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Wirkstoffforschung : Sartorius verstärkt sich in Amerika

Ein Mitarbeiter der Sartorius AG arbeitet in der Justieranlage für Standardwaagen. Bild: dpa

Sartorius kauft für 750 Millionen Dollar Geschäfte des amerikanischen Konkurrenten Danaher. In der Wirkstoffforschung stellt sich der Laborausrüster breit auf.

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          Prozesse zu verbessern, darum ging es schon Gründer Florenz Sartorius, als er sich im Jahr 1870 in Göttingen mit einer feinmechanischen Werkstatt selbständig gemacht hat, in der er an bestimmten Waagen tüftelte, die das Wiegen von kleinen Substanzen schneller und weniger aufwendig gestalten sollte. Darum geht es heute, rund 150 Jahre später, im Kern immer noch, auch wenn das mehr als 8000 Mitarbeiter starke Unternehmen mittlerweile alle möglichen Laborinstrumente wie beispielsweise Fermenter und Membrane herstellt.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das zeigt auch die jüngste Ankündigung vom Montag, sich für rund 750 Millionen Dollar in bar Teile des Geschäfts des amerikanischen Konkurrenten Danaher zukaufen zu wollen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr erzielten die Göttinger einen Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Euro. Geräte und Technologien von Sartorius werden in der Forschung, Entwicklung und auch in der Produktion biopharmazeutisch, also nicht chemisch hergestellter Arzneien gebraucht.

          Das zum Kauf stehende Danaher-Portfolio mit rund 300 Mitarbeitern auf der Welt ergänzt die Sartorius-Technologien dabei in vielen Bereichen. Rund 140 Millionen Dollar Umsatz hat Danaher damit im vergangenen Jahr gemacht und zweistellige operative Gewinnmargen erzielt. Die Transaktion soll im ersten Quartal kommenden Jahres abgeschlossen werden. Neben den üblichen behördlichen Genehmigungen steht der Zukauf in diesem Fall noch unter der Bedingung, dass Danaher den eigenen Zukauf des Biopharma-Geschäfts des Industriekonglomerats General Electric erfolgreich abschließt. Aus kartellrechtlichen Gründen trennt sich Danaher deshalb von den drei Geschäftsbereichen, die an Sartorius übergehen sollen. Das Portfolio „passt strategisch hervorragend zu Sartorius“, sagte Sartorius-Vorstandschef Joachim Kreuzburg.

          Bis zu 15 Jahre Entwicklungszeit und Ausgaben von 1,5 Milliarden Dollar

          Dabei geht es im Detail um drei Bereiche. Das sogenannte Forté-Bio-Geschäft der Amerikaner ist dabei der größte Part, trägt rund die Hälfte des dann zugekauften Umsatzes bei und beschäftigt rund 200 Mitarbeiter auf der Welt, in Werken in Amerika und China. Die Instrumente werden dabei vor allem in der Wirkstoffforschung gebraucht. Es sind beispielsweise Geräte, um Proteine zu analysieren. Da Medikamente immer personalisierter, also auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden, hat sich auch die Forschung mit Hilfe neuer Technologien und Programme weiterentwickelt. Es geht auch darum, frühzeitiger aussichtsreiche Wirkstoffkandidaten zu erkennen, um diese dann weiterzuentwickeln. Bis eine neue Arznei auf den Markt kommt, dauert es schließlich mittlerweile zwischen zehn und 15 Jahren und verschlingt rund 1,5 Milliarden Euro an Kosten.

          Die nun hinzukommenden Technologien ergänzen sich deshalb gut mit dem Sartorius-Portfolio zur Zellanalyse. So hatten die Göttinger vor ein paar Jahren die Unternehmen Intellicyt und Essen Bioscience hinzugekauft – und damit Technologien, um Analyseschritte zu verkürzen und Erfolgsaussichten von Wirkstoffen schneller bewerten zu können. Es geht darum, Versuche in der Forschung zu beschleunigen und zu verbessern.

          Der zweite Bereich, den Satorius von Danaher übernimmt, sind sogenannte Chromatographie-Systeme, die bestimmte Trennverfahren in der Aufarbeitung von Zellkulturen bieten und für die Produktion der Arzneien gebraucht werden. Das dritte und deutlich kleinere Geschäft umfasst mit rund zehn Mitarbeitern insbesondere eine Mikroträgertechnologie.

          An der Börse kamen die Nachrichten jedenfalls gut an. Der Aktienkurs des M-Dax-Konzerns legte am Montag zwischenzeitlich um mehr als 9 Prozent zu. Zudem hatte Sartorius am Montag vorläufige Zahlen für die ersten neun Monate vorgelegt. Umsatz und Ergebnis waren jeweils deutlich zweistellig gewachsen. Die Eckdaten des Laborausrüsters seien besser als erwartet ausgefallen, schrieb UBS-Analyst Michael Leuchten. Die angekündigte Übernahme sei sinnvoll.

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