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Digitalisierung : Google erobert die Schulen

Das Unterrichtsmaterial kommt künftig vom Tablet-PC. Bild: Picture-Alliance

Computerräume und Sprachlabore sind von gestern. Jetzt soll es in allen Klassen W-Lan geben – mit Milliarden vom Bund und Hilfe von Google & Co.

          Der große Sprung nach vorn ist Bundesbildungsministerin Johanna Wanka fünf Milliarden Euro wert. So viel will sie in die rund 41.000 Schulen Deutschlands investieren, um Lehrern und Schülern Zugang zum digitalen Lernen zu ermöglichen. Denn Deutschland ist auf diesem Feld Entwicklungsland. Andere Länder, auch so kleine wie Estland oder Luxemburg, sind deutlich weiter.

          Inge Kloepfer

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Doch was nicht ist, soll irgendwann werden. Unternehmen aus der freien Wirtschaft positionieren sich schon – allen voran IT-Konzerne mit Speicher- und Rechenkapazitäten, Start-ups für neue Bildungstechnologien, große und kleine Bildungsverlage sowie Unternehmen für die Hardware. Ihre Vertreter geben sich bei denen, die derzeit den großen Sprung nach vorne vorbereiten, die Klinke in die Hand. Der Run auf die Schulen hat begonnen. Wie aber sieht das Lernen der Zukunft aus?

          Jedenfalls nicht so wie die Computerräume, die so manche Schulleitung heute noch stolz präsentiert, wenn sie danach gefragt wird. Computerräume sind fast schon so aus der Zeit gefallen wie die Sprachlabore, die in den siebziger und achtziger Jahren als das Nonplusultra galten. In der Zukunft soll jede Schule an ein Breitbandkabel angeschlossen und jedes Klassen- und Lehrerzimmer mit W-Lan ausgestattet sein.

          Digitalisierung ist überall, in den Schulen allerdings bisher nur in den Hofpausen

          Die Schüler haben mobile Endgeräte wie Notebooks, Tablets oder Smartphones. Mit diesen loggen sie sich in eine Schul-Cloud ein, können Aufgaben online erledigen, Unterrichtsmaterial herunterladen und bearbeiten und natürlich kommunizieren. Bücher und Tafeln werden aus dem Unterricht allerdings nicht verschwinden, genauso wenig die Diskussionen in der Klasse. Da werden die Kultusminister ein Auge draufhalten: „Es geht nicht darum, Buch und Heft durch den Labtop zu ersetzen, sondern zu ergänzen, wenn das Digitale einen pädagogischen Mehrwert bringt“, sagt Susanne Eisenmann, Bildungsministerin von Baden-Württemberg und Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Sie orchestriert die Länder dabei, sich bis zum Sommer auf Eckpunkte in Sachen Digitalisierung zu einigen, damit das Geld von Wanka, das noch nicht in den Haushalt eingestellt ist, irgendwann fließen kann.

          Die Situation heute ist für Schüler, Lehrer und Eltern alles andere als befriedigend. Für Präsentationen, die ohne Powerpoint oder Keynote kaum noch akzeptiert werden, bringen viele Schüler ihre eigenen Rechner oder Smartphones in den Unterricht, in der Hoffnung, dass sich diese irgendwie mit dem Beamer verbinden lassen. Auf die schuleigenen Notebooks verlässt sich kaum jemand. Denn irgendetwas funktioniert garantiert nicht. Eltern sausen in letzter Minute in Computerläden, um bestimmte Adapter zu besorgen, damit der Vortrag nicht schon an der Hardware scheitert. Digitalisierung ist überall, in den Schulen allerdings bisher nur in den Hofpausen.

          Für das digitale Lernen braucht es zweierlei: Infrastruktur und Lerninhalte. Beides kann die öffentliche Hand nicht im Alleingang entwickeln und bereitstellen. Sie tut das mit Instituten und Unternehmen. Das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam (HPI), Exzellenz-Center für IT Systems Engineering, das von SAP-Gründer Hasso Plattner ins Leben gerufen wurde, wird in einem Feldversuch zunächst 26 von insgesamt 300 Schulen des Exzellenz-Netzwerks Mint-Ec mit Cloud-Computing ausstatten.

          In der Cloud lässt sich alles erledigen

          Die Schulen des Netzwerks und das HPI werden vom Bundesbildungsministerium mit 1,5 Millionen Euro unterstützt. Clouds haben einen großen Vorteil: Sie sind kostengünstig und flexibel, haben enorme Speicher- und Rechenkapazitäten und bieten einfache Zugriffsmöglichkeiten auf IT-Dienste. Vorbei wären dann die Zeiten, in denen ein passionierter Lehrer versucht, die Geräte und die Software der Schule zu pflegen, von einem Raum zum nächsten springt und nicht nachkommt.

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