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Warnung vor Europawahlen : „Gelbwesten“ haben 105 Millionen Mal Fake News gesehen

Wird dieser Demonstrant von Falschnachrichten beeinflusst? Bild: dpa

Vor den Europawahlen warnt ein Bericht: Falschnachrichten haben auch in Europa großen Einfluss, vor allem bei den „Gelbwesten“ in Frankreich. Die Autoren haben einen einfachen Vorschlag, um Fake News zu bekämpfen.

          Dass im Umfeld der französischen „Gelbwesten“-Bewegung viele gefälschte Nachrichten kursieren, ist nicht neu. Schon im Dezember 2018 gab es Berichte über erfundene Guillotinen auf einem Platz in Paris. Doch ein Bericht der Kampagnenplattform Avaaz, der FAZ.NET vorab vorlag, wirft ein neues Licht auf das Ausmaß der Fake News bei den „Gilets jaunes“. Der Titel: „Gelbwesten von Fake News überflutet“.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In dem Bericht heißt es, Fake News im Umfeld der Bewegung seien allein auf Facebook 105 Millionen Mal aufgerufen worden. Dabei gebe es in Frankreich nur 35 Millionen regelmäßig aktive Facebook-Nutzer. Vier Millionen Mal hätten Nutzer die Inhalte zudem geteilt, also weiterverbreitet. Untersucht hat Avaaz den Zeitraum seit Beginn der Bewegung der „Gelbwesten“ im November 2018. Dabei konzentrierte man sich auf die 100 bekanntesten Fake-News-Geschichten.

          Avaaz ist eine der ältesten Online-Petitions-Plattformen überhaupt. Sie wurde 2007 im Umfeld der amerikanischen Demokraten gegründet und ist inzwischen international aktiv. Nach eigenen Angaben ist sie die größte Bürgerbewegung im Internet.

          Viel Reichweite für Russia Today

          Der Bericht offenbart damit auch die Entwicklung der politischen Willensbildung im Internet. Während vor einem Jahrzehnt noch der Optimismus überwog, durch digitalen Aktivismus die Politik zu beeinflussen, wird nun vor allem über die Gefahren gesprochen. Die ersten Online-Aktivisten sehen die sozialen Medien inzwischen äußerst kritisch. „Der Kampf gegen Fake News ist notwendig für den Schutz der Demokratie“, sagt der Deutschlandchef von Avaaz, Christoph Schott, im Gespräch. Für die Untersuchung habe die Kampagnenplattform ein Team mit 25 Mitarbeitern aufgebaut, in dem unter anderem erfahrene Journalisten und Datenanalysten arbeiten.

          Avaaz warnt zudem davor, dass „Russia Today„ durch die „Gelbwesten„ seine Reichweite stark ausbauen konnte. So komme der Youtube-Kanal von RT Frankreich bei Videos im Zusammenhang mit der Gelbwesten-Bewegung auf mehr als doppelt so viele Aufrufe wie Le Monde, L'Obs, Le Huffington Post, Le Figaro und France 24 gemeinsam. Auch in Deutschland würden Videos von RT zum Thema Gelbwesten am meisten angeschaut. Die 10 folgenden Youtube-Kanäle hätten weniger Views als RT allein.

          Das sei eine große Gefahr für die Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai dieses Jahres. Schott meint, Falschnachrichten und Wahlbeeinflussung sei nicht nur in Brasilien, Indien oder Amerika ein Problem, sondern auch in Europa. Er fordert, dass die Plattformen eine Richtigstellung einführen, die von verlässlichen Quellen geprüft werden sollten. „Die sollten sie den Leuten anzeigen, die Fake News gesehen haben, so wie Zeitungen das auch machen, wenn sie sich korrigieren.“ Man solle die Falschnachrichten nicht löschen, sondern den Nutzern mehr und geprüfte Informationen geben.

          Facebook weist in einem Blogbeitrag zu den Europawahlen darauf hin, dass das Unternehmen Inhalte lösche, die gegen Standards verstießen, und grenzwertige Inhalte weniger Nutzern anzeige. Werbende müssten sich ab Ende März autorisieren, bevor sie politische Werbung schalten dürften. Zudem mache das Unternehmen weitere Informationen über die Werbenden öffentlich zugänglich. Die Nutzer könnten einsehen, wer die Werbung geschaltet habe und wie viele Leute eine Werbung gesehen hätten. Zudem veröffentliche das Unternehmen Informationen über Alter, Geschlecht und Wohnort der Nutzer.

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