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Weniger Arbeitsplätze : Die Videospielbranche ist kein Jobmotor

Allein zu Haus: Es werden zwar neue Entwicklungsstudios gegründet, die meisten davon beschäftigen jedoch nur wenige Mitarbeiter. Bild: Jana Mai

Spiele für Computer, X-Box und Playstation sind Kulturgut – und ihre Entwicklung könnte zu einer wichtigen Zukunftsbranche werden. Doch stattdessen geht die Zahl der Jobs dort zurück.

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          In der Videospielbranche leisten viele Gründer Pionierarbeit für die Digitalwirtschaft in Deutschland – doch ein Jobmotor ist die Branche bislang nicht. So zumindest lassen sich die neuesten Beschäftigtenzahlen interpretieren, die der Verband der deutschen Videospielbranche, Game, am Mittwoch veröffentlichte.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr Menschen in Deutschland gründen demnach kleine Entwicklungsstudios für Spiele, doch insgesamt wurden mehr Arbeitsplätze abgebaut als neu dazukamen. Insgesamt gibt es zur Zeit 614 Unternehmen in Deutschland, die Videospiele entwickeln oder veröffentlichen. Das sind 90 mehr als vor einem Jahr. Auch der Markt wächst weiter: Von 2017 auf 2018 legten die Umsätze mit Videospielen und der dazugehörigen Hardware um 9 Prozent zu und summieren sich nun auf knapp 4,4 Milliarden Euro. Doch laut Game ist der Zuwachs an Unternehmen vor allem auf Gründungen kleiner Entwicklungsstudios mit weniger als 5 Mitarbeitern zurückzuführen.

          „Der weitere Rückgang der Beschäftigtenzahlen zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck auf Games-Unternehmen in Deutschland ist“, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Verbands. „Der Grund liegt darin, dass nur wenige der in Deutschland gespielten Games auch hierzulande entwickelt werden.“Die Quote, die Spiele deutscher Entwickler auf ihrem Heimatmarkt haben, liegt nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2017 bei nur 5,4 Prozent – Tendenz weiter sinkend.

          Der Game fordert deshalb schon lange eine staatliche Förderung der Videospielentwicklung in Deutschland. Frankreich zum Beispiel verabschiedete eine solche Subventionierung zum ersten Mal schon im Jahr 2003. Das mag mit dazu beigetragen haben, dass der größte Videospielkonzern Europas, Ubisoft, aus Frankreich kommt.

          Auch Deutschland fördert – ein bisschen

          Der Konzern aus Montreuil nördlich von Paris führt bekannte Titel wie die „Assassin‘s Creed“- und die „Anno“-Reihen in seinem Portfolio und ist mit einem Umsatz von gut 1,8 Milliarden Euro auch der einzige aus Europa, der in der Liga der großen Videospielproduzenten der Welt wie Nintendo (Japan), Activision Blizzard und Electronic Arts (beide Vereinigte Staaten) mitspielen kann. Mehrere bekannte deutsche Studios kaufte Ubisoft in den vergangenen Jahren auf.

          Die Bundesregierung reagierte im vergangenen Jahr auf das fortgesetzte Werben der Branche und stellte im Bundeshaushalt 2019 erstmals 50 Millionen Euro zur Förderung der Videospielbranche bereit. Im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr fehlen diese Mittel nun allerdings wieder. Die Hoffnungen der Branche ruhen deshalb auf dem zuständigen Minister Andreas Scheuer (CSU), der in zwei Wochen die Leitmesse Gamescom in Köln eröffnen wird. Man hoffe, so heißt es in Branchenkreisen, zu diesem Anlass auf ein Signal von ihm.

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