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Was tun gegen Spam? : E-Mails müssen Geld kosten

  • -Aktualisiert am

Unerwünschten und einseitigen Mailverkehr könnte man in Zukunft kosten lassen. Bild: Picture-Alliance

Unerwünschte Nachrichten fluten regelmäßig unsere Postfächer. Das muss nicht sein. E-Mails könnten kostenpflichtig werden – und Spam in Zukunft so minimieren.

          Wer kennt sie nicht, die E-Mails mit Millionenversprechen von Prinzen aus Nigeria, Werbung für Abmagerungspillen oder Lotteriegewinnbenachrichtigungen? Spam gehört zu unserem Alltag, und er belastet uns stark: Wir müssen Spam von Nicht-Spam trennen, und einmal geöffnete Anhänge bedrohen uns mit Schadsoftware. In Unternehmen belastet Spam die Server, und die Spam-Bekämpfung ist teuer. Schließlich fehlen die hochqualifizierten Entwickler von Spamfiltern bei der Entwicklung gesellschaftlich nützlicherer Software. Was also tun?

          Bisher wurde vor allem auf technische Lösungen gegen Spam gesetzt. So soll Filtersoftware Spam von unseren elektronischen Postfächern fernhalten. Das sogenannte „Greylisting“ ist eine Form der technischen Bekämpfung, bei der die erste eingehende E-Mail eines unbekannten Absenders abgewiesen und die Mail erst nach einem weiteren Zustellversuch angenommen wird. Die Methode klappt jedoch nur, sofern der Server des Absenders die Spamnachricht nicht automatisch ein zweites Mal sendet. Klar ist bei allen technischen Lösungen, dass sie bestenfalls mäßig funktionieren. Nicht alles, was Spam ist, erkennt der Filter als Spam. Noch schwerer wiegt es, wenn erwünschte E-Mails fälschlicherweise als Spam klassifiziert werden oder aufgrund des Greylisting verspätet ankommen.

          Spam hält sich nicht an die neue DSGVO

          Der juristische Kampf gegen Spam ist noch weniger wirksam als Spamfilter. Zwar sind Gesetze gegen Spam schnell formuliert. Ihre Durchsetzung ist aber mit hohen Kosten verbunden: Den vermeintlich steinreichen Prinzen aus Nigeria ausfindig zu machen erscheint wenig sinnvoll. Auch die anfänglich gepriesene EU-Datenschutz-Grundverordnung hilft nicht, unerwünschte E-Mails zu reduzieren. Vielmehr traf eher das Gegenteil zu. Seriöse Newsletter-Anbieter und Unternehmen, bei denen man ohnehin angemeldet war und sich problemlos abmelden kann, wurden durch die Verordnung gezwungen, eine Art Spamnachricht zu senden, mit Bitte um explizite Zustimmung, dass der Newsletter nun weiter gesendet werden darf. Der reiche Prinz und der Wunderpillen-Produzent hingegen ignorieren die Verordnung.

          Nun ist es Zeit für eine ökonomische Lösung. Der Kern des Spam-Problems ist, dass das Versenden von Massenemails für den Absender praktisch gratis ist. Deshalb wird viel zu viel verschickt. Für die Empfänger sind unerwünschte Massenmails mit Triageaufwand, der Installation von Filtern oder dem Übersehen wichtiger Mails verbunden. Mancher mag sogar Betrügern zum Opfer fallen. Die ökonomische Lösung ist, diese Kosten der Empfänger den Verursachern, sprich den Sendern, anzulasten. Auf den ersten Blick naheliegend wäre es, eine Art Mail-Steuer einzuführen. Das ist aber keine gute Lösung, denn damit würden alle Nachrichten belastet, auch diejenigen, die ihren Absendern und Empfängern Nutzen bringen. Wir schlagen deshalb folgendes vor: Jede gesendete E-Mail sollte nur mehr dann dem Empfänger direkt im Postfach angezeigt werden, wenn mit ihr ein gewisser Geldbetrag, zum Beispiel zehn Cent, in einer Kryptowährung an den Empfänger mitgeschickt wird. Alle anderen Nachrichten werden zwar nicht gelöscht, gehen aber in einen „Wertlos“-Ordner. Empfänger, die Freude an wertlosen E-Mails haben, können dort ab und zu schmökern und löschen.

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