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Ökonom Roubini über Bitcoin : „Die Mutter aller Gaunereien und Blasen“

Ist Bitcoin ein gigantischer Schwindel oder bald so wichtig wie das Internet? Bild: dpa

„Vor allem finanzielle Analphabeten waren buchstäblich berauscht von Bitcoin und Krypto-Käufen“, sagt Nouriel Roubini vor dem amerikanischen Kongress. Und auch zur Blockchain-Technologie hat er eine klare Meinung.

          „Die Mutter – oder der Vater – aller Gaunereien und Blasen“, seien Kryptoanlagen und seit dem Bitcoin-Hype im Dezember 2017 habe ein regelrechtes „Krypto-Blutbad“ stattgefunden. Das zumindest sagte Nouriel Roubini, Wirtschaftsprofessor an der renommierten New York University, am Donnerstag während einer Expertenbefragung vor dem amerikanischen Senat in Washington, D.C, wie der amerikanische Fernsehsender CNBC berichtet.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Nouriel Roubini im Zuge der Finanzmarktkrise vor zehn Jahren bekannt. Er war einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler, die schon im Jahr 2006 vor einer Rezession als Folge kollabierender Häuserpreise warnten. Gleichzeitig sagte er auch voraus, dass die hohe Staatsverschuldung für viele Länder der Europäischen Währungsunion ein Problem werden könnte.

          Dr. Doom

          Die Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre in Folge gewachsen und auch in Europa entwickelte sich die Wirtschaft positiv. Deshalb fanden viele Beobachter seine negativen Prognosen übertrieben und gaben Roubini den Spitznamen Doctor Doom (Doktor Untergang).

          Nun wurde Roubini als kundiger Ratgeber in den Senat der Vereinigten Staaten eingeladen. Dort läuft gerade eine rege Diskussion über Kryptoanlagen. Um sich ein besseres Bild von aktuellen Entwicklungen zu machen, lädt der amerikanische Senat immer wieder Experten ein, um ihre Einschätzung abzugeben.

          Roubini sagte sehr deutlich, wie er die Dinge sieht: Den Kursverlust des Bitcoin um 65 Prozent seit dem Kurshöhepunkt bezeichnete er als „Krypto-Apokalypse“. Er zeigte sich vor allem besorgt darüber, dass viele Kleinanleger in die spekulativen Digitalvermögenswerte eingestiegen seien: „Vor allem finanzielle Analphabeten – Menschen, die nicht einmal den Unterschied zwischen Aktien und Anleihen erklären könnten – waren buchstäblich berauscht von Bitcoin und Krypto-Käufen.“

          Ende 2017 hätten „Gauner, Betrüger, Kriminelle, Scharlatane, große Insider-Händler und Karneval-Banker“ mit der Angst ahnungsloser Kleinanleger gespielt, eine gute Anlagemöglichkeit zu verpassen. „Dann haben sie denen“, so Roubini weiter, „zum Kurshöhepunkt miese Anlagen angedreht, die dann abgeschmiert und gecrasht sind – innerhalb weniger Monate –, wie man das in der Geschichte von Finanzmarktblasen noch nicht gesehen hat.“

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          Auch von der Blockchain-Technologie, die Bitcoin zugrunde liegt, ist Roubini nicht angetan. Es handle sich um die „am meisten übertrieben hochgejubelte – und am wenigsten nützliche – Technologie in der Geschichte der Menschheit“.

          So wichtig wie das Internet?

          Ein anderer der eingeladenen Experten befand die Kryptoanlagen dagegen sehr viel positiver. Peter Van Valkenburgh ist Forschungsdirektor der Denkfabrik Coin Center (Münz-Zentrum), die sich selbst als führende Forschungs- und Lobbyorganisation für Kryptoanlagen bezeichnet. „Die schiere Tatsache, dass es ohne vertrauenswürdige Vermittler funktioniert, ist bemerkenswert. Es wird für Freiheit, Wohlstand und den Fortschritt der Menschheit ähnlich wichtig sein wie die Geburt des Internets.“

          Ende September hatten sich einige Senatoren an die amerikanische Börsenaufsicht SEC gewandt und um eine Klarstellung gebeten, wie die Aufsicht Kryptoanlagen einschätzt und gegenwärtig reguliert. Der Anfrage war ein mehrstündiges Treffen vorausgegangen, in dem die Senatoren sich über das Thema ausgetauscht hatten. In den kommenden Wochen möchten zudem einige Senatoren neue Gesetzentwürfe vorstellen. Es wird erwartet, dass die für diese Anlageklasse eher freundlich ausfallen – trotz aller Warnungen von Doctor Doom.

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