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Suchmaschine in China : Hatte Bings Ausfall wirklich nur „technische“ Gründe?

Wieder erreichbar: Bings chinesische Seite, aufgenommen Anfang der Woche auf einem Computer in Peking. Bild: AP

Zwei Tage lang war Microsofts Suchmaschine Bing in China nicht erreichbar, Zensur wurde vermutet. Nun heißt es, der Ausfall sei ein „technisches Problem“ gewesen. Doch ob das stimmt, ist fraglich.

          Vom vergangenen Donnerstag bis zum späten Freitag war die Suchmaschine Bing in China nicht mehr erreichbar. Nachdem Mitarbeiter von chinesischen Telekomanbietern anonym berichtet hatten, sie hätten eine schriftliche Anweisung von einer Regierungsbehörde zum Blockieren der Seite erhalten, galt Bings Schicksal als jüngster Fall der immer schärferen Zensur des Internets in China durch die Sicherheitsbehörden.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Mittlerweile ist die Seite in China wieder erreichbar. Unklar bleibt, was die Ursache für ihren Ausfall gewesen ist. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt unter Berufung auf einen nicht näher genannten Mitarbeiter von Microsoft, ein „technisches Problem“ haben dazu geführt, dass Bing zwischenzeitlich nicht erreichbar gewesen ist – und nicht die Zensur Pekings.

          Diese Erklärung ist fraglich, weil zum einen Microsoft ein Interesse daran haben könnte, den Vorgang herunterzuspielen, sollte Peking tatsächlich die Seite vorübergehend hat abschalten lassen – möglicherweise, um Microsoft einzuschüchtern. Dass dies in der Vergangenheit passiert sei, hatte Microsoft-Präsident Brad Smith am Donnerstag am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos gesagt.

          Auch Google hatte erst nur Ausfälle

          Es habe schon öfter „Unstimmigkeiten“ mit der chinesischen Regierung gegeben, sagte Smith, der als Chief Legal Officer die Rechtsabteilung des amerikanischen Konzerns leitet. Ebenso seien die „Verhandlungen“ mit Peking in der Vergangenheit zuweilen „schwierig“ gewesen.

          Auch die Suchmaschine Google hatte mehrmals vorübergehende Ausfälle in China erlebt, bevor sie 2010 schließlich gänzlich in China geblockt wurde. Anders als der Wettbewerber aus Kalifornien blieb Microsoft mit seiner Suchmaschine im Land und zensiert seitdem die Inhalte.

          So fördert die Suche nach „Tiananmen“, dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens, in der Bing-Version außerhalb Chinas Ergebnisse zutage, von denen die ersten vier das unter diesem Namen berüchtigte Massaker aus dem Jahr 1989 thematisieren. In der chinesischen Version hingegen ist von den blutig niedergeschlagenen Protesten bei der Suche nach „Tiananmen“ in keinem einzigen Ergebnis die Rede. Stattdessen erscheinen ausschließlich Einträge chinesischer Staatsmedien, die den Platz des Himmlischen Friedens in Zusammenhängen mit Architektur oder Staatsbesuchen erwähnen.

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