https://www.faz.net/-gqe-9j45b

80.000 Beschäftigte : Wie VW sein eigener Elektroauto-Zulieferer werden will

Die Konzernsparte Komponente arbetet an der Wende zur Elektromobilität. Bild: dpa

„Einer der größten Elektroantriebs-Hersteller der Welt“ will VW werden. 80.000 Beschäftigte in 61 Werken arbeiten in einer neuen Konzernsparte und treiben die Elektromobilität voran. Ein Chef warnt: „Kein Stein bleibt auf dem anderen.“

          Volkswagen bündelt die Entwicklung und Produktion von Batterien bis hin zum Recycling bei der Wende zur Elektromobilität in der neuen Konzernsparte Komponente. Die künftig als eigene Marke auftretende Sparte mit 61 Zulieferwerken und rund 80.000 Beschäftigten auf der ganzen Welt übernehme die Verantwortung für die Batterie „vom Kompetenzaufbau für die Batterie bis zum Recycling“, sagte Stefan Sommer, Konzernvorstand Komponente und Beschaffung, am Freitag in Salzgitter.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Das VW-Werk in Salzgitter soll bei der Elektromobilität künftig eine führende Rolle spielen. Die Produktion von Elektromotoren für die neue I.D.-Familie, die VW von 2020 an als reine Elektroautos auf den Markt bringen will, wird derzeit gerade aufgebaut. Die Endmontage der Elektromotoren soll in Kassel erfolgen. 800.000 sollen es im Jahr sein, dazu kommen rund 600.000 Elektromotoren, die in China gefertigt werden. „Damit wird VW einer der größten Elektroantriebs-Hersteller der Welt“, sagte der Vorstandschef der VW Komponente, Thomas Schmall.

          „Kein Stein bleibt auf dem anderen“

          Rund zwei Drittel der Mitarbeiter seien direkt von der Transformation der Autobranche betroffen, sagte Schmall. Eine Folge des Umstiegs vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto ist auch, dass die Sparte Komponente in den nächsten Jahren rund 10 Prozent der Belegschaft mit der demographischen Entwicklung abbauen wird.

          Schmall kündigte an, dass der Konzern in diesem und im nächsten Jahr konzernweit 870 Millionen Euro in die Fertigung von E-Komponenten investieren werde. Der Anteil sei damit in den letzten vier Jahren von 5 auf aktuell 40 Prozent gestiegen.

          Die Transformation der Sparte Komponente ist für VW deswegen wichtig, weil von 2022 an deutlich weniger Autos mit Verbrennungsmotoren verkauft werden dürften. „Dann wird sich auch die Transformation deutlich schneller abzeichnen“, sagte Schmall: „Kein Stein bleibt auf dem anderen.“ 2018 hat die Sparte über zehn Millionen konventionelle Motoren und mehr als acht Millionen Getriebe gefertigt.

          Stefan Sommer ist Konzernvorstand für Komponente und Beschaffung und damit für die Wende zur Elektromobilität zuständig.

          Im Werk in Salzgitter baut VW gerade eine Pilotanlage zur Fertigung von Batteriezellen auf, eine Recycling-Pilotanlage kommt im ersten Halbjahr 2020 hinzu. Im Komponentenwerk in Braunschweig sollen Batteriesysteme entwickelt und gebaut werden. Rund 500.000 Batteriesysteme sollen dort von 2023 an gebaut werden, ein weiterer Standort dafür soll Tschechien sein.

          „Wir werden einen hohen Bedarf an Batteriezellen haben“, sagte Konzernvorstand Sommer mit Blick auf die Elektromobilität, die wegen der Klimaschutzauflagen der Politik von 2020 an deutlich an Fahrt aufnehmen wird. Ende 2019 beginnt im Werk Zwickau die Produktion des ersten Modells der neuen vollelektrischen I.D.-Modellfamilie. Ob Volkswagen selbst Batteriezellen herstellen werde, hänge davon ab, ob dies in kurzer Zeit auf wettbewerbsfähige Weise möglich sein werde, sagte Sommer.

          Volkswagen hat hohe Erwartungen an die neue Sparte, die von 2020 an auch ihre eigenen Bilanzzahlen vorlegen soll. Mit einem Geschäftsvolumen von rund 35 Milliarden Euro sind die Zulieferwerke von Volkswagen unter den Top 5 der globalen Autozulieferer. Schmall rechnet mittelfristig mit einer Rendite von 6 Prozent. „Das ist anspruchsvoll“, sagte er. Konkurrenz für die Zulieferindustrie in einem Bieterwettstreit um Aufträge anderer Automobilunternehmen wolle die Volkswagen Komponente nicht werden.

          Schon im Dezember hatte VW angekündigt, dass die Komponentenwerke als neues Geschäftsmodell von 2020 an eine mobile Schnellladesäule in Serie fertigen wolle. Als Standort sei Hannover vorgesehen. Dort hat VW das Geschäftsfeld Motor und Gießerei. Der Einstieg in die Elektromobilität „ermöglicht dem Werk die dringend notwendige Transformation“, hieß es. „Der Aufbau der Ladeinfrastuktur ist entscheidend für den Erfolg der E-Mobilität“, sagte Schmall.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bericht des Sonderermittlers : Muellers Zeugen fürchten Trumps Rache

          Einige Demokraten wollen ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump, andere setzen auf die Urteilskraft der Wähler. Die Beliebtheitswerte des Präsidenten sind seit der Veröffentlichung des Mueller-Berichts schon gefallen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.