https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitaler-impfnachweis-spahn-will-apotheken-verguetung-senken-17392097.html

Digitaler Impfnachweis : Spahn will Apothekern weniger zahlen

  • Aktualisiert am

Spahn präsentiert die App zum digitalen Impfpass Bild: dpa

18 Euro für einen QR-Code: An der Vergütung der Apotheken für das Erstellen digitaler Impfnachweise gab es heftige Kritik. Nun soll sie sinken – und zwar kräftig.

          2 Min.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Vergütung der Apotheken für das Erstellen digitaler Corona-Impfnachweise zum 1. Juli senken. Je Zertifikat sollen es statt jetzt 18 Euro noch sechs Euro pro Zertifikat sein, teilte der CDU-Politiker am Mittwoch bei Beratungen mit seinen Länderkollegen mit, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen erfuhr. An der Vergütung gab es heftige Kritik. Die Hausärzte empfanden sie für unverhältnismäßig.

          Die höhere Vergütung zu Beginn sollte demnach dazu dienen, Anlaufkosten etwa für Schulungen, IT-Ausstattung und Registrierungen zu finanzieren und an möglichst vielen Stellen ein Angebot für die Bürger zu schaffen. Die Zahlen der ersten zwei Tage in den Apotheken zeigten, dass dies gelungen sei.

          Insgesamt seien über alle Ausgabestellen inzwischen mehr als zehn Millionen digitale Impfnachweise erstellt worden, berichtete Spahn den Angaben zufolge weiter. Ausgegeben werden soll der digitale Nachweis direkt nach der zweiten Impfung in Impfzentren und Praxen. Nachträglich ist die Ausgabe seit Montag auch in vielen Apotheken möglich, Bürger können sich den Nachweis dort kostenlos abholen. Mehr als 10.000 Apotheken hätten mitgemacht, sagte Spahn. Darüber sei er positiv überrascht. Der EU-weit vereinbarte digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung zum weiter gültigen gelben Impfheft aus Papier.

          Hausärzte kritisieren Vergütung als unverhältnismäßig

          An der Höhe der Vergütung hatte es jedoch viel Kritik gegeben, zumal der Bundesrechnungshof erst in der vergangenen Woche mit Blick auf die Ausgabe kostenloser Corona-Schutzmasken im Winter „eine deutliche Überkompensation“ zu Gunsten der Apotheken bemängelt hatte. Mit Blick auf den digitalen Impfnachweis kritisierte der Deutsche Hausärzteverband eine Unverhältnismäßigkeit in der Vergütung. 

          Der Verband begründet das wie folgt: Zum einen bekämen Ärzte für das nachträgliche Erstellen von Impfnachweisen für die eigenen Patienten nur sechs Euro, beziehungsweise zwei Euro, wenn sie dafür ihr Praxisverwaltungssystem verwenden. Zum anderen bekämen sie für die Impfung selbst inklusive Aufklärung und Beratung 20 Euro, also nur unwesentlich mehr. „Die ärztliche Leistung selbst zählt scheinbar aktuell deutlich weniger als die Bestrebung, Projekte schnell anzustoßen“, sagte der Verbandsvorsitzende Ulrich Weigeldt der F.A.Z.

          Aus der Opposition gab es zudem Kritik an der mangelnden Transparenz darüber, wie sich die Vergütung zusammensetzt. Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann forderte, das Ministerium müsse die Berechnungsgrundlage offenlegen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bezeichnete den auch von Spahn vorgebrachten Aufwand für die Apotheken hingegen als erheblich und nannte die Vergütung daher „angemessen“.

          Weitere Themen

          Mehr als eine Einkaufstour

          Olaf Scholz am Golf : Mehr als eine Einkaufstour

          Der Kanzler ist auf der Suche nach den Energielieferanten, die notwendig sind, um die deutsche Industrie am Laufen zu halten. Entsprechend hochkarätig ist auch die Wirtschaftsdelegation, die ihn begleitet.

          Topmeldungen

          Die Drei von der Ampel: Lindner, Habeck und Scholz

          Krisenmanagement der Ampel : Ein Bild des Jammers

          Die Koalition kämpft gegen gleich mehrere Krisen. Manchmal gut, manchmal schlecht – manchmal schafft sie sich die Krise aber auch selbst.
          Auf dem Vormarsch: Debitkarten machen der Girocard zunehmend Konkurrenz.

          Bargeldloses Zahlen : Wer braucht noch eine Girocard?

          Sparkassen und Genossenschaftsbanken setzten auf die Girocard als bargeldloses Zahlungsmittel. Direktbanken favorisieren Debitkarten. Wo sind die Vor- und Nachteile und lohnt eine Extragebühr? Die wichtigsten Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.