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IT-Offensive : Wie die Metro aus ihrem Datenberg Kapital schlagen will

  • -Aktualisiert am

Experimentell und schlipsfrei: Im Digitallabor der Metro Bild: © Jan Voth

Der Handelskonzern weiß einiges über seine Kunden – doch gilt das Düsseldorfer Unternehmen nicht gerade als hipper Digitalisierer. Eine IT-Offensive soll das ändern.

          Bewegung in ein Unternehmen mit 150.000 Mitarbeitern zu bringen ist nicht leicht. Konzerne wie die Metro sind Tanker, sie zu wenden braucht Zeit. Timo Salzsieder achtet deshalb auch auf Kleinigkeiten im Kulturwandel. Es liefen nämlich viele Kollegen aus der IT-Organisation Metronom mit T-Shirts oder Kapuzenpullovern mit „Metronom“-Schriftzug herum. „Vor zwei Jahren, als es noch Metro Systems hieß, hätte man die Leute noch zwingen müssen, die Marke zu tragen“, sagt Salzsieder, der mit seinem Doppeltitel CIO/CSO praktisch für die gesamte digitale Wertschöpfungskette des Unternehmens zuständig ist. Etwas mehr als 2500 Mitarbeiter zählt die Metronom-Abteilung, die sich um die IT-Infrastruktur der Metro kümmert.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das ist keine ganz einfache Aufgabe, gerade in der Kommunikation nach außen. Denn im Vergleich zu großen Online-Händlern wie Amazon gelten die Düsseldorfer trotz (oder wegen) ihrer langen Historie gemeinhin nicht als agil und hip. Auch in Deutschland fallen einem eher Unternehmen wie Zalando oder Otto ein, wenn es darum geht, wie die Digitalisierung den Handel verändert.

          Große Investitionen in die IT haben zuletzt auch das Ergebnis des Konzerns belastet. Das soll sich nun aber auch auszahlen – denn der Großhändler sitzt durch seine Kundenkarten seit Jahrzehnten auf einem riesigen Datenberg – und hat inzwischen einige motivierte Leute gefunden, die daraus Kapital schlagen wollen. „Wir wissen, wer der Kunde ist, wann er im Laden war und was er gekauft hat“, sagt Salzsieder. Das wolle man auch noch stärker nutzen, um aus historischen Daten Schlüsse für zukünftiges Kaufverhalten zu ziehen.

          Mit der Cloud von Google

          So schlägt eine App für Restaurants den Kunden Produkte zu individuellen Preisen vor, abhängig vom vorigen Kaufverhalten. Preisanpassungen sind im Großhandel, auf den sich die Metro stärker als früher fokussiert, viel akzeptierter als im klassischen Einzelhandel. Während dort eher ein bis zwei Artikel im Warenkorb landen, können es bei Caterern oder Restaurants schnell 100 sein. Inspiration ist ihnen nicht so wichtig, dafür eine schnelle Bestellung und ab und an Rabatte.

          Gut die Hälfte der Websitebesuche sind schon mobil, die Metronom-Mitarbeiter testen in den Niederlanden eine App, die Rechnungen und Bestellungen leichter verwalten soll. In 14 der 35 Märkte gibt es zudem den M-Shop, eine Online-Plattform, die Metro nun ausbauen will. Das ist nicht immer ganz einfach, weil etwa in Ungarn Alkohol per Gesetz nicht bar bezahlt werden darf und deshalb schon bei einem Bier im Warenkorb diese Zahlungsmöglichkeit ausfällt.

          Und die Chinesen rechnen in Bruttopreisen, während alle anderen in Netto rechnen. Es sind solche Kleinigkeiten, die den Aufbau einer Plattform kompliziert machen, die möglichst schnell größer werden soll. Damit das technisch funktioniert, ist die Metro – außer in China – rund um die Welt nun in der Cloud von Google. Denn mit deren Infrastruktur im Hintergrund ist es auch kein Problem, wenn auf einen Schlag 10 Millionen Inder nach einer Werbekampagne die Seite besuchen.

          Weil die Feinheiten der Digitalisierung auch im eigenen Haus nicht immer ganz klar sind und nicht jeder weiß, was eigentlich schon alles technisch möglich und machbar ist, hat Metronom mitten auf dem Metro-Campus einen Pavillon aufgebaut, in dem innovative Handelskonzepte gezeigt werden – Gesichtserkennung inklusive der Stimmung der Einkäufer oder automatische Objektidentifizierung von Marmeladengläsern oder Müslipackungen. Dabei geht es gar nicht nur um eigene Projekte, sondern um Experimente und Inspiration, auch Technologie-Unternehmen wie Google oder Microsoft und kleine Start-ups sind da vertreten.

          Gleichzeitig testet die Metro auch selbst an mehreren Fronten, wie sie sich stärker digitalisieren kann. „Wave“ heißt ein Scanner, der den Einkaufswagen wiegt und gleichzeitig erkennen soll, welche Produkte darin liegen. In Frankreich können die Kunden selbst mit einer Art Scanner durch den Laden marschieren und etwa schwere Ware wie Bierfässer zu ihrem Warenkorb hinzufügen, die Schlepperei zum Auto übernehmen dann die Mitarbeiter.

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