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Raumfahrt : Der Mond ist Trump nicht genug

Zwei Frauen betrachten im Nasa Center in Houston, Texas, die Portraits der amerikanischen Astronauten. Wenn es nach Präsident Trump geht, sollen da künftig noch weit mehr Bilder hängen. Bild: EPA

Amerika will in der Raumfahrt wieder hoch hinaus. Präsident Donald Trump würde am liebsten gleich zum Mars. Was braucht es, damit zumindest die Mondmission gelingt?

          Donald Trump hat es eilig. Dem amerikanischen Präsidenten geht das bei der Nasa alles nicht schnell genug. Die Planung der Raumfahrtbehörde laufe zu langsam. Das Raumschiff müsste doch schon fertig und die gigantische Rakete längst getestet sein.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Am 7. Juni greift er zu seinem Smartphone und verschickt einen Tweet, der bei der Nasa wie ein Meteorit einschlägt. Nicht nur, weil er darin den Eindruck erweckt, er sei der Auffassung, der Mond sei ein Teil des Planeten Mars. Er scheint auch die Strategie der Nasa in Frage zu stellen. Die Behörde solle aufhören, über eine Rückkehr zum Mond zu sprechen, denn dort sei man ja schon gewesen. Sie solle sich vielmehr auf größere Dinge konzentrieren – wie eben den Mars.

          Jim Bridenstine war aufgescheucht. Hatte die von ihm geführte Nasa nicht erst einige Monate zuvor aus dem Weißen Haus die Anweisung bekommen, die Pläne für eine Rückkehr zum Mond zu beschleunigen? Dafür zu sorgen, dass 2024 und nicht wie bislang geplant erst 2028 wieder amerikanische Astronauten den Mond betreten? Stand nach anderthalb Jahrzehnten Arbeit, milliardenschweren Investitionen, politischen Klimmzügen in Washington und dem Abschluss Dutzender internationaler Kooperationsverträge auf einmal alles wieder auf dem Spiel? Bridenstine war besorgt und rief bei Trump an, um herauszufinden, ob sich dessen Pläne geändert hätten.

          Der Preis für zwölf Amerikaner auf dem Mond war hoch

          Wie so oft stellte sich heraus, dass auch in diesem Tweet des Präsidenten viel heiße Luft steckte. Trump versicherte dem Nasa-Chef, am Mondprojekt werde nicht gerüttelt. Er machte aber auch klar, dass ihn das allein nicht zufriedenstellen wird. Die Rückkehr zum Mond sei nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einem viel größeren und ambitionierteren Vorhaben. „Wir müssen eine amerikanische Flagge auf den Mars stellen“, sagte Trump. Denn das werde alle Amerikaner inspirieren.

          Dafür stellte der Präsident nun sogar eine Aufstockung des Nasa-Budgets in Aussicht. Seitdem wird Bridenstine nicht müde, über den Mars als übergeordnetes Ziel zu sprechen. Trump wünscht sich einen Moment herbei, wie es der frühere Präsident John F. Kennedy einst tat. Vier Jahre nachdem die Sowjets 1957 den ersten Sputnik und sechs Wochen nachdem sie im April 1961 mit Juri Gagarin den ersten Mensch ins All geschickt hatten, gab Kennedy vor dem Kongress das Ziel aus, bis zum Ende der sechziger Jahre Amerikaner zum Mond zu bringen.

          Und tatsächlich gelang dieses Vorhaben am 21. Juli 1969 im Rahmen der Apollo- 11-Mission. Die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin standen auf dem Mond. Ein Meilenstein in der Geschichte. Alles in allem brachte die Nasa bis Dezember 1972 zwölf Amerikaner auf den Erdtrabanten. Der Preis war hoch. Washington hatte 20.000 Unternehmen mit 400.000 Mitarbeitern dafür eingespannt, Materialien und Technologien entwickeln lassen, die es bis dahin gar nicht gab, 24 Milliarden Dollar in die Hand genommen und sich von deutschen Ingenieuren um Hitlers einstigen Chefraketenbauer Wernher von Braun die Saturn-V bauen lassen, die größte Rakete, die es bis dahin gab.

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