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Versicherungsschutz : Wie Sie sich für eine Cyberattacke rüsten können

Der zu Demonstrationszwecken erstellte verfremdete Screenshot eines mit dem Trojaner Locky infizierten Windows-PC. Bild: dpa

Ein Hackerangriff legte die Daten Hunderter Politiker und Prominente offen. Das kann jeden Bürger treffen. Ist eine Versicherung dagegen sinnvoll?

          4 Min.

          Wenn es um Versicherungen gegen Cyberrisiken geht, ist meist von Policen für Unternehmen die Rede. Für den Fall eines Hackerangriffs sichern sie etwa IT-Schäden oder Betriebsunterbrechungen ab. Aber auch Privatpersonen sind Gefahren aus dem Netz ausgesetzt wie Cybermobbing, Identitätsklau, Computerviren oder Betrug bei Onlinekäufen – das ist nicht erst seit dem am Freitag bekannt gewordenen Großangriff bekannt, bei dem Unmengen an Daten von Politikern und Prominenten gestohlen und öffentlich gemacht wurden.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Jeder fünfte Deutsche ist schon Opfer von Internetkriminalität geworden, wie jüngst eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov im Auftrag von Roland Rechtsschutz ergeben hat. Fast jeder zweite Befragte zwischen 18 und 24 Jahren schätzt das Risiko als hoch ein, durch das Downloaden von Musik, Videos oder Bildern unbeabsichtigt eine Urheberrechtsverletzung zu begehen. Genauso verbreitet ist die Furcht, dass persönliche Benutzerkonten in sozialen Netzwerken oder beim Online-Shopping gehackt werden.

          Die Versicherer wittern zunehmend Potential im Schutz vor Gefahren im digitalen Raum. Gut ein Dutzend Unternehmen hat mittlerweile Cyberpolicen für Privatleute herausgebracht. Teils als eigenständiges Produkt, teils als Zusatzbaustein zur Rechtsschutz- oder Hausratversicherung – und in ganz unterschiedlicher Ausgestaltung, was die abgedeckten Risiken betrifft. Als nächster Anbieter will im April die Kölner Gothaer in das Segment einsteigen. „Wir haben eine gute Cyber-Kompetenz im Gewerbegeschäft aufgebaut und trauen uns auch ein Angebot für Privatkunden zu“, sagt Gothaer-Vorstand Christopher Lohmann der F.A.Z. Geplant ist der neue Cyberschutz als Ergänzung zu einer Hausratversicherung.

          Vorreiter mit 50.000 verkauften Policen

          Welche Bedeutung das noch junge Geschäft mit den Cyberpolicen für Privatnutzer inzwischen erreicht hat, ist schwer abzuschätzen. Beim Branchenverband GDV liegen keine Angaben zu den erzielten Prämieneinnahmen vor. Die Nachfrage jedenfalls steigt, wie GDV-Rechtsschutzexperte Thomas Lämmrich berichtet: „Der Markt entwickelt sich im Zuge der steigenden Sensibilität der Verbraucher für Internetrisiken.“

          Derzeit erarbeitet der Verband unverbindliche Musterbedingungen für private Cyberpolicen, die als Orientierungshilfe dienen sollen. Dazu laufen zwei Projekte: Das eine dreht sich um Rechtsschutzaspekte, das andere um Assistance-Leistungen, die häufig in Schutzbriefen gebündelt werden. Dazu kann ein Online-Schutzradar zählen, der Nutzer auf einen Missbrauch ihrer personenbezogenen Daten im Internet hinweist und deren Löschung in die Wege leitet.

          Als Vorreiter in dem neuen Segment gilt die Düsseldorfer Arag mit ihrer 2012 entwickelten Police Webaktiv. Knapp 50.000 Policen wurden mittlerweile verkauft. In Jahr 2018 lag die Zahl der Abschlüsse etwa 7 Prozent über dem Vorjahr. Webaktiv ist eine speziell auf Internetrisiken ausgerichtete Rechtsschutzpolice. Übernommen werden Anwalts- und gegebenenfalls Gerichtskosten, etwa im Zusammenhang mit Onlinekäufen oder Schadenersatzansprüchen bei Reputationsschäden.

          150 Euro für eine Familie

          Bei privaten Urheberrechtsverstößen ist der Rechtsschutz auf 500 Euro jährlich gedeckelt. Bis zu 1000 Euro im Jahr zahlt die Arag für die Löschung von rechtswidrig im Internet veröffentlichten persönlichen Daten. In der Premium-Variante ist auch die psychologische telefonische Soforthilfe nach Cybermobbing enthalten. Zudem werden bei dem Plus-Modell jährlich bis zu 10.000 Euro für Schäden gezahlt, die aus Online-Käufen oder -Verkäufen oder aus missbräuchlichen Verfügungen beim Online-Banking resultieren.

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