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Digitales Handwerk : Das Smartphone ist so wichtig wie der Schraubenzieher

  • -Aktualisiert am

Kann das Smartphone beim Handwerk behilflich sein? Bild: mauritius images

Hammer, Schraubenzieher, Stromprüfer und der klassische Zollstock: Handwerker brauchen nicht viel technischen Schnickschnack. Doch die Digitalisierung ist auch längst im Handwerk angekommen. Kann das Smartphone den Arbeitsalltag erleichtern?

          Hammer, Schraubenzieher, Stromprüfer und der klassische Zollstock gehören für den Schreiner, Elektriker oder Sanitärinstallateur zum Alltagswerkzeug. Aber sein Mobiltelefon nutzt der Handwerker höchstens zum Telefonieren und eher selten zum Datenaustausch zwischen der Baustelle und dem Unternehmen. In der zwölf Mitarbeiter zählenden Elektro Röckel GmbH mit Sitz in Karlsruhe ist das anders: „Die Mitarbeiter machen beispielsweise Bilder zur Dokumentation der Arbeit und schicken sie ins Büro“, sagt Geschäftsführer Sergej Bilenko.

          Der 31-Jährige schaut sich diese gezielt mit Blick auf etwaige Fehler an. So hat er schon einmal eine falsch eingesetzte Sicherung in einem Sicherungskasten entdeckt. Auf solche Fehler wird er sonst eher bei der Abnahme aufmerksam. Die findet freilich weiterhin statt, aber die Kontrolle mit Hilfe der Bilder ist für Bilenko weniger Arbeit, weil er nun nicht mehr ständig zum Arbeitsort hinfahren muss. Seine Mitarbeiter können aber gleichfalls benötigtes Material über das Mobiltelefon anfordern. Die Bestellung wird dann im Büro weiterverarbeitet.

          „Die Digitalisierung ist längst im Handwerk angekommen“, sagt Holger Schwannecke, der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Das sei inzwischen viel mehr, als nur eine Homepage aufzusetzen. Es gehe um digitale Arbeits- und Produktionsprozesse. Doch bei den rund eine Million Betrieben mit ihren 5,49 Millionen Beschäftigten, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 581 Milliarden Euro machten, ist der Stand der Digitalisierung recht unterschiedlich. Das ist schon in dem kleinen Betrieb in Karlsruhe zu sehen: Als Bilenko die Elektro Röckel GmbH vor drei Jahren übernahm, gab es keine Computer, alles wurde per Telefon bestellt. Er stellte konsequent auf den Einsatz moderner Informationstechnologie um und führte eine App für die interne Kommunikation ein. Die hat das Stuttgarter Start-up My Craftnote entwickelt.

          Den beiden Gründern Gleb Christoffel und Dirk Steffen ist aufgefallen, dass Handwerker zum Austausch von Bildern, Videos und Nachrichten vor allem auf den zu Facebook gehörenden Messengerdienst Whatsapp setzen. Doch dabei taucht regelmäßig eine Schwierigkeit auf. Die Whatsapp-Informationen müssen schließlich in das System des Betriebs übertragen werden. Genau an diesem Punkt setzt My Craftnote an. Mit Hilfe dieses kleinen Programms wird eine einheitliche Kommunikation sichergestellt, und der Stand der Arbeiten auf der Baustelle kann genau dokumentiert werden. Es kann entweder über das Mobiltelefon auf die Daten zugegriffen werden oder am Computer im Büro, sagt der 33 Jahre alte Christoffel.

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          Noch ein Gerät wäre eines zu viel

          Die Bedienung der App ist angelehnt an den bekannten Messengerdienst, damit sich die Nutzer zurechtfinden. Zusätzlich haben die beiden Gründer ihr Programm aber auch noch mit einem PDF-Scanner versehen, um damit Lieferscheine auf Papier erfassen zu können, um der vielfach noch vorherrschenden Zettelwirtschaft zu begegnen. Christoffel und Steffen sind sich am Anfang gar nicht so sicher gewesen, ob eine App bei Handwerkern überhaupt ankommt. Zunächst überlegten sie, ob sie anstelle des Mobiltelefons auf ein weiteres Gerät setzten sollten, das die gewünschten Funktionen vereine. Doch davon kamen sie wieder recht schnell ab, weil die Handwerker am liebsten ihr Smartphone benutzen, ganz gleich ob sie dreckige Hände haben oder dafür ihre Arbeitshandschuhe ausziehen müssen.

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