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Kommentar zu Post und Amazon : Eine unberechenbare Partnerschaft

Dem Online-Händler Amazon ist die Post nicht zuverlässig genug. Bild: Reuters

Die Post hängt im Zangengriff von Amazon: Von der amerikanischen Postbehörde hat sich der Onlineriese bereits losgesagt. Auch hierzulande hat der Machtkampf begonnen.

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          Es war eine klare Ansage an die amerikanische Post: Amazon hat bei Daimler 20.000 Transporter bestellt, um die Paketzustellung verstärkt in die eigene Hand zu nehmen. Sein bisher wichtigster Logistikpartner ist dem Online-Riesen zu unzuverlässig und zu teuer. Für die Warenauslieferung in Amerika setzt Konzernchef Jeff Bezos in Zukunft auf Kleinunternehmer, welche die vielen Sprinter zu günstigen Konditionen leasen können. Es gebe eine „enorme Resonanz“ auf das Angebot, sagte Amazon-Manager Dave Clark, als er im September den Daimler-Deal verkündete. Eigentlich müssten in der Deutschen Post bei den Jubelmeldungen aus Amerika die Alarmglocken läuten. Amazon ist der mit Abstand wichtigste Kunde ihres Paketdienstes DHL. Was der Internetgigant daheim schon im großen Stil durchexerziert, könnte irgendwann auch hierzulande den Markt durcheinanderwirbeln.

          Die Anfänge sind gemacht: In deutschen Städten bauen die Amerikaner unter der Bezeichnung „Amazon Logistics“ in Zusammenarbeit mit kleinen Speditionsunternehmen ein eigenes Zustellsystem auf. Rund drei Dutzend Lieferdienste sollen schon unter Vertrag sein. Mit nach Branchenschätzungen etwa 2000 Zustellern fahren sie vor allem besonders eilige Bestellungen für Amazon Prime. Um schneller zu sein, baut der Konzern neben seinen Umschlagzentren immer mehr kleinere Verteillager in den Metropolen auf. Viele Kunden können inzwischen einen „Amazon-Locker“ als Lieferadresse angeben und die Ware dort abholen, wann es ihnen am besten passt. An Tankstellen und Supermärkten in einem Dutzend Städten stehen schon mehr als 400 der Abholautomaten, mit denen Amazon den Packstationen der Post Konkurrenz macht.

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