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Tech-Konferenz „Rise of AI“ : „Wir sind noch im Mittelalter der Künstlichen Intelligenz“

Die Konferenz „Rise of AI“ ist teils auch KI-Messe. Bild: Gustav Theile

Wie geht der Fortschritt der Computer weiter? Auf einem Szenetreffen in Berlin diskutieren sie über die Macht Chinas, neue Hoffnungen und warnen vor Übertreibungen.

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          Der Titel der Konferenz klingt, als solle er Angst machen: Rise of AI – der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz –, auch wenn die meisten der etwa 800 Teilnehmer darin eher ein Versprechen sehen als eine Gefahr.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ausgedacht hat ihn sich Veronika Westerheide, die die Konferenz gemeinsam mit ihrem Mann Fabian Westerheide aufgebaut hat. Der hält auf der Bühne gerade die Eröffnungsrede. Im Jahr 2014 hat er ein erstes Treffen organisiert, damals in einem Keller, in dem sich Berliner Hacker trafen, es roch nach Marihuana, im Hintergrund lief Techno-Musik, erzählt er. Das Interesse stieg mit jeder Veranstaltung.

          Inzwischen findet die Konferenz einmal im Jahr im Telekomgebäude in Berlin statt. Westerheide erreicht jetzt die Großen der Szene. Selbst Universitäten aus China sind vertreten. Der Softwarekonzern Microsoft ist Sponsor. Auch Charles-Edouard Bouèe war vergangenes Jahr zum ersten Mal hier, er leitet die Unternehmensberatung Roland Berger. Dieses Jahr spricht er wieder.

          Gegenüber FAZ.NET erzählt er, wie er sich die Zukunft mit künstlicher Intelligenz vorstellt: „Wir sind ja eigentlich noch im Mittelalter der Künstlichen Intelligenz.“ Google, Amazon, Facebook, und Apple machten ja nicht viel mehr als das sogenannte maschinelle Lernen. „Das ist doch keine fortgeschrittene KI. Die GAFAs sind viel traditioneller, als sie selbst glauben.“

          „Altes oder Neues Testament?“

          Stattdessen müsse man auf das Militär und die Literatur schauen, um eine Idee von der Zukunft zu erhalten. Science-Fiction-Autoren würden sich die Zukunft ausdenken, die Kreditkarte sei zum Beispiel schon im Jahr 1888 erdacht worden, erzählt er in seinem Vortrag. Dann sickerten die Ideen in die Forschung und das Militär – bis daraus dann Geschäftsmodelle würden, „dauert es sehr viel länger, als wir dachten“.

          Er selbst schreibt Sci-Fi-Geschichten. In einer, sagt er im Gespräch, werde am 15. August 2036 der erste Roboter geschaffen wird, der die Menschen kontrollieren kann. Lucie soll der Roboter heißen, die Leuchtende. Der 15. August ist eine christliche Referenz: Mariä Himmelfahrt. Wie das zu interpretieren ist, will er nicht verraten.

          Es gibt auf der Konferenz einige Leute, für die die Übernahme der Welt durch die KI nur noch zwanzig Jahre entfernt ist. Und es gibt viele Mahner, die von einem Hype sprechen. Organisator Fabian Westerheide gehört zur ersten Gruppe. Für ihn ist die Frage nur noch, welche Götter sich die Menschheit schaffe: „Gute oder schlechte? Altes oder Neues Testament?“

          Hans Uszkoreit und sein Sohn Jakob geben sich im Gespräch mit FAZ.NET eher als Mahner. Der Vater ist Forschungschef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), der Sohn leitet eine KI-Forschungsgruppe von Google in Berlin. Er spricht von einem „Hype, der Ängste schürt“ und meint, viel werde übertrieben. Sein Vater sieht das ähnlich: Die Angst vor der KI sei ein bisschen wie Flugangst. Eigentlich wisse man ja, dass das irrational sei, weil das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel sei. Auch „die KI hat noch keinen Menschen umgebracht“. Und trotzdem habe man diese Angst.

          „Man muss aufpassen, dass das nicht zum Nachteil wird“, warnt sein Sohn. Europa könne zu langsam werden, auch wenn er den kritischen Geist in Europa schätze.

          Hans Uszkoreit erzählt in seinem Vortrag von Unternehmern, die einen KI-Kampf zwischen China und Amerika sehen, in dem Europa keine Rolle spielt. Innerhalb der nächsten fünf Jahre würde China in den wichtigsten KI-Kategorien gegenüber Amerika aufholen oder sich sogar an die Spitze setzen.

          Doch er ist optimistischer für Europa, vor allem in der Grundlagenforschung. Die meiste bahnbrechende KI-Forschung sei Europäern gelungen, darunter viele Deutsche. Auch heute noch würden Europäer in vielen Forschungsabteilungen dominieren, auch bei Google, erzählt Jakob Uszkoreit. Die Europäer arbeiteten halt für amerikanische Unternehmen.

          Inzwischen aber strömten die Chinesen in die Doktoranden-Programme, machten in Amerika manchmal schon die Hälfte der Doktoranden aus, erzählt sein Vater. Er lebt inzwischen auch in China, forscht dort und baut ein Unternehmen auf. Die Chinesen, sagt er, würden gerade anfangen, richtig Geld zu bieten.

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