mit den Erfahrungen der Verbraucherzentralen. Dort drehte sich ein Drittel aller Beschwerden im ersten Halbjahr 2021 um digitale Dienstleistungen und Produkte. An der Spitze fänden sich, so berichtet vzbv-Vorstand Klaus Müller, verweigerte und ignorierte Widerrufe von Händlern im E-Commerce.

          Die Umfrage fand von Juli bis Anfang August statt, also mehrere Wochen vor der Bundestagswahl. Als wichtigstes The­ma für die kommende Regierung nannten die Verbraucher die Bereiche Pflege und Gesundheit, Verbraucher­bildung, Klimaschutz und nachhaltiger Konsum sowie die private Altersvorsorge. „Der Verbraucherreport zeigt auf, wo der Schuh drückt und wie eine neue Bundesregierung Vertrauen aufbauen könnte. Es ist bemerkenswert, dass sich eine deutliche Mehrheit klar für Regeln ausspricht, die für mehr Verbraucher- und Klimaschutz sorgen würden“, sagt Müller. Er wies zudem darauf hin, dass vielen Teilnehmer der Umfrage auch der soziale Ausgleich sehr wichtig sei – was „angesichts der aktuellen Preiskrise der fossilen Energien auch dringend nötig“ sei. Wie die F.A.Z. vorab berichtete, fordern vzbv und der Deutsche Mieterbund in einem Positionspapier niedrigere Strompreise sowie eine stärkere Kostenaufteilung im Fall energetischer Sanierungen (F.A.Z. vom 14. Oktober).

          Müller betont die Diskrepanz zwischen der Erwartung der Menschen und ihrem Vertrauen. In Zahlen ausgedrückt: 86 Prozent sehen die Politik beim Verbraucherschutz in der Verantwortung. Aber nur knapp ein Viertel (24 Prozent) will ihr das volle Vertrauen schenken. „Eine neue Re­gierung muss direkt mehr liefern“, mahnte Müller an. „Zentrale Herausforderungen unserer Zeit wie die Digitalisierung und der Klimaschutz können nur ge­lingen, wenn die Politik die Verbraucherinnen und Verbraucher mitnimmt.“ Der Ver­braucherverband nahm dies abermals zum Anlass, seine Forderung für einen flächendeckenden Ausbau schneller In­ternetleitungen zu erneuern.

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