https://www.faz.net/-gqe-9fe2z

Digitalisierung und Daten : Wie sich die Metro für die Zukunft rüstet

Metro-Chef Olaf Koch will die Metro digitalisieren. Bild: dpa

Der Großhandelskonzern baut um – und setzt voll auf Digitalisierung. Dafür will das Unternehmen seine Daten besser nutzen. Die erste Hürde sind Smartphones, die groß genug sind für Lastwagenfahrer-Hände.

          Lastwagenfahrer haben häufig große Hände und selten zarte Finger. Was scheint wie ein unwichtiges Detail, ist in bestimmten Fällen besonders wichtig: Das hat der Großhandelskonzern Metro erlebt, als er die Tourenplanung für seine Fahrer digitalisiert hat und von einem Papierprozess auf smartphoneähnliche Geräte umgestiegen ist. Die Entwickler der Nutzeroberfläche sind nämlich mitgefahren auf den Touren und haben festgestellt, dass sich viele Fahrer sehr schwer tun mit dem kleinen Display. Der Lerneffekt: Damit die neuen Arbeitsabläufe auch funktionieren, braucht es größere Bildschirme. 

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Das sind diese kleinen Hürden, auf die Unternehmen treffen, wenn sie sich transformieren. Auch wenn Köche in Zukunft in der Großküche Zutaten per Sprachsteuerung nachbestellen können, bringt das auf den ersten Blick Vorteile: In dem Moment, in dem etwas fehlt, kann es eingetragen und abends kontrolliert werden – so muss sich nicht immer jemand am Ende der Schicht hinsetzen und alles einzeln nachtragen.

          Digitale Restaurants

          Doch wer schon einmal in einer Großküche zugegen war, weiß, wie laut es dort wird. Dort muss eine Spracherkenunng also andere Fähigkeiten haben als im ruhigen Wohnzimmer. Dass zudem mitunter auch verschiedene Sprachen oder Akzente wichtig sind, kommt hinzu.

          Mit diesen Fragen setzt sich Andreas Wittge jeden Tag auseinander. Seit 16 Jahren arbeitet er für die Metro, seit gut viereinhalb betreut er IT-Projekte. „Gerade Restaurants sind in der Digitalisierung noch ganz am Anfang“, sagt Wittge. Das beginne in der Online-Reservierung und ziehe sich über Dienstpläne bis zum Einkauf. „Und dann gibt es noch den allseits beliebten Kellner mit dem Papierblock und Bleistift.“ Im Restaurant-Geschäft, dem sogenannten Hospitality-Bereich, sieht die Metro große Wachstumsmöglichkeiten. Da konzentriert sie sich freilich zunächst auf Großstädte, in denen es digitalaffine Restaurantbesitzer und -besucher gibt.

          Ohne Daten geht nichts

          Doch auch im klassischen Großhandelsgeschäft bauen die Düsseldorfer aus. „Wir haben den Vorteil, dass wir in 35 Märkten unterwegs sind, in Asien geht vieles schneller“, sagt Wittge. China hätte ganze Dekaden in der Digitalisierung übersprungen. „Die Angst in Deutschland, Daten preiszugeben, wird nie ganz weggehen, das ist Teil unserer kulturellen Prägung und auch in Ordnung.“

          Doch wenn Kunden merkten, dass es einen spürbaren Mehrwert gibt für sie, dann steige auch die Bereitschaft, Daten zu teilen. Denn so viel ist klar: Personalisierung im Online-Handel funktioniert nur mit Daten. Die konsequent zu nutzen, haben amerikanische Unternehmen wie Amazon vorgemacht. Die Metro sitzt seit 30 Jahren auf den Daten ihrer Kunden, für den Großhandel braucht es schließlich eine Karte. Nur nutzt das Unternehmen sie noch nicht so lange. Das soll sich ändern.

          Dabei fürchtet sich Wittge nicht vor Amazon, denn auch der Konkurrent habe verstanden, dass der reine Fokus auf das Onlinegeschäft nicht ausreiche. „Der Händler, der heute die Wünsche der Kunden von morgen kennt, der wird das Rennen machen.“ Und zwar sowohl in Geschäften als auch im Internet. Auf dem Weg sind die Düsseldorfer trotz der langen Geschichte noch ganz am Anfang. Und nun auch mit neuer Strategie.

          Real soll verkauft werden

          So will sich die Metro künftig ganz auf das Großhandelsgeschäft konzentrieren. Der M-Dax-Konzern sucht deshalb nach einem Käufer für die Supermarktkette Real. Schon vor gut einem Jahr hatte sich der Konzern aufgespalten, die Elektronikmärkte Saturn und Mediamarkt sind seitdem Teil der Beteiligungsgesellschaft Ceconomy. Die Bilanz des Unternehmens sah zuletzt düster aus: Im dritten Quartal sank der Umsatz von Metro um 3,7 Prozent auf knapp 9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn sank um 23,3 Prozent auf 57 Millionen Euro.

          Doch Metro-Chef Olaf Koch sieht die schlimmste Zeit hinter sich: Nun gäbe es ein tragfähiges Geschäftsmodell und eine wachsende Online-Präsenz. Die wird mit Investitionen in neue Technik gestärkt. So hat der Großhändler in dieser Woche auf der Next-Konferenz von Google bekanntgegeben, seine Finanzstruktur in der Cloud des Internetkonzerns zu bündeln.

          Bislang hat der Handelskonzern lokale Finanzsysteme benutzt, die zwar alle SAP-Systeme sind, aber sich je nach Land und Anwendung unterschieden haben. Die bisher 35 Systeme sind nun auf einer Plattform – damit sind alle Daten an einem Ort und besser durchsuchbar. Mit statistischen Datenmodellen will Metro in der Finanzplanung auch besser voraussagen, wie sich Kundenwünsche verändern.

          In der Entscheidung habe sich das Unternehmen alle relevanten Anbieter angeschaut, sagt Wittge. Eine Zusammenarbeit mit Amazon komme schon wegen des starken Wettbewerbs nicht in Frage. Die Entscheidung zwischen Microsofts Azure-Plattform und der von Google sei am Ende auch durch den Preisunterschied gefallen – wenngleich das nicht der einzige Grund gewesen sein soll: Verfügbarkeit, Sicherheit und die Möglichkeit zur Skalierung hätten auch eine wichtige Rolle gespielt.

          Weitere Themen

          Deliveroo mit neuem Konzept

          Innovation bei Essenslieferant : Deliveroo mit neuem Konzept

          Wer hungrig ist, bestellt die Pizza oder die gebratene Ente immer häufiger mit einer App statt am Telefon. Doch der Kampf um die Aufmerksamkeit ist hart. Das britische Start-up Deliveroo baut deshalb sogar eigene Küchen – und bietet sie Restaurants an.

          Topmeldungen

          Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez nimmt in Maiquetia zwei russische Bomber des Typs Tu-160 in Empfang.

          Russische Bomber für Maduro : Kalter Krieg in Venezuela

          Russland hat zwei atomwaffenfähige Bomber nach Venezuela geschickt. Die Regierung in Washington ist empört. Venezuelas Verteidigungsminister versucht zu beschwichtigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.