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Digitales Fernsehen : Ende einer Ära: Das analoge Fernsehen wird abgeschaltet

  • -Aktualisiert am

Bald ein Bild fürs Geschichtsbuch? Bild: dpa

Antennen sollen bald passe sein - denn digital kommt, heißt es auf der IFA.

          Wenn die Besucher der IFA nach Berlin kommen, sehen sie die Sendetürme der Hauptstadt, sie prägen das Stadtbild. Jede Berlinhälfte baute sich ihren eigenen Sendeturm als Monument des Fortschrittes. Inzwischen sind sie - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - zu Relikten einer vergangenen, der analogen Zeit geworden.

          Heute nutzen die Fernsehanstalten den Funkturm am Messegelände wie auch den Fernsehturm auf dem Alexanderplatz nur noch wenig. Denn mit der Digitalisierung des TV-Angebotes haben die Satelliten- und Kabelbesitzer die Hoheit über die Verteilung der TV-Inhalte genommen. Weniger als acht Prozent der Berliner Zuschauer empfangen ihre Programme noch über Funkturm und Antenne. Bundesweit dürften die Zahlen ähnlich sein. Dafür bestimmen in vielen Berliner Bezirken die Satellitenschüsseln das Stadtbild, viele Wohnungsvermieter haben für die Mieter Kabelanschlüsse installiert.

          Für die Betreiber der Sendeanlagen ist der Verlust an Marktanteilen schmerzlich. Zur IFA rühren die Verantwortlichen die Werbetrommel, um die antennengestützten - also terrestrischen - Empfangsgeräte wieder in Mode zu bringen. In einem Positionspapier stellte die Deutsche TV-Plattform das digitale, terrestrische Fernsehen - kurz DVB-T - als neuen Verbreitungsweg neben Satellit und Kabel vor. Auf einigen der Messestände wurde diese Art der Datenübertragung auch für Fernsehen im Auto angepriesen.

          Umstellung auf DVB-T

          Wie die Umstellung funktionieren soll, erklärte Dr. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin Brandenburg FAZ.NET. Demnach werde zunächst eine sendestarke Frequenz von terrestrisch analog auf terrestrisch digital umgestellt. In einem zweiten Schritt sollten möglichst schnell möglichst viele Frequenzen folgen. Zu diesem Zeitpunkt solle den Nutzern auf diesem Übertragungsweg ein Sendeangebot von bis zu 20 Programmen zur Verfügung stehen. In der letzten Phase sei dann die Abschaltung der analogen Grundversorgung und damit der vollständige Wechsel auf die neue Technologie geplant. Die Erfahrungen aus diesem Projekt werde man anschließend einsetzen, um sämtliche analogen Sender in Deutschland auf digital umzuschalten.

          All das soll laut aktuellem Planungstand in Berlin ab Mitte 2002 geschehen, der MDR und der WDR sollen Ende des nächsten Jahres folgen. Für Bayern und Norddeutschland haben die Verantwortlichen noch keine feste Zeitplanung erstellt.

          Umstellung schmackhaft machen

          Spätestens nach der kompletten Umstellung müssen die Zuschauer sich - wahrscheinlich innerhalb von zwei Jahren - von ihren analogen Geräten trennen. Die Betreiber des terrestrischen Übertragungsweges fürchten, dass die Menschen verunsichert werden und sie den terrestrischen Anschluss gegen einen Kabel- und Satellitenanschluss tauschen.

          „Das Produkt DVB-T ist schwierig zu vermarkten, aber wir sehen einige Vorteile für die Zuschauer“, sagte Wilfried Geuen von der Deutschen TV-Plattform, die mit der Arbeitsgruppe DVB-T Einführung das Projekt voran treibt. Als wichtigsten Vorteil nennt Hege den Preis. Der terrestrische Empfang sei kostenlos, der Zuschauer sei unabhängig von den Netz- und Satellitenbetreibern. Die dürften nämlich ihre Preise erhöhen.

          Trotz alle der Probleme bei der Umstellung zweifelt eigentlich niemand mehr daran, dass zur nächsten IFA das analoge Zeitalter in ganz Deutschland beendet sein wird. Unter anderem werden ZDF, RTL oder N-TV über die Anlagen des Fernsehturms auf dem Alexanderplatz senden. NBC Europe oder die MHP-Datendienste kommen vom Funkturm auf dem Messegelände auf die Bildschirme der Zuschauer.

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