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Neue Faktenprüfer : Wie Facebook sich auf den Europawahlkampf vorbereitet

Doch auch der Correctiv-Sprecher attestiert dem Digitalkonzern Fortschritte und zeigt sich zufrieden mit der Kooperation: „Mein Eindruck ist, dass Facebook sich bemüht, das Problem einzugrenzen und aus Fehlern zu lernen.“ Das passiere zwar nicht immer so schnell, wie sie sich das wünschten. Aber man bewege sich in die richtige Richtung.

Tessa Lyons, die Facebook-Managerin, die sich um den Newsfeed kümmert, sieht das ähnlich. Das Unternehmen habe in den vergangenen zwei Jahren große Fortschritte gemacht beim Schutz von Wahlen und im Kampf gegen Fake News. Innerhalb von drei Monaten habe man 750 Millionen Fake-Konten gelöscht, 99 Prozent davon ohne dass Facebook benachrichtigt worden sei, und die allermeisten, bevor sie überhaupt online gingen. Die Zahl der Angestellten, die sich mit „Safety and Security“ beschäftigen, habe sich zudem fast verdreifacht. Bis Ende dieses Jahres soll die Zahl auf 30.000 steigen.

Datenbank für politische Werbung

Wie viele Angestellte sich direkt mit dem Europa-Wahlkampf beschäftigen, will sie auf Nachfrage nicht angeben. Die Programmierer, die Facebook generell weniger anfällig für Falschnachrichten machten, ließen sich ja nicht einfach dem Team zurechnen, das sich um den Europa-Wahlkampf kümmere. Immer, wenn in einem Land Wahlen stattfänden, würde Facebook aber ein eigenes lokales Team zusammenstellen, das sich nur mit den dortigen Wahlen beschäftige. Das für die Europawahl sitze in Dublin, wo Facebook seinen Europasitz hat. Das gleiche gälte für die Wahlen in Indien.

Als weitere Maßnahme schaltet der Digitalkonzern Ende März seine Datenbank für politische Werbung auch in Europa frei. Das hat er schon Ende Januar angekündigt. Dort können Nutzer einsehen, wer hinter politischen Anzeigen steht, wie viel Geld die Werbenden ausgeben und an welche Bevölkerungsgruppe sich die Anzeige richtet.

Während sich die Falschnachrichten in Amerika vor allem auf Facebook verbreiteten, gab es in Indien eher Probleme mit Whatsapp, wo Nutzer Nachrichten an ihre Freunde weiterverbreiteten, ohne dass jemand außer den Nutzern das mitgekriegt hätte – auch Facebook nicht, weil Whatsapp Ende-zu-Ende verschlüsselt ist. Seitdem könnten Nutzer Nachrichten nur noch fünfmal weiterleiten, die zudem als weitergeleitete Nachrichten markiert würden, sagt Lyons. Faktenprüfer seien auch auf Whatsapp aktiv, allerdings erst, wenn Nutzer Behauptungen infrage stellen und sich meldeten. Das sei halt so mit der Verschlüsselung, meint Lyons. Allerdings würden sie die verschiedenen Konten der Nutzer auf den Plattformen Facebook, Instagram und Whatsapp ja verknüpfen. Wenn ein Nutzer oder eine Seite auf einer Plattform viele Falschnachrichten verbreite, dann wirke sich das auch auf die Reichweite auf den anderen Plattformen aus.

Gegen Ende des Gesprächs kommt Tessa Lyons noch auf den Terroranschlag in Christchurch in Neuseeland zu sprechen. Der mutmaßliche Terrorist hatte eine Kamera getragen und die Attacke live auf Facebook veröffentlicht. Sie fragt sich, ob das Unternehmen schnell genug reagiert habe. Das Video habe sich schnell verbreitet, sei immer wieder hochgeladen worden, mehr als anderthalb Millionen Mal hätten sie es aber geblockt, bevor es veröffentlicht worden sei. Ob das gut oder schlecht sei, könne sie nicht sagen.

Allerdings habe es in diesem Fall erstaunlich wenig Falschnachrichten und Gerüchte gegeben. Bei anderen Anschlägen und Attentaten seien das mehr gewesen. Lyons spekuliert, dass das daran liegen könne, dass die Motivation des Täters klar gewesen sei. Da hätten sich keine Gerüchte verbreiten können.

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