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Digital-TV : Internet im Fernsehsessel

  • -Aktualisiert am

Glotze mit Internetanschluss Bild: dpa

Am 13. März beginnt die Cebit-Computermesse. Ein Thema dort: das interaktive Kabelfernsehen. FAZ.NET über ein Pilotprojekt in Wien.

          Radikale Neuerungen - von solchen Anstrengungen wurde Wien bisher verschont. Doch die Zeit der Gemütlichkeit scheint vorüber: Plakate künden von einem „technologischen Umbruch, der die Welt des Entertainments revolutioniert“.

          Und tatsächlich: Die Stadt an der Donau hat etwas, das sich in keiner anderen deutschsprachigen Metropole finden lässt. Denn UPC Telekabel, die Österreich-Tochter des Breitbandanbieters United Pan Communication (UPC), offeriert seit kurzem digitales Fernsehen - per Fernsehkabel. UPC Digital heißt die Kombination aus Set-Top-Computer und Programmabonnement, die das beschauliche Wien fernsehtechnisch revolutionieren soll.

          Kabel-Vorteil: Empfangen und Senden

          Neben einer besseren Bild- und Tonqualität besitzt die österreichische Digitalfernseh-Variante einen entscheidenden Vorteil gegenüber jener Konkurrenz, die ihr Programm über Satellit oder Antenne verbreitet. Denn via Fernsehkabel können Daten nicht nur empfangen, sondern auch ausgesandt werden - und das mit Breitband-Geschwindigkeit. Damit wird auf breiter Basis möglich, was Visionäre schon seit Jahren herbeireden wollen: Die digitale Multimedia-Welt.

          Besser, mehr, auf Abruf

          Der Fernseher wird zur eierlegenden Wollmilchsau - zumindest, wenn man den Ankündigungen von UPC glaubt. „Ab jetzt bestimmen Sie was gespielt wird“, verheißt der Hochglanz-Prospekt. So soll es sein: Es gibt mehr Programme, Radio kann in CD-Qualität empfangen werden, Wunschfilme sind „on demand“ abrufbar.

          Aktiv Fernsehen

          Das digitale Wiener Herzstück nennt sich anglizistisch-modern „interactive TV“. Faulenzen vor der Glotze gehört damit der monomedialen Vergangenheit an, UPC Digitalabonnenten werden aktiv: Beim Surfen im Internet, beim Blättern in der elektronischen Programmzeitschrift, bei interaktiven Spielen, beim E-Mail-Schreiben auf der drahtlosen Tastatur - und sie wählen ihren Wunschfilm „on demand“, wann immer Sie wollen.

          So weit das Angebot, aber was wünschen die Abonnenten? „Meine Frau und ich wollten BBC Prime sehen können“, erklärte ein Abonnent. „Ich sehe nicht so viel fern, wollte aber die technischen Möglichkeiten des digitalen Fernsehens haben“, meinte ein anderer.

          Große Worte, beschränkte Möglichkeiten

          Ausgeschöpft werden diese allerdings noch nicht. In der Realität hechelt die UPC Telekabel ihren Ankündigungen hinterher. Einige der angepriesenen Dienste scheinen noch nicht so recht zu funktionieren. Der „Film auf Knopfdruck“ entpuppt sich bei näherem Hinsehen als „near video on demand“, wird also auf mehreren Kanälen zeitversetzt und mit fixen Beginnzeiten gesendet.

          Digitales UPC - analoges Service

          Auch die Kommunikationspolitik scheint den Sprung zum digitalen Zeitalter noch nicht ganz bewältigt zu haben. So wurde die Ersetzung eines Programmes nur in der gedruckten Programmzeitschrift angekündigt, auf ein E-Mail wurde verzichtet.
          Abonnenten bemängeln, dass die Filme nicht immer taufrisch seien, auch die Nachrichtenseiten wären teils wenig aktuell. Die Wiener UPC Telekabel kann laut eigenen Angaben nichts dafür: Die Kooperationspartner für die Filmprogrammierung werden vom holländischen Mutterunternehmen vorgegeben, die Nachrichteninhalte stellt ein österreichisches Tochterunternehmen bereit.

          Da kommt ein wenig der Verdacht auf, dass Wien als Versuchsballon für weitere, interessantere Märkte dienen soll. Denn nur ein Teil der vollmundig angekündigten Dienstleistungen funktioniert wie angekündigt. Für weitere Services werden zahlende Kunden wohl ungewollt als Versuchskaninchen herhalten. Auch die Pressesprecherin von UPC Telekabel kann diese Vermutung nicht zerstreuen. Auf die Frage, ob sich das stark beworbene UPC Digital noch in einer Testphase befinde, antwortet Sie kryptisch: „Es ist da, es wird erweitert“.

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