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Im Prozess gescheitert : Millionenklage gegen Schummelsoftware in Computerspielen

Kampfeslustig: Figuren aus dem Computerspiel „World of Warcraft“ Bild: EPA

Manche Spieler schummeln beim Zocken mit Hilfsprogrammen – ein Dauerärgernis auch für die Spieleindustrie. Der Betreiber von „World of Warcraft“ scheitert aber im Prozess gegen einen deutschen Hersteller.

          Blizzard Entertainment, der Betreiber eines der erfolgreichsten Computerspiele der Welt, ist mit einer Millionenklage gegen einen deutschen Software-Hersteller vorerst gescheitert. Das Unternehmen prozessiert gegen Hilfsprogramme, mit denen sich Computerspieler unfaire Vorteile verschaffen. Dabei verlangte Blizzard extrem hohe Summen auf Grundlage eines amerikanischen Urteils. Doch das Landgericht Leipzig lehnte das in einem der F.A.Z. vorliegenden Beschluss ab.

          Hendrik Wieduwilt

          Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

          8 Millionen Dollar (etwa 7 Millionen Euro) will Blizzard erstreiten, für 42.818 Verletzungen durch Hilfsprogramme für Zocker – sogenannte Bots, manchmal auch Cheatbots genannt. Diese stellte Bossland her, ein Unternehmen aus Zwickau. Wie ein menschlicher Spieler steuern die Bots Figuren auf dem Bildschirm, sammeln etwa Gegenstände ein und verzerren so den spielerischen Wettbewerb. Solche Automatisierungsprogramme bietet Bossland unter anderem für die sehr erfolgreichen Blizzard-Titel „World of Warcraft“ und „Diablo III“ an. Betroffen sind besonders solche Spiele, die online mit- und gegeneinander ausgetragen werden. Spieleanbieter verdienen dabei mit Abo-Gebühren (im Fall von World of Warcraft in etwa 13 Euro im Monat) und erzielen somit konstante Einnahmen anstelle eines einmaligen Verkaufs.

          Schadenersatz nur in Kalifornien

          Mit Computerspielen wird inzwischen mehr Geld verdient als in der Filmbranche. Der Spieleverband Game (ehemals Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware, BIU) gibt für das Jahr 2016 in Deutschland einen Umsatz von 173 Millionen Euro an. Hinzu kommen „Mikrotransaktionen“, also der Erwerb von virtuellen Gütern, die den Helden eines Spiels besser ausstaffieren – 266 Millionen Euro. Blizzard argumentiert, dass die Bots gegen das Wettbewerbs- und Urheberrecht verstießen.

          Mit diesen Argumenten prozessierte der Spielegigant schon vor anderen Gerichten, etwa in London und auch hierzulande – und gewann mit beiden Argumenten zweimal vor dem Bundesgerichtshof. Dabei sprachen die Gerichte Blizzard bislang keinen Schadensersatz zu. Das gelang dem Unternehmen hingegen in der Heimat, vor einem Gericht in Kalifornien: 8,74 Millionen Dollar sollte Bossland zahlen.

          Exorbitante Forderungen abgelehnt

          Vor dem Landgericht Leipzig wollte der Betreiber nun das amerikanische Schadensersatzrecht durchdrücken – obwohl die dort üblichen Summen häufig deutlich höher liegen als in Deutschland. „Gern gehen amerikanische Unternehmen mit exorbitanten Schadensersatzforderungen gegen europäische Konkurrenten vor“, kommentiert das Bosslands Anwalt, Niko Härting aus Berlin. Er wirft Blizzard „Wild-West-Methoden“ vor. Die Gesellschafter nahmen es sportlich: „Während die Bossland GmbH niemals aus dem Gericht herauskommt, haben wir eine neue Gesellschaft gegründet“, protzten sie in einem Newsletter aus dem November. Doch damit versuchten sie eine Vermögensverlagerung, meint Blizzard – auf Deutsch: Geld und anderes werde beiseite geschafft, damit die Gläubiger nicht zugreifen.

          Das Landgericht Leipzig lehnte es dennoch ab, das amerikanische Urteil zu vollstrecken (Az.: 05 O 3052/17). Die extrem hohe Forderung stammt nämlich aus einer anderen Rechtswelt. Strafschadensersatz nach amerikanischer Art – etwa die berühmten Millionenbeträge für zu heißen Kaffee – können in Deutschland nicht vollstreckt werden. Hier soll Schadensersatz nur einen Ausgleich schaffen, nicht sanktionieren. Das von Blizzard erstrittene Urteil aus Amerika sprach zwar keinen echten Strafschadensersatz zu, sondern gesetzlichen Ersatz für Copyright-Verstöße. Das Landgericht Leipzig meinte aber, die Aufsummierung der zigtausend Verstöße führe zu einer Höhe, „die derart exorbitant ist, dass sie mit dem System des zivilen Schadensersatzes nicht mehr zu vereinbaren ist“. Auch Blizzard scheint nicht mehr aus dem Gerichtssaal herauszukommen.

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