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Weniger Geld, dafür glücklich : Was macht eigentlich ein „happiness consultant“, Frau Clarke?

Samantha Clarke: „Sobald du aufhörst, neue Dinge lernen zu wollen, bist du in Schwierigkeiten.“ Bild: Benjamin Fischer

Samantha Clarke ist „happiness consultant“ und hilft Unternehmen dabei, das Arbeitsumfeld zu verbessern und die Angestellten mitzunehmen. Mit Gratis-Bier und Yoga-Kursen ist es längst nicht getan.

          5 Min.

          „Welchen positiven Einfluss hat meine Arbeit auf mich als Person? Wie verliebt man sich in das, was man Tag für Tag im Beruf macht? Wer will ich eigentlich sein?“ Samantha Clarke hat offenkundig ein Faible für die großen Fragen. Dass ein bisschen Pathos auf Veranstaltungen wie der Me Convention gut ankommt, weiß sie natürlich auch. Mit dem Aristoteles Zitat „Wo sich deine Talente mit den Bedürfnissen der Welt kreuzen, dort liegt deine Bestimmung“ schießt sie vielleicht etwas über das Ziel hinaus, aber was soll's.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Clarke hat Erfahrung mit solchen Vorträgen. Als „happiness consultant“ gehören sie zu ihrem Portfolio an Angeboten – und an Kunden mangelt es ihr offenkundig nicht: Die opulente Liste reicht von American Express über T-Mobile bis hin zum Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble oder Giorgio Armani. Niemand will schließlich frustrierte oder unglückliche Mitarbeiter haben und Hilfe von außen holt man sich heutzutage ja regelmäßig ins Haus.

          Sie selbst habe nach ihrem Studium zunächst für eine Agentur gearbeitet und dort Werbung für Müsli und Alkopops gemacht. Irgendwann habe sie sich aber gefragt, ob das alles sei und welchen Sinn sie in ihrer Aufgabe eigentlich finden sollte. Nach einiger Zeit hatte sie genug und gründete unter anderem ein Schuh-Label, das aber im Zuge der Finanzkrise scheiterte. Daraufhin fing sie an sich mehr und mehr mit Psychologie, der Arbeitswelt und der Motivation von Menschen an sich zu befassen. „Ich glaube fest daran, dass jeder seine ultimative Aufgabe hat“, sagt Clarke man müsse sie nur finden. Daran sollte ja auch Arbeitgebern gelegen sein – und an diesem Punkt kommt sie ins Spiel.

          Frau Clarke, wenn ich mich für eine Stelle als „happiness consultant“ bewerben würde, was stünde in der Aufgabenschreibung?

          Da würde stehen, dass man sich Zeit zum Zuhören nehmen muss, um Probleme in Unternehmen zu erkennen und zu verstehen. Außerdem sollte man sich anschauen, wie man das Arbeitsumfeld verbessern und Mitarbeitern helfen kann, ihr Potential voll zu entfalten. Es geht darum, dass diese für sich beantworten: Was will ich in meinem Job machen und wie will ich in der Welt gesehen werden?

          Welche Hauptprobleme sehen Sie aktuell in der Arbeitswelt?

          Ein Problem, dass ich derzeit wahrnehme, ist das der gestörten Kommunikation, gerade durch den Trend zum mobilen Arbeiten. Wie kann man die Leute miteinander verbinden, wenn sie nur noch selten gemeinsam im Büro sitzen? Und wie erledigt man eine Aufgabe, wenn das Team aus Mitgliedern besteht, die in verschiedenen Zeitzonen sitzen? Ich erlebe auch viele Fälle von Burnout auf Grund der ständigen Erreichbarkeit. Unternehmen wiederum haben das Problem, dass sie viel in die Suche nach neuen, talentierten Mitarbeitern investieren müssen und gerade die jüngere Generation oft kein Problem damit hat, schnell wieder zu kündigen, wenn sie nicht vollends zufrieden ist. Wer das verhindern will, muss sich Gedanken machen, wie er die Leute bei der Stange hält.

          Was erwartet Sie, wenn Sie in ein neues Unternehmen kommen?

          Teilweise kommen Verantwortliche auf mich zu, weil sie neue Maßnahmen für das Wohlbefinden ihrer Belegschaft implementieren wollen und Rat suchen. Andere Unternehmen wachsen derart schnell, dass sie die Sorge haben, sich nicht ausreichend um die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter kümmern zu können, während sie mit der Suche nach neuen beschäftigt sind. Ich verschaffe mir dann zunächst einen Überblick, wie es um die Zufriedenheit der Personen im Unternehmen bestellt ist und an welchen Punkten sich ansetzen lässt.

          An welchen Stellen hakt es denn in der Regel?

          Da gibt es die verschiedensten Fälle. Manchmal mangelt es etwa an einem guten Employer-Branding: Wie rede ich über das, was wir tagtäglich tun und wie pflegen wir unsere Unternehmenskultur? Oftmals werden auch gestresste Mitarbeiter, die womöglich Burnout-gefährdet sind, zu wenig unterstützt. Es ist enorm wichtig zu klären, wie man miteinander umgeht, und dass man Rücksicht auf einander nimmt. Einen Kühlschrank mit Gratis-Bier ins Büro stellen oder Yoga-Kurse anbieten, ist immer einfach, aber woher weiß ich, wem solche Annehmlichkeiten überhaupt wichtig sind?

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